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Heller Ort: Wucherpfennig in der Seminarkirche der Frankfurter Hochschule Sankt Georgen Bild: Marcus Kaufhold

Jesuitenpater Wucherpfennig : Gehorsam fällt ihm schwer

  • -Aktualisiert am

Den Konflikt mit Rom hat Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig gut überstanden. Bald will er sich in einem Buch äußern. Bis dahin ist er mit sich im Reinen.

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          Von den drei Gelübden, die er abgelegt hat –, Gehorsam, Ehelosigkeit, Armut – fällt ihm das erste am schwersten. Dabei hatte Professor Dr. Ansgar Wucherpfennig vor einem guten Jahr viel Gelegenheit, sich in Gehorsam zu üben. Die Bildungskongregation in Rom verweigerte ihm nach seiner Wiederwahl als Rektor der Frankfurter Jesuitenhochschule Sankt Georgen das „Nihil obstat“, die Zustimmung zur Ausübung eines Lehramts.

          Der Vatikan hatte sich an einer Äußerung des Jesuiten in der „Frankfurter Neuen Presse“ über eine Bibelstelle zur Homosexualität gestört. Das Interview hatte Wucherpfennig der Zeitung schon im Oktober 2016 gegeben. Da es als unwahrscheinlich gelten muss, dass im Palazzo delle Congregazioni die „Frankfurter Neue Presse“ studiert wird, liegt die Vermutung nahe, dass jemand den Professor für Exegese des Neuen Testaments angeschwärzt hatte. So geht es manchmal zu in der heiligen katholischen Kirche.

          Welle der Sympathie

          Der Fall sorgte für Aufsehen, bundesweit und international. Nicht nur der Limburger Bischof Georg Bätzing und der deutsche Jesuiten-Provinzial Pater Johannes Siebner unterstützten öffentlich und hinter den Kulissen den Priesterkollegen, der zunächst halb verdattert, halb verstört wirkte und schwer an seinem Gehorsamsgelübde zu arbeiten hatte. Doch die breite Welle der Sympathie trug ihn über das Gröbste hinweg. Der 54 Jahre alte Niedersachse fuhr gleichsam die Ernte ein für das Leben eines „lauteren Priesters“, wie ihn sein Freund, der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, nannte. Die Solidarität, die er erfuhr, hat Wucherpfennig sehr bewegt.

          Der Wunsch, Priester zu werden, kam bei ihm früh auf und musste ein paar Umwege überstehen. Dass er schon mit zehn Jahren auf diese Idee kam, lag sicherlich daran, dass drei seiner Onkel Priester waren. Die „friedliche, intakte Familie“ stammt aus dem erzkatholischen Eichsfeld in Thüringen an der Grenze zu Niedersachsen, dem selbst die kommunistische DDR die Volksfrömmigkeit nicht austreiben konnte.

          Im Laufe der Jahre verblasste der Priesterwunsch. Wucherpfennig, der Saxophon und Gitarre spielt, liebäugelte mit einem Studium der Musik- und Theaterwissenschaft in Hamburg. Doch bei der Bundeswehr, „in einer Zeit sinnfreier Beschäftigung“, wuchs die Bereitschaft, Philosophie und Theologie zu studieren. Er wollte, sagt Wucherpfennig heute, „den Glauben, der mich seit Kindertagen trug, theoretisch durchdringen“. Auf den Jesuitenorden fiel die Wahl, weil ihn die Mischung aus wissenschaftlicher Orientierung und nichtkitschiger Frömmigkeit anzog.

          Beides fand er in Sankt Georgen vor. Die kleine, feine Hochschule für Philosophie und Theologie liegt wie eine grüne Oase inmitten eines schönen Parks im Frankfurter Stadtteil Oberrad. Sie hat sich der „Pietati et Scientiae“ verschrieben, der Frömmigkeit und Wissenschaft, man achte auf die Reihenfolge.

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