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Jan Schneider (CDU) im Gespräch : „Ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe“

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Designierter Stadtrat: Jan Schneider Bild: Fricke, Helmut

Viele finden, der Posten des unterbeschäftigten Infrastruk-turdezernenten Volker Stein (FDP) sollte gestrichen werden. Der von der schwarz-grünen Koalition als Nachfolger erkorene Jan Schneider (CDU) sieht das anders und sagt, Frankfurt habe relativ wenige hauptamtliche Stadträte.

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          Herr Schneider, am Donnerstag sollen Sie von der schwarz-grünen Koalition in den hauptamtlichen Magistrat gewählt werden. Freuen Sie sich auf den Tag?

          Ich freue mich auf den Tag und bin gespannt. Ich freue mich vor allem deshalb, weil dann die Diskussion um meine Wahl allmählich zum Ende kommen wird.

          Seit Monaten wird darüber gestritten, ob die Stadt diesen neunten Dezernentenposten wirklich braucht. Der scheidende Infrastrukturstadtrat Volker Stein von der FDP hält ihn für überflüssig. Wie nehmen Sie die Debatte wahr?

          Die Diskussionen haben wieder einmal gezeigt, dass Personaldebatten in der Politik spannender sind als inhaltliche Debatten. Ich habe aus Neugier mal gezählt, wie viele Artikel dazu geschrieben worden sind. Allein zu der Frage, ob meine Wahl sinnvoll ist oder nicht, waren es mehr als sechs Dutzend.

          In der Frankfurter Tagespresse?

          Ja, vor allem. Aber auch darüber hinaus. Das macht einen schon so etwas nachdenklich, weil ich aus meiner Zeit als Stadtverordneter und Landtagsabgeordneter weiß, wie lange man arbeiten muss, um so viele Artikel zu Sachthemen zusammenzukriegen. Insofern hätte ich mich gefreut, wenn man die Sachthemen ein bisschen stärker in den Vordergrund gestellt hätte.

          Außer den möglichen Einsparungen beim Wegfall eines Dezernats haben sich noch keine Sachfragen gestellt. Der SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann hat gesagt, dass er den Posten für überflüssig hält. Damit ist doch eine inhaltliche Sinnlosigkeit verknüpft, oder?

          Man muss sich schon die Frage stellen, wie viele Dezernenten man sinnvollerweise braucht, um eine Stadt wie Frankfurt mit rund 700000Einwohnern politisch zu führen. Wirft man dabei den Blick über Frankfurt hinaus auf andere kreisfreie Städte und Sonderstatusstädte in Hessen, wird man sehr schnell sehen, dass die Zahl der hauptamtlichen Stadträte im Verhältnis zur Zahl der Einwohner nicht hoch ist. Inklusive Oberbürgermeister hat der Magistrat zehn hauptamtliche Dezernenten, also einen für etwa 70000Bürger. In Wiesbaden und Offenbach kommt ein Stadtrat auf etwa 40000Bürger. Deshalb stimmt es einfach nicht, wenn der Oberbürgermeister oder auch die Organisatoren eines Bürgerbegehrens so tun, als wäre eine Wiederbesetzung ein unnötiger Luxus.

          Jetzt könnte man einwenden, dass Frankfurter Dezernenten ganz besonders effizient, fleißig und präzise arbeiten und den Unterschied dadurch ausgleichen.

          Das machen sicherlich alle Dezernenten in allen Städten.

          Auch in Offenbach?

          Ganz bestimmt.

          Ihr Name ist von der CDU-Führung schon vor Monaten genannt worden, als es um die Frage ging, wer Volker Stein nachfolgen solle. Wäre es nicht klüger gewesen, sich zwar auf die Nachbesetzung an sich festzulegen, ansonsten aber zu sagen: „Wir haben viele gute Leute und entscheiden das zu gegebener Zeit.“ Das hätte Ihnen ein halbes Jahr Unannehmlichkeiten erspart.

          Es war für mich eine neue Erfahrung, in dieser Form Gegenstand von Berichterstattung zu sein. Dass man als jemand, der Politik macht, in der Presse auftaucht, ist klar. Aber dann doch meistens, weil man sich an einer politischen Diskussion aktiv beteiligt. Das war diesmal anders.

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