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Kommentar zu Pulse of Europe : Jetzt erst recht

Stimme für Europa: Pulse of Europe Bild: AP

„Pulse of Europe“ hat inzwischen eine wichtige Funktion, auch wenn ihr mancher vorwirft, nur Loblieder auf ein grenzenlos freies und friedliche Leben in Europa zu singen.

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          Nach den Wahlergebnissen in den Niederlanden und Frankreich hätten Daniel und Sabine Röder und ihre Mitstreiter sagen können: Ziel erreicht, das war’s. Man hätte es ihnen nicht verdenken können, schließlich haben die Initiatoren der Bewegung „Pulse of Europe“ ehrenamtlich mit einem kleinen Unterstützerkreis in weniger als einem halben Jahr eine Bewegung aufgebaut, die in 130 Städten in 19 europäischen Ländern Tausende auf die Straße bringt. Und die selbst vom Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin als Beweis dafür genannt wird, wie viel den Bürgern an Europa liegt.

          Die Organisatoren von „Pulse of Europe“ wollen jetzt aber nicht lockerlassen. Trotz Kritik und Drohungen möchten sie die Gunst einer Zeit nutzen, in der der Brexit und der polternde amerikanische Präsident die Europäer zusammenrücken lassen, nach dem Motto: Jetzt erst recht! Mancher meint gar, sie müssten Theresa May, Marine Le Pen und Donald Trump zu Ehrenmitgliedern ernennen, weil sie der Bewegung so viel Aufmerksamkeit verschafft haben.

           

          Die „Pulse“-Macher wollen ihre Position nutzen, um auf Reformen in Europa zu dringen. Um die Diskussion darüber anzuschieben, haben sie alle Parteien, die für den Bundestag kandidieren, um Stellungnahmen gebeten. Die Antworten sollen bei den Kundgebungen und in anderen Foren diskutiert werden.

          Eine eigene Idee, wie das Europa der Zukunft aussehen sollte, will die Bewegung aber nicht vorgeben. Das soll Sache der Politik bleiben. Dass sich die Demonstranten eine Europäische Union wünschen, in der die Bürger mehr Einfluss haben, ist jedoch spürbar. Für die junge Bewegung, die ihren Ursprung in Frankfurt hat, sich aber längst international aufgestellt sieht, wäre es wohl auch schwierig, Modelle zu entwickeln. Denn sie hat keinen nennenswerten Apparat.

          „Pulse of Europe“ tut gut daran, die Verantwortung Politik und Wissenschaft zu überlassen – auch, damit ihre Demonstrationen nicht zu Wahlkampfveranstaltungen werden.

          „Pulse of Europe“ hat inzwischen eine wichtige Funktion, auch wenn ihr mancher vorwirft, nur Loblieder auf ein grenzenlos freies und friedliche Leben in Europa zu singen. Doch die Demonstranten fordern auch, dass es so bleibt. Darum ist es gut, dass die Bewegung ihr Ziel als längst nicht erreicht ansieht und weiter Flagge zeigt.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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