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Eintracht Frankfurt : Spanische Verhältnisse

Verstehen sich: Omar Mascarell und Jesus Vallejo Bild: dpa

Jesus Vallejo in der Abwehr, Omar Mascarell im Mittelfeld - mit den beiden Neuen will die Eintracht ihre Spielkultur verbessern. Der Anfang scheint vielversprechend.

          3 Min.

          Eine berühmte Nummer für einen hoffnungsvollen Fußballspieler mit feinen Manieren. Es ist wohltuend zu hören und zu sehen, dass Jesus Vallejo in den Trainingslagertagen von Flachau nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits der Spielwiese eine gute Figur abgibt. Der höfliche Spanier, 19 Jahre alt, hat von seinem neuen Klub Eintracht Frankfurt am Mittwoch im österreichischen Mannschaftshotel ganz offiziell den Arbeitsdress mit der Rückennummer fünf erhalten. Ob er sie auch im Liga-Alltag regelmäßig zur Schau tragen wird, „entscheidet der Trainer. Ein Stammplatz ist nicht unbedingt mein Ziel. Ich bin bescheiden und ehrgeizig zugleich. Denn ich möchte auch Deutsch lernen und mein Englisch verbessern.“ Sportdirektor Bruno Hübner, der aufmerksam der von einem Dolmetscher begleiteten Präsentation lauschte, sagte: „Jesus ist genau der Spieler, den wir uns bei der Eintracht für den Spielaufbau vorgestellt haben. Er hat Übersicht, zudem ist er schon in jungen Jahren eine Persönlichkeit.“

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Von Madrid über Saragossa nach Frankfurt: Vallejo glaubt zu wissen, auf welches Abenteuer er sich fern der Heimat einlässt. „Ich kannte die Eintracht schon vorher. Das ist ein Traditionsverein in der Bundesliga, die eine der besten Ligen der Welt ist. Die Möglichkeit, dort zu sein, musste ich ergreifen.“ Was es sportlich besonders reizvoll macht, erstmals für einen deutschen Klub am Ball zu sein, ist für Vallejo die „wunderschöne Herausforderung, gegen Stürmer wie Lewandowski und Aubameyang zu spielen“.

          Meinungen eingeholt

          Nicht nur bei Vallejo, auch bei dessen Landsmann Omar Mascarell liegt das letzte Wort über Stammelf oder Ersatzbank bei Niko Kovac. Der Eintracht-Trainer hat sich bewusst für die Transfers der beiden Spanier starkgemacht, „weil sie technisch versiert sind“. Zudem zeichnen sie sich durch Handlungsschnelligkeit und Passgenauigkeit aus, was in den langen Übungseinheiten auf dem gepflegten Flachauer Fußballplatz immer wieder zu sehen ist. Ob Mittelfeldspieler Mascarell eher offensiv oder eher defensiv das Frankfurter Spiel mit antreiben und schnell machen soll, ist dem 23-Jährigen einerlei. „Der Trainer bestimmt. Ich kann beide Varianten ausfüllen.“

          Was sicherlich auch mit der fußballerischen Ausbildung zusammenhängt, die Mascarell bei seinen vormaligen Klubs Real Madrid, Derby County und Sporting Gijón genossen hat. „Gijón hat auf Konterfußball gesetzt“, sagte der auf der Kanareninsel Teneriffa geborene Mascarell. „Bei Real war es Tiki-Taka. Ich persönlich stehe mehr auf Ballbesitz.“ Auf die Spielform von Fußball also, die nach Ansicht von Eintracht-Coach Kovac in der Bundesliga lediglich zwei Teams beherrschen: Bayern München und Borussia Dortmund.

          Für Vallejo und Mascarell dürfte es gelegen kommen, dass ihr neuer Fußballlehrer auch auf „individuelle Kreativität“ setzt. Eigenständiges Handeln und Wirken hat selbst der junge Innenverteidiger Vallejo schon praktiziert. Als Kapitän führte er die spanische U-19-Nationalmannschaft vor ziemlich genau einem Jahr in Griechenland zum Europameistertitel. Und Mascarell machte sich vor seinem Sprung von Spanien nach Deutschland beim ehemaligen Eintracht-Profi Joselu schlau. „Mit ihm habe ich in der zweiten Mannschaft von Real Madrid gespielt. Ihn habe ihn nach Verein, Fans und Stadt gefragt. Das hat mir Sicherheit gegeben.“ Eine zweite eingeholte Meinung beim neuen spanischen Mainz-05-Spieler José Rodriguez rundete das Bild ab.

          „Ich soll Tore machen“

          Es stimmt schon: Wer den Kader der neuen Eintracht inspiziert, dem kann es schon spanisch vorkommen. Die Fraktion derjenigen, die spanisch sprechen, ist durch Vallejo und Mascarell um hundert Prozent gewachsen. Zuvor waren es der Italo-Argentinier David Abraham und der Mexikaner Marco Fabian, die den Kulturkreis des international aufgestellten Eintracht-Ensembles bereichert haben. Sportlich mit durchwachsenem Erfolg, denn während Innenverteidiger Abraham eine starke Saison spielte und sich in den Zukunftsplanungen von Kovac fast schon unentbehrlich gemacht hat, hofft Angreifer Fabian weiter auf seinen Durchbruch in Deutschland. In Flachau berichtete er rückblickend von „nicht leichten Zeiten“, seitdem er im Winter als Vereinsrekordtransfer zur Eintracht gestoßen war.

          Doch Kovacs Versprechen, allen Spielern eine Chance zu geben, macht Fabian Mut. „Es geht jetzt wieder bei null los. Ich will meine Qualität zeigen und mir einen Stammplatz holen.“ Einige Unterredungen mit dem Eintracht-Trainer hätte ihn in seiner Einschätzung bestätigt, ließ Fabian am verregneten Mittwoch übersetzen. „Ich soll Vertrauen in mich haben“, sagte Fabian. „Und ich soll aufs Tor schießen und Tore machen.“ Seine bisherige Bilanz: elf Spiele, null Tore. Kann also nur besser werden. Vielleicht erhält Fabian neue Impulse auch durch die größer gewordene spanisch sprechende Fraktion.

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