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Nahost-Jugendorchester : Musizieren für den Frieden

  • -Aktualisiert am

Gemeinsames Musizieren: Dreharbeiten im Wiesbadener Rhein-Main-Congress-Center. Bild: Marcus Kaufhold

Der Film „Crescendo“ handelt von einem israelisch-palästinensischen Jugendorchester. Er spielt in Israel und Südtirol. Dennoch werden Szenen in Hessen gedreht.

          „And action!“ Die jungen Musiker spielen auf ihren Geigen, Flöten und Posaunen durcheinander. Als Peter Simonischek alias Eduard Sporck und Bibiana Beglau alias Karla den Raum betreten, wird es ruhig. „Hello everybody“, begrüßt Karla die jungen Musiker und spricht über die unterschiedliche Herkunft der Musiker. Ein Cellist unterbricht sie: „Don’t talk about politics! We are here for the music.“

          Löst ein Versprechen an ihre Eltern ein: Filmproduzentin Alice Brauner.

          Diese Szene des Films „Crescendo“ spielt in Tel Aviv. Junge Musiker werden für ein israelisch-palästinensisches Jugendorchester ausgewählt. Gedreht wurde diese Szene aber nicht in Israel, sondern im Wiesbadener Rhein-Main-Congress-Center. Auch an der Goethe-Universität Frankfurt, am Frankfurter Flughafen und im Theater Rüsselsheim wird gefilmt. In Tel Aviv sind die Dreharbeiten schon abgeschlossen, und in ein paar Wochen geht es für die Crew nach Südtirol.

          Der Film handelt von einem Orchester junger Palästinenser und Israelis, das in Südtirol ein Konzert geben soll. Anlass dafür sind Friedensverhandlungen zwischen den Feinden. Das gemeinsame Musizieren zeigt den Jugendlichen, dass sie Hass, Intoleranz und Terror überbrücken können. Für die Dreharbeiten sind 16 Musiker aus Israel angereist. Im Film wird ihre Musik aber nicht zu hören sein. Stattdessen wird Musik der Neuen Philharmonie Frankfurt eingespielt. Die israelischen Musiker sorgen nur für die richtige Atmosphäre.

          Drehbuch im Schrank des Vaters

          Produzentin des Films ist Alice Brauner. Die Tochter des Filmproduzenten Artur Brauner hat ihren Eltern versprochen, alle paar Jahre einen Film über den Holocaust oder Verständigung und Toleranz zu produzieren. Während der Besetzung Polens wurde Artur Brauners Familie von den Nationalsozialisten verfolgt. Er flüchtete in die Sowjetunion und überlebte. Seine Eltern und drei seiner vier Geschwister wanderten nach Israel aus.

          „Das Drehbuch habe ich im Schrank meines Vaters gefunden“, sagt Alice Brauner. Sieben Jahre sind seitdem vergangen. Schwierig sei die Finanzierung gewesen: „Es war eine Berg-und-Tal-Fahrt, das Projekt umzusetzen.“ Die Filmproduktion haben letztlich fünf Ko-Produzenten und das Land Hessen ermöglicht. „Das Thema ist wichtiger denn je!“, sagt Alice Brauner. Und das sei auch bei der Umsetzung des Films spürbar gewesen. „Das Casting war feindselig. Jetzt verstehen sich aber alle so toll.“ Das zeige, dass Frieden im Mikrokosmos möglich sei.

          Musikalische Symbiose

          Neben Simonischek und Beglau stehen auch Sabrina Amali und Mehdi Meskar vor der Kamera. Meskar spielt den palästinensischen Jugendlichen Omar. Für den Film hat er sieben Stunden Klarinettenunterricht bekommen. „Jetzt spiele ich jeden Morgen nach dem Aufstehen“, sagt der 23 Jahre alte Schauspieler aus Paris, der auch schon bei einem „Tatort“ mitgespielt hat: „Es ist so gut, dass sich der Film für diese Fragen öffnet.“

          „Crescendo“ ist Daniel Donskoys Kinodebüt. Er spielt Ron, einen Geiger jüdisch-polnischer Herkunft. Seine Mutter hat immer Druck auf ihn ausgeübt. Dadurch ist Ron sehr ehrgeizig und impulsiv. In einer Szene geht es darum, wer im Orchester die erste Geige spielen darf. „Natürlich will Ron den Part übernehmen“, sagt Donskoy. Die Situation ist sowieso angespannt, weil alle unterschiedlicher Herkunft sind. Der Dirigent macht den Musikern eines klar: Wenn sie es in der Musik nicht schaffen zusammenzukommen, schaffen sie es auch in anderen Bereichen nicht. „Es ist der Traum für einen Schauspieler, so eine Geschichte zu erzählen und zu zeigen, dass es auch positive Seiten gibt“, sagt der Schauspieler. Der Film ist im nächsten Sommer in den Kinos zu sehen.

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