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Oldtimer als Anlageobjekt : Jagd nach dem schönen alten Eisen

Auftakt: A, 9. April ist es an der Orber Straße in Frankfurt wieder so weit: Die Klassikstadt lädt zum Old- und Youngtimer-Saisonstart Bild: Kien Hoang Le

Zinstief und Spekulation haben Oldtimer-Preise explodieren lassen. Autos zum fairen Preis finden sich trotzdem noch.

          Der Straßenmeister salzt nicht mehr nach. Die ersten starken Frühjahrsregen haben das für Blech so gefährliche Streugut vom Asphalt gewaschen. Geblieben sind die gesalzenen Preise. Die Oldtimer-Saison 2017 beginnt.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Die große Nachfrage hat den Markt seit Jahren heißlaufen lassen. In den Ballungsräumen um Städte wie Frankfurt und München besonders. Ob Fiat 500, Käfer Cabrio, Mercedes SL, Jaguar E-Type oder Porsche 911, die Preise haben sich seit 2010 für gesuchte Old- und Youngtimer verdoppelt, teils verdreifacht. Und sie steigen in vielen Fällen weiter.

          Den Traum, doch noch eine unerkannte Kostbarkeit für einen Bruchteil des wahren Wertes zu ergattern, träumt gelegentlich jeder, der für alte Autos schwärmt, aber es bleibt ein Wunschtraum. Schnäppchen gibt es spätestens seit dem Zeitpunkt nicht mehr, seit mit Oldtimern spekuliert wird. Das gilt ganz besonders für den Porsche 911.

          Ölige Handarbeit

          Trotzdem sind nach wie vor auch von dieser Sportwagenlegende in der Substanz solide Exemplare zu einem Preis zu finden, den auch Enthusiasten mit einem begrenzten Budget aufbringen können. Vorausgesetzt, sie sind geduldig, scheuen präzise, manchmal ölige Handarbeit nicht und denken beim Maulschlüssel nicht an Handgreiflichkeiten der Großväter. Raritäten wie einen frühen Porsche 911 Turbo 3.0 (1974 bis 1977) oder gar ein Carrera RS 2.7 von 1973 kann sich der daheim berichtspflichtige Oldtimer-Enthusiast gleich aus dem Kopf schlagen. Preise in gut sechsstelliger Größenordnung sind da üblich und in heimischer Etatdebatte einer Mittelschichtfamilie kaum mit Erfolg zu vertreten.

          Ein ordentlicher 911 3,0 SC (1978 bis 1983) für um die 35.000 Euro lässt sich aber auch heute noch finden, gelegentlich auch ein gut erhaltener Carrera 911 3,2 (1984 bis 1989). Allerdings können das angesichts der Marktlage keine Fahrzeuge in Showroom Condition sein. Im günstigsten Fall handelt es sich um einen technisch über die Jahrzehnte recht gut gewarteten Wagen mit neuem TÜV und steuergünstigem Oldtimer-Kennzeichen (H-Kennzeichen), an dem aber durchaus noch etwas zu tun ist, um ihm wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Diesen Zustand beschreiben Fachleute mit den Noten 3 oder 3 minus. Daily Driver wird in den Offerten gerne als Chiffre benutzt. Der Begriff ist allerdings ziemlich dehnbar. Bei solchen Exemplaren sieht man dem Lack die dreißig, fünfunddreißig Jahre an, den Sitzen auch. Oft sind bei genauem Hinsehen Nachlackierungen zu erkennen, ein paar Steinschlagspuren auf der Motorhaube gehören dazu.

          100.000 Kilometer Laufleistung oder mehr

          Die Laufleistung der Motoren liegt in dieser Preisklasse meistens um oder auch jenseits von 100.000 Kilometern. Aber auch das bedeutet aber erst einmal nichts Schlimmes. Denn regelmäßig gewartete SC-Motoren und erst recht die Carrera 3,2-Motoren schaffen Laufleistungen von 300.000 Kilometern, bevor die erste große Motorrevision fällig wird. Der Nachteil: Auch hohe Laufleistungen dämpfen die Preise kaum. Seit 1976 sind die Porsches vollverzinkt. Das macht es dem Rost schwerer, aber nicht unmöglich, das Blech anzufressen. Früher oder später taucht auch bei verzinkten Wagen in bekannten Schmutzecken der Kotflügel oder an durch Steinschlag freigelegten Stellen an Unterboden und Seitenschwellern der braune Fraß zumindest in geringem Umfang auf. In der Regel ist er aber von Profis ohne sehr großen Aufwand wieder zu beseitigen.

          Für Oldtimer-Novizen gilt immer und beim Kauf in dieser Preisklasse besonders: niemals ohne kundigen Rat entscheiden. Auf Oldtimer spezialisierte Werkstätten bieten bisweilen an, einen fachmännischen Blick auf fremde Wagen zu werfen, die ein Kunde kaufen möchte. Für luftgekühlte Oldtimer wie Porsche 911 oder VW Käfer gilt Russ Automobile in Wiesbaden als eine der kundigen Adressen im Rhein-Main-Gebiet. Gerade deshalb geht dort aber nichts ohne Terminvereinbarung. Man kann sich auch an örtliche Kraftfahrzeug-Sachverständige wenden, die beispielsweise nach den Classic Data-Regeln Oldtimer bewerten und einstufen. Eventuell anfallende Entgelte sind in jedem Fall gut investiert.

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