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Jairo Samperio : Spanisches Feuer für Mainz

  • -Aktualisiert am

Aufwärts soll es für Jairo Samperio bei Mainz 05 gehen. In Sevilla war seine Karriere eher im Sinkflug. Bild: dpa

Jairo Samperio gibt dem Team von Trainer Hjulmand den Vorzug vor Angeboten aus seinem Heimatland. Nun soll der Mann aus Sevilla die rechte Außenbahn beflügeln.

          Auch am Tag seiner Vorstellung in Mainz war Jairo Samperio ziemlich im Stress. Eine knappe halbe Stunde dauerte die Frage-Antwort-Runde, und dabei präsentierte sich der 21 Jahre alte Neuzugang als selbstbewusster, aber nicht zu forscher Fußballprofi. Also auf den ersten Eindruck als jemand, der durchaus ins Teamgefüge des Bundesligaklubs Mainz 05 passt. Mit seinem neuen Trainer Kasper Hjulmand hatte er erst ein paar Worte gewechselt, sich seine Jobbeschreibung für die nächsten vier Jahre bis zum Vertragsende Mitte 2018 geholt. Der Zwei-Millionen-Mann vom Europa-League-Gewinner FC Sevilla soll auf der rechten Außenbahn die temporeiche Nachfolge des zum Hamburger SV gewechselten Kurzzeit-Nationalspielers Nicolai Müller antreten. Eine Position, die im Spanischen „extremo derecho“ genannt wird.

          Samperio, den alle nur kumpelhaft Jairo rufen, wird in seiner Heimat ein ähnliches Talent nachgesagt wie Jesús Navas, der nach zehn Jahren beim FC Sevilla vor zwölf Monaten zu Manchester City wechselte. Für 20 Millionen Euro. Doch die Karriere von Samperio war in Sevilla zuletzt im Sinkflug, nur deshalb hatte der Mainzer Manager Christian Heidel überhaupt die Möglichkeit, ihn abzuwerben. Bis Dezember 2012 sei alles gut gewesen, erzählt der U-21-Nationalspieler. „Dann hatte ich immer weniger das Vertrauen des Trainers.“ Und als sein ehemaliger Klub noch Gerard Deulofeu für zwölf Millionen Euro vom FC Barcelona dazukaufte, war für ihn klar, dass etwas passieren musste. „Es gab auch Angebote zur Ausleihe von anderen spanischen Vereinen. Doch ich wollte einen richtigen Wechsel haben.“ Und der Mainzer Bundesligaklub – dies ist seit den Zeiten von Jürgen Klopp so – habe sich über die Maßen bemüht. „Der Trainer war sehr an meiner Verpflichtung interessiert. Das habe ich in Sevilla vermisst.“

          Samperio will Ruf als Perspektivspieler abstreifen

          Und dennoch: Die spanische Liga zu verlassen sei eine schwere Entscheidung gewesen. Allein aufgrund der Sprache. Hier hilft der Kolumbianer Elkin Soto weiter, der längst sehr gut Deutsch spricht; als offizielle Amtssprache in der Multi-Kulti-Mannschaft des Mainzer Cheftrainers Kasper Hjulmand hat sich mittlerweile Englisch etabliert. Ein Argument für Mainz 05: „Die Bundesliga hat ein ganz hohes Niveau erreicht und ist aufgrund der TV-Gelder in der Summe ausgeglichen.“ Auch von der Stimmung in den deutschen Stadien ist Samperio äußerst angetan. Heidel hatte es unlängst etwas drastischer, anders gerichtet formuliert: „Der spanische Markt kollabiert schon seit Wochen. Die Hälfte der Spieler will nach Deutschland, weil sich die Seriosität der Klubs herumgesprochen hat.“ Samperio sei ad hoc „Feuer und Flamme“ gewesen.

          Das Trainerteam und seine neuen Kollegen kennenlernen, zwischendurch noch mal zurück nach Spanien, um ein paar Sachen einzupacken, seine Freundin Carmen und die Familie zu treffen – bei Samperio war in den vergangenen Tagen ziemlich was los. Er hatte nicht viel Zeit, seine Freundin aufgrund von Klausuren auch nicht, ruhiger wird es wohl frühestens Mitte September. Dann will Samperio in Mainz groß herauskommen und seinen Ruf als Perspektivspieler – als solcher kam er einst von Racing Santander nach Sevilla – so schnell wie möglich loswerden. Und die Vergleiche mit Navas hört er gar nicht gerne. „Ich werde meinen Weg gehen und das Machbare herausholen, was ich leisten kann.“

          Bevor seine Verpflichtung offiziell wurde, war bereits tagelang über seinen bevorstehenden Transfer spekuliert worden, und dann, über Nacht, hatte die „Bild“-Zeitung gemeldet: „Wechsel geplatzt – Spanien-Star rasselt durch den Medizincheck!“ Was bei genauer Betrachtung dann doch ein bisschen vorschnell aus der Hüfte geschossen war. „Es fehlten Daten aus Spanien, das ist alles gewesen“, sagt Samperio vornehm zurückhaltend. Die komplette Wahrheit veröffentlichte unlängst das neue Internetfachportal nullfuenfmixedzone.de. Was fehlte, war eine Bescheinigung über jene Medikamente, die Samperio wegen seines Bluthochdrucks einnehmen muss.

          Alles geregelt. Längst vergessen. Der neue Mann bekommt die Trikotnummer 17, und wo Samperio draufsteht, ist Jairo drin. Die Fußballbürokratie will es so. Denn sein Künstlername ist nicht im Pass eingetragen. „Mein Stil zu spielen könnte in der Bundesliga gut passen“, sagt er. Ersten Anschauungsunterricht dürfte es bereits am nächsten Wochenende in Berlin bei Hertha BSC geben.

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