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Jesuiten-Rektor Wucherpfennig : „Ganz im Sinne des Papstes“

Ansgar Wucherpfennig: „Ich dachte, dass ich mich ganz im Sinne des Papstes bewege.“ Bild: dpa

Der ehemalige Jesuiten-Rektor Ansgar Wucherpfennig verteidigt seine Aussagen zur Homosexualität und beruft sich auf Papst Franziskus. Zuvor hatte er den Zorn des Vatikans auf sich gezogen.

          Der bisherige Rektor der philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, hat die Affäre um seine Person als eine „Sternstunde der Kirche“ bezeichnet. Der Theologe sagte in einem Gespräch mit der „Frankfurter Neuen Presse“, er sei überwältigt von der Solidarität, die er inner- und außerhalb der Kirche erfahre, seit der Vatikan ihm die sogenannte Unbedenklichkeitserklärung verweigert hat und er sein Rektorenamt nicht ausüben kann.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Vatikan nimmt wie berichtet offenbar Anstoß an Wucherpfennigs Plädoyer für einen offeneren Umgang der Kirche mit Homosexuellen. Der Theologe sieht sich jedoch mit Papst Franziskus im Einklang. „Ich habe den Eindruck, dass ich in der Zuwendung zu Schwulen und Lesben ganz auf dem Weg bin, den Papst Franziskus auch eingeschlagen hatte, mit seinem berühmten Satz: ,Ein Homosexueller? Wer bin ich, ihn zu verurteilen?‘ Das hat mir Auftrieb gegeben. Ich hatte den Eindruck, dass wir den Weg gehen, den Papst Franziskus mit der Kirche gehen will.“

          Rückhalt aus der Kirche

          Wucherpfennig sagte weiter, der Papst habe nach seiner Wahrnehmung den Raum für das Gespräch über Schwulen und Lesben eröffnet. „Deswegen dachte ich, dass ich mich ganz im Sinne des Papstes bewege.“ Der Theologe befürchtet, dass die „römischen Bedenken“ den Weg des Vertrauens, auf dem einige Menschen zurück zur Kirche gefunden hätten, zunichtemachen oder zumindest stark behindern. Sollte der Vatikan die Ernennung weiter verweigern, „dann bin ich fröhlich und munter weiter Professor. Und Jesuit, Priester und Seelsorger.“

          Der Rektor hatte in den vergangenen Tagen viel Rückhalt aus der Kirche erhalten. Außerdem hatten sich Frankfurts Hochschulpräsidenten und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) hinter ihn gestellt. Gestern erhielt er auch Unterstützung von den Grünen im Römer. Die Auseinandersetzung drohe der katholischen Kirche und der Hochschule Sankt Georgen erheblich zu schaden, meint der Fraktionsvorsitzende Manuel Stock. Wucherpfennig werbe für eine andere Haltung zur Homosexualität, er habe homosexuelle Paare gesegnet, spreche sich für ein Diakonat für Frauen aus und versuche so, Kirche auch in der heutigen Gesellschaft als relevanten Ansprechpartner und moralische Instanz zu erhalten. „Es ist nicht zu verstehen, dass konservative Kreise in Rom sich anmaßen, dieses Verhalten zu unterbinden und zu bestrafen.“

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