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Isra Vision AG : Mit sehenden Maschinen wieder steil nach oben

Self-made-Man: Enis Ersü führt mit Erfolg die von ihm gegründete Isra Vision AG Bild: Isra Vision/Dennis Strassmeier

Wer in den vergangenen Tagen zu Isra Vision recherchiert hat, ist in Internetforen auf Meldungen zu Attacken von Leerverkäufern gestoßen. Doch die Talfahrt scheint vorbei, die TecDax-Aktie legt eine Kehrtwende hin.

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          Wer in den vergangenen Tagen zu Isra Vision recherchiert hat, ist in Internetforen auf Meldungen zu Attacken von Leerverkäufern auf die Darmstädter gestoßen. „Short Alarm: Stärkste Bewegung bei Isra Vision“, lautete eine Schlagzeile. Andere verkündeten, Hedgefonds hätten ihre Leerverkaufspositionen gegen den Hersteller „sehender Maschinen“ ausgebaut. Doch die Talfahrt scheint vorbei, die Aktie hat eine Kehrtwende hingelegt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nachdem es den gesamten August über von gut 41 Euro auf nur noch rund 30 Euro abwärts gegangen war, klettert der Kurs des im Tec-Dax gelistete Papier am Donnerstag auf fast 39 Euro. Am Vortag war es schon um etwa 12 Prozent nach oben gegangen. Anders ausgedrückt: Die Verluste eines Monats hat Isra Vision binnen einer Woche fast wieder wettgemacht. Dies liegt zudem an Kursgewinnen, mit denen Anleger die jüngsten Geschäftszahlen honoriert haben.

          Wachsender Cash Flow

          Der Hersteller von Spezialsoftware, der Computerprogramme zur Materialprüfung und Robotersteuerung mit Kameras koppelt, hat in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres 111 Millionen Euro erlöst, 8 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Beim Vorsteuerergebnis erzielte Isra ein noch stärkeres Wachstum, denn es kletterte um 19 Prozent auf 24,5 Millionen Euro. Die Gewinnspannen weiten sich aus, und zwar von 20 Prozent auf 22 Prozent.

          ISRA VISION O.N.

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          Der von Analysten und Anlegern stark beachtete Mittelzufluss (Cash Flow) aus dem Tagesgeschäft wuchs von 18,3 Millionen Euro auf 26,6 Millionen Euro. Der Auftragsbestand legte vom ohnehin hohen Niveau aus nochmals zu und stand zum Stichtag um 3 Millionen Euro höher bei 93 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie nach Steuern verbesserte sich von 66 auf 76 Cent, wie der Mittelständler berichtete.

          Auf dem falschen Fuß erwischt

          Wer darauf gewettet hatte, dass die Flaute in der Autobranche dem Zulieferer Isra Vision arg zusetzen würde, sieht sich auf der falschen Fährte. Zumal Isra Vision seine Anlagen an eine Vielzahl von Unternehmen in zahlreichen Branchen verkauft. Zudem fällt das vierte Quartal traditionell sehr stark aus. Es „wird das Wachstum wesentlich bestimmen“, heißt es in Darmstadt. Allerdings gesteht das Management um Gründer, Großaktionär und Chef Enis Ersü zu, „makroökonomische Faktoren“ nähmen mittlerweile spürbaren Einfluss auf den Auftragseingang. Die Triebkraft lässt also nach.

          Andererseits kündigt das Unternehmen den Abschluss einiger Großaufträge an und gibt sich optimistisch. „Unter der Voraussetzung, dass sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht weiter eintrüben - hierzu zählen auch aktuelle handelspolitische Spannungen -, plant das Management für das kommende Geschäftsjahr 2019/2020 mit einem zweistelligen Wachstum in Umsatz und Ertrag“, heißt es.

          Beifall von Analysten

          Vor diesem Hintergrund erntet Isra Vision den Beifall von Analysten. Die Investmentbank Jefferies hat die Südhessen gerade in die Bewertung aufgenommen und ein Kursziel von 44 Euro gesteckt. Auch das hat die Aktie angeschoben. Analyst Martin Comtesse lobt die langjährigen Kundenbeziehungen und tiefe Kenntnis der Branche sowie Innovationen. Auch Warburg Research empfiehlt die Aktie zum Kauf, das Kursziel beträgt nun 43 Euro nach zuvor 45 Euro. Das Haus begründet die Absenkung mit dem schwierigen Marktumfeld. Gleichwohl bleibt ein Kurspotential von mehr als 10 Prozent.

          Ob es nach den sprunghaften Anstiegen umgehend weiter aufwärts geht, steht dahin. Solch starke Kurssteigerungen bergen Rückschlagsgefahren. Allerdings scheint die Wachstumsgeschichte intakt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28,4 ist Aktie zwar sportlich bewertet, aber günstiger als noch vor einigen Monaten. Und mit dem jüngsten Spurt hat der Titel die charttechnisch interessante 200-Tage-Linie, die er in der ersten Augusthälfte nach unten durchbrochen hatte, was als Verkaufssignal galt, wieder weit hinter sich gelassen. Die Dividendenrendite von 0,5 ist jedoch vernachlässigbar.

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