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Bistum Limburg : Rom prüft den Fall Tebartz-van Elst

  • -Aktualisiert am

Falsche Abrechnungen von Baufirmen führten zu Verlusten für das Bistum: Kann der ehemalige Limburger Bischof Tebartz-van Elst dafür belangt werden? Bild: dpa

Kann der Bischof für den Luxusbau in Limburg belangt werden? Das prüft die Kurie in Rom. Aber auch im Bistum ist noch einiges ungewiss: Nach wie vor ist offen, wann ein neuer Bischof gewählt wird.

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          Das Verhältnis der Diözese Limburg zu Bischof Tebartz-van Elst könne noch nicht abschließend geklärt werden. Das hat Weihbischof Manfred Grothe, der Apostolische Administrator des Bistums Limburg, in einem Pressegespräch gesagt. Aufgrund falscher Abrechnungen von Baufirmen sei es beim Bau des Bischofshauses zu Verlusten für den Bischöflichen Stuhl gekommen. Die Kurie in Rom prüfe derzeit, ob Tebartz-van Elst nach dem Kirchenrecht dafür belangt werden könne.

          Vor einem Jahr hat Papst Franziskus den Rücktritt des Limburger Altbischofs angenommen und Weihbischof Manfred Grothe zum Apostolischen Administrator ernannt. Seine Hauptaufgabe sei es, die Versöhnung innerhalb des Bistums zu fördern, sagte Grothe. Dafür suche er den Dialog mit den Mitarbeitern und den Gläubigen. Er hatte seine Aufgabe laut eigener Aussage zunächst anders verstanden. Als Leiter der Untersuchungskommission hatte er den Prüfbericht über die Ereignisse im Bistum wesentlich mit verfasst. Er nahm daher an, er werde die wichtigsten Punkte des Berichtes zu klären haben. Das sei im vergangenen Jahr weitgehend geschehen. Die wichtigsten Probleme lägen aber tiefer, sagte Grothe. Es habe kein Vertrauen mehr zwischen der Bistumsleitung und den Mitarbeitern geherrscht. „Die verschiedenen Gruppen haben nicht mehr miteinander gesprochen“, sagte Wolfgang Rösch, der Ständige Vertreter Grothes.

          Selbstheilung à la Grothe

          Laut Grothe hat sich die Krise im Laufe der Zeit immer weiter zugespitzt. Schon nach einigen Jahren habe es zwischen Bischof Tebartz-van Elst und manchen Mitarbeitern erste Probleme gegeben. Als es später zu schweren Verletzungen gekommen sei, habe eine Instanz zur Schlichtung gefehlt. „Auch die Metropolie“, also das Erzbistum Köln, habe nicht die Rolle gespielt, „die sie hätte einnehmen sollen“, sagte Grothe. Die Folge seien zerrüttete Verhältnisse der verschiedenen Gruppen untereinander gewesen.

          Ihm gehe es daher vor allem darum, Verletzungen zu heilen und das Bistum „mit seinen vielfältigen Gruppen“ wieder zu versöhnen. Dafür sei er schon durch alle elf Bezirke gereist und habe zusammen mit Rösch mehr als tausend Gläubige getroffen. Der Aufarbeitung diene auch die Seelsorge-Hotline. Eine externe Agentur fasse derzeit die Ergebnisse der Anrufe zusammen. Das Bistum plant, die wichtigsten Punkte im nächsten halben Jahr zu veröffentlichen, und will sich zu deren Aufarbeitung verpflichten. Laut Grothe ist das Bistum daher auf einem guten Weg: „Die Diözese verfügt über die Kräfte, den Weg selbständig zu gehen.“

          Kurie entscheidet über Neuwahl

          Die Publikation der Kosten und des tatsächlichen Wertes des Bischofshauses steht noch aus. Die Prüfungen seien mittlerweile abgeschlossen und sollen am ersten April dem Vermögensverwaltungsrat vorgelegt werden. Vorher wollte sich Grothe nicht zu Details äußern. Allerdings sei das Bischofshaus wegen falscher Abrechnungen der Bauunternehmer weniger als 31 Millionen wert. Das Bistum wolle einen Teil der Gelder zurückfordern.

          Wann es einen neuen Bischof in Limburg geben wird, wisse er nicht, sagte Grothe. Die Rückschau auf die vergangenen Ereignisse solle bis zum Sommer weitgehend abgeschlossen werden. Es seien noch einige Punkte offen, etwa die Frage, wie Bischof Tebartz-van Elst verabschiedet werden könne. Eigentlich sei ein würdiger Rahmen für den Abschied eines Bischofs angemessen. „Ein Akt im Dom ist aber derzeit nicht denkbar“, so Grothe. Über die Wahl eines neuen Bischofs entscheide die Kurie: „Meine Meinung dazu interessiert Rom gar nicht“, sagte er. Grothe vermutet aber, die Kurie wolle die Wahl erst einleiten, wenn das Bistum zur Ruhe gekommen sei, denn „dem Heiligen Vater liegt Limburg sehr am Herzen“.

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