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Musikerin Jacky Bastek : Musik, die ganz ohne Elektronik beeindruckt

  • -Aktualisiert am

Saiten-Ass: Jacky Bastek bei einem ihrer Auftritte Bild: Mark Trebron

Die brillante Gitarristin Jacky Bastek, die sonst nur solo unterwegs war, spielt nun im Trio Humblo in der Sommerwerft in Frankfurt. Ihr Bühnenprogramm ist voll neuer Kompositionen.

          3 Min.

          Bislang war Jacky Bastek in Frankfurt meist allein auf der Bühne zu erleben. Mit variabler Stimme und ausgefeiltem Gitarrenspiel kann die kluge, in Kriftel und Eppstein im Taunus aufgewachsene Songschreiberin auch ohne Elektronik beeindrucken. Zumal ihre Fingerstyle genannte Spielweise mitunter fast eine kleine Band suggeriert. Eingeflochtene Melodien, mit allen acht Fingern auf dem Griffbrett getippt, fließende Pickings und prägnante Riffs, perkussiv schnalzende Saiten und aufs Holz geklopfte „Beats“: Die dynamische Komplexität und Klangvielfalt dieser Stilistik lässt staunen und macht Spaß.

          Seitdem Jacky Bastek 2016 ihr herausragendes Debütalbum „Idylls“ komplett selbständig produzierte und veröffentlichte, ist viel passiert. Sie schrieb sich an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln ein, wo die heute 23 Jahre alte Musikerin demnächst ihren Bachelorabschluss erhalten wird. Anders als zumeist üblich nicht mit einem Abschlusskonzert, sondern in Form eines Abschlussalbums, das sie wiederum im Alleingang während des Corona-bedingten Online-Semesters konzipiert hat. Das Virus wirkte sich noch anderweitig aus. „Als Band wollten wir dieses Jahr unfassbar viele Konzerte geben, quer durch Europa bis nach Portugal reisen, um dort zu proben und Demos für unser erstes Trio-Album aufzunehmen“, erzählt Jacky Bastek. Nachdem die Pandemie den Tourplan durchkreuzte, fiel die Entscheidung, wenigstens eine EP zu produzieren. „Anfangs schickten wir uns Soundfiles hin und her. Inzwischen haben wir uns im Speisesaal eines ehemaligen Klosters ein Studio eingerichtet, zusammen mit einem befreundeten Toningenieur“, erzählt die Musikerin.

          Keine Tour, aber eine EP

          Bis Ende des Sommers soll die EP fertig werden. Derzeit beschäftige man sich vor allem mit klanglichen Aspekten, sagt die Bandleaderin. Ausgehend von der Frage, die viele umtreibt: Wie lassen sich die Stimmung und Intensität von der Bühne in eine Studioproduktion transferieren? Analog zur Livepräsentation konzentriert sich das Trio auch im Studio auf akustische Klangquellen, allerdings wird deren Umfang erheblich ausgeweitet. „Ich habe die Geige wieder rausgeholt“, lacht Bastek, die mit sechs Jahren begann, klassische Violine zu lernen, ehe sie als Teenager auf die Gitarre umstieg. In den vergangenen Jahren erweiterte sie ihr Repertoire um Mandoline, Klavier, Cello und japanische Shakuhachi-Flöte, die nun auch bei den Aufnahmen zum Einsatz kommen können. Ebenso wie Flaschenklirren, Kratz- oder Luftgeräusche und mehrstimmige Passagen.

          Die Zeit an der Hochschule brachte Jacky Bastek jede Menge neue Kontakte. So gab sie einige Konzerte mit dem britischen Pianisten Ben Comeau, gemeinsam schrieben sie „eine 40 Minuten lange Suite zwischen Songwriter-Ästhetik und Olivier Messiaen, die wir noch aufnehmen wollen“, grinst Bastek. Durch Vermittlung ihres Mentors, des in Wuppertal lebenden amerikanischen Mandolinen-Virtuosen Mike Marshall, gastierte Bastek in den Vereinigten Staaten, darüber hinaus vertonte sie ein Videospiel. Die bislang größte Tragweite hatte indes ihre Begegnung mit dem klangorientierten Schlagzeuger Felix Ambach, Jahrgang 1998, und dem rund acht Jahre älteren Kontrabassisten Yannik Tiemann. Eine einzige Jamsession im Frühjahr 2017 führte zur Gründung der Band Humblo. Beide Musiker sind in der sehr aktiven Kölner Jazzszene verwurzelt, Tiemann wurde durch seine Mitwirkung in preisgekrönten Bands wie dem Simon Below Quartett und Der Weise Panda bundesweit bekannt.

          Lediglich ein Stück von „Idylls“ befinde sich noch im aktuellen Bühnenprogramm, alle übrigen Songs habe sie seitdem geschrieben, sagt Jacky Bastek. Die Kompositionen seien nun durchdachter, sie gehe bewusster mit Stilmitteln und Details um. In ihren englischen Texten reflektiert sie weiterhin persönliche Erlebnisse, Beobachtungen und Gedanken, die sie mittlerweile weniger abstrakt formuliere. Kommunikation ist ihr wichtig. „Zurzeit spiele ich am liebsten mit anderen“, erklärt Bastek vergnügt: „Natürlich hat es was, alleine auf der Bühne zu stehen. Aber das muss nicht über Wochen sein, weil dabei ein wesentlicher Aspekt der Musik wegfällt, nämlich die Interaktion.“ Schon vor Jahren ließ sich Bastek von Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ zu einem Song inspirieren, von der künstlerischen Verständigung unter Musikern kommt sie schnell auf größere Zusammenhänge. „Das Ziel, achtsam und gut miteinander klarzukommen, gilt ja für alle Bereiche, ob im Büro oder Kloster, in einer Lebensgemeinschaft oder Band“, betont sie.

          Konzert am Samstag

          Am Sams­tag, den 25. Juli, tritt Jacky Basteks Humblo von 18 bis 19 Uhr bei der Sommer­werft am Frank­fur­ter Main­ufer auf. Ab 31. Juli wird ihr bereits für „Stof­fel Online“ in der Stal­burg aufge­zeich­ne­tes Konzert unter der Adres­se https://​stoffel.​stalburg.​de/ zu strea­men sein.

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