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J.M. Coetzee in Frankfurt : Langsame Worte

Der südafrikanische Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee in Frankfurt Bild: Röth, Frank

Dem Sprechen über seine Bücher oder gar sich selbst zieht J. M. Coetzee seine Texte vor. Nun las der Südafrikaner vor ausverkauftem Haus in Frankfurt.

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          Dem Sprechen über seine Bücher oder gar sich selbst zieht J. M. Coetzee seine Texte vor. Nun las er auf Einladung des Hessischen Literaturforums im ausverkauften Theatersaal des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm, ohne jeden Gesprächsschnörkel, versehen nur mit einer Einführung von Julika Griem, Anglistikprofessorin an der Frankfurter Goethe-Universität. Mitgebracht hatte er einen Ausschnitt aus seinem neuen Roman, der im Frühjahr unter dem Titel „The Childhood of Jesus“ auf Englisch und im Herbst nächsten Jahres bei S. Fischer in Frankfurt auf Deutsch erscheint.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Er spricht die Worte langsam aus“, heißt es zu Beginn des Buches, das von einem Mann und einem kleinen Jungen erzählt, die sich als Flüchtlinge in einem fremden Land befinden. Auch Coetzee liest anfänglich langsam und sorgfältig auf Deutsch vor, in der Übertragung seiner Übersetzerin Reinhild Böhnke, der er das Kompliment der einzigen Nebenbeibemerkung dieses Abends macht: Er sei seit langem der Meinung, ihre Prosa sei besser als sein Englisch.

          Grenzen der Hilfsbereitschaft

          Freundlich sind in Coetzees Roman die Bürokraten, die den Flüchtlingen helfen, immer wieder aber kommt der geradezu gespenstische Moment, in dem die Auskunftsfreude und die Hilfsbereitschaft der Menschen an ihre Grenzen stoßen und der Mann und das Kind noch enttäuschter, ratloser und misshandelter dastehen als zuvor. Der Schlüssel für die versprochene Unterkunft ist im Amt plötzlich nicht mehr zu finden, eine Mitarbeiterin der Behörde nimmt die beiden zwar mit zu sich nach Hause, weist ihnen aber eine Unterkunft im Hof zu, unter Wellblech.

          Einfacher erzählt ist das alles als in Coetzees bislang letzten Romanen mit ihren spielerischen Konstruktionen. Das Publikum ist gebannt. Und der Nobelpreisträger, der gezeigt hat, wie unnötig das Lesungssprechen über Bücher ist, unterzieht sich, höflich bis zuletzt, dem Ritual des Signierens. Die Schlange ist lang.

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