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Jazzfestival in Sachsenhausen : Flinke Finger, schnelle Zungen

  • -Aktualisiert am

Leidenschaftlich: Klaus Heidenreich an der Posaune Bild: Rüdiger Vogt

Das dritte Jazzfestival der Fabrik Sachsenhausen zeigt, dass es auch in Deutschland Jazzmusiker mit der Perspektive zum internationalen Star gibt. Den Höhepunkt des Festivals markiert das Daniel Guggenheim Quartett.

          Es gibt mehr als einen Till Brönner und mehr als einen Michael Wollny. Wer es nicht glaubt, dass in Deutschland die Jazzmusiker mit der Perspektive zum internationalen Star auf den Bäumen wachsen, muss nur zu Veranstaltungen wie jenem mehrtägigen Frankfurter Jazzfestival gehen, dass jetzt zum dritten Mal in der Fabrik in Sachsenhausen veranstaltet wurde. Wenigstens zehn Instrumentalisten traten da in den fünf Bands hervor, denen man unbedenklich das Prädikat „besonders talentiert“ ausstellen könnte.

          Woran das liegt, dafür gibt es zumindest ein ins Auge springendes Indiz. Fast alle haben vom landesweiten Förderungssystem profitiert, waren Preisträger bei „Jugend jazzt“ und gehörten den zahlreichen Landesjugendjazzorchestern oder der Elitetruppe des Bundesjazzorchesters an. Einige von ihnen sind mittlerweile selbst als Lehrende in das Ausbildungsnetz integriert und sorgen dafür, dass Talente, die es auch anderswo gibt, sich hier optimal entwickeln können.

          Ausgereift und technisch versiert

          Beispiele gefällig? Maximilian Shaikh-Yousef, Saxophonist aus Frankfurt und Gewinner des Jazzstipendiums der Stadt für das Jahr 2018 hat die einschlägigen Förderstufen absolviert und gilt mit 25 Jahren schon als origineller Komponist und Arrangeur für ausgefallene Besetzungen wie sein eigenes Nonett mit fünf Bläsern. In seinem Ensemble „Shaikh 9“ spielt zudem der erst 17 Jahre alte Victor Fox aus Seligenstadt ein Tenorsaxophon, so ausgereift und technisch versiert, dass er auch in renommierten amerikanischen Bands mithalten könnte.

          Dann kam Ludwig Hornung mit seinem Trio in die Fabrik, ein inspirierender Pianist, aus dessen flinken Fingern die Töne offenbar gar nicht schnell genug herauswirbeln können. Oder Wanja Slavin aus dem Peter Gall Quintett, ein Altsaxophonist, der mit erstaunlicher Leichtigkeit das Legato-Spiel auf seinem Instrument neu definiert. Der Posaunist Klaus Heidenreich – Jugend jazzt undsoweiter, versteht sich – besitzt eine feine Technik, ein gutes Gespür für ausgewogenen Improvisationsaufbau und vor allem einen schönen, warmen Ton, mit dem er lange schon den Posaunensatz der NDR-Bigband komplettiert. In seinem Quartett spielen der kraftvoll sonore Bassist Robert Landfermann und der Pianist Sebastian Sternal, die in Verbindung mit dem kurzfristig eingesprungenen Schlagzeuger Silvio Morger eine wahre Supergroup des aktuellen Jazz bilden, freilich ohne allen Starrummel, der zum Etikett gehört.

          Ein Hirn voller ausgefeilter Ideen

          Überhaupt Sebastian Sternal. Auch er hat die beschriebene Ausbildung hinter sich gebracht, lehrt mittlerweile als Professor in Mainz, und ist ein Wahnsinnspianist mit einer wetterfesten Rhythmusauffassung, brillanter Anschlagstechnik und einem Hirn voller ausgefeilter Ideen, wie man es selten in dieser geballten Form zu hören bekommt. Er war jedenfalls auch mitverantwortlich dafür, dass die letzte Band des Festivals, das Daniel Guggenheim Quartett, zugleich den Höhepunkt markierte.

          Guggenheim, schon lange in Frankfurt sesshaft, muss man zu den ganz großen Stilisten des aktuellen Jazz zählen. Wollte man ein Beispiel für prototypisches Tenorsaxophonspiel suchen – großer Ton in allen Lagen, überlegene Phrasierung zwischen rasenden Passagen, hymnischen Ausbrüchen und lyrischer Klangsinnlichkeit, langer Atem und Gespür für die Architektonik der Soli – man fände es in seinem Spiel. Auf dem Sopransaxophon aber, das er ebenso gut beherrscht und dessen näselnden Sound er in einen himmlischen Schalmeienklang verwandeln kann, findet Guggenheim so schnell keinen Rivalen im modernen Jazz.

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