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„Islamischer Friedenskongress“ geplant : Hessen immer stärker Rückzugsort für Salafisten

Der salafistische Prediger Pierre Vogel - hier bei einer Kundgebung 2011 in der Innenstadt Frankfurts - plant einen „Islamischen Friedenskongress“ am Main Bild: Kammerer, Bernd

Der Salafisten-Prediger Pierre Vogel will einen „Islamischen Friedenskongress“ in Frankfurt. veranstalten. Führende Islamisten in Rhein-Main nähern sich an.

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          Der Auftritt des salafistischen Predigers Pierre Vogel war gut durchdacht. Zur besten Einkaufszeit, als Tausende Menschen beim nachmittäglichen Bummel über die Zeil strömten, zog der radikale Muslim dort in der vergangenen Woche mit etwa zwei Dutzend Anhängern samt Bollerwagen durch die Menge und half mit, Koran-Exemplare entgeltfrei zu verteilen. Solch öffentlichkeitswirksame Auftritte sind nicht unüblich für den umstrittenen Prediger. Dass der Konvertit seine Aktionen aber nun ausgerechnet nach Frankfurt verlagert, ist neu. Bis vor kurzem hatte Vogel in Ägypten gelebt.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit einiger Zeit beobachten Sicherheitsbehörden, dass sich die salafistische Szene in Hessen festigt. Das Rhein-Main-Gebiet gilt inzwischen als einer der größten Rückzugsorte für Islamisten - was auch dadurch belegt wird, dass erst vor wenigen Tagen acht hessische mutmaßliche Dschihadisten nach Syrien ausgereist sind, um sich dort dem Vernehmen nach an den Kämpfen zu beteiligen. Die Szene wird mittlerweile auch polizeilich eng überwacht. Eine Sondereinheit ermittelt gezielt gegen verdächtige Personen.

          Vogel steht mit den jüngsten Ausreisen nicht im Zusammenhang. Für Syrien wirbt jedoch auch er - mit einem „Islamischen Friedenskongress“, der im September in Frankfurt stattfinden soll.

          Missionierungsnetzwerke

          Das Rhein-Main-Gebiet als urbaner Ballungsraum sei aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur eine Region, „in der salafistische Missionierungsnetzwerke in besonders hohem Maße Personenpotentiale antreffen, die ihrer typischen Zielgruppe entsprechen“, heißt es beim hessischen Verfassungsschutz. Das Weltbild der Salafisten, das Menschen in gute und böse, gläubige und ungläubige einteile, habe vor allem für Konvertiten und muslimische Migranten der zweiten und dritten Generation eine hohe Anziehungskraft. Salafistische Missionierungsnetzwerke und Prediger organisierten im Rhein-Main-Gebiet regelmäßig Veranstaltungen, um Anhänger zu gewinnen.

          Inzwischen geht das Engagement einiger Prediger jedoch weit darüber hinaus - sie werben in einer Art Zusammenschluss für ihre Ziele. Hatte sich Pierre Vogel am Verteilen von Koran-Exemplaren früher eher sporadisch beteiligt, unterstützt er die Aktion nun intensiv und lobt die sogenannte „Lies“-Kampagne öffentlich. Sein Besuch aus Anlass einer solchen „Lies“-Aktion in der vergangenen Woche auf der Zeil fügt sich nach Angaben des Verfassungsschutzes in diese Sympathiebekundungen ein.

          Vor allem aber scheint Vogel für seine geplanten Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet Verbündete zu suchen. So steht er offenbar in einem engeren Austausch mit dem Frankfurter Salafisten Abdellatif Rouali als bisher bekannt. Rouali ist Anführer des verbotenen Vereins Dawa Ffm. Diese Verbindung ist für die Sicherheitsbehörden nicht uninteressant, denn in der Vergangenheit gehörten Rouali und Vogel unterschiedlichen Lagern innerhalb der deutschen Salafistenszene an.

          Ein Video vom Flughafen

          Die neu entdeckte „Freundschaft“ der beiden Salafisten wird im Internet geradezu zur Schau gestellt. Auf der Seite von Pierre Vogel ist seit gestern ein Video zu sehen, das ihn am Flughafen bei der Verabschiedung von mehreren jungen Männern zeigt, die sich ihren Angaben zufolge auf eine Pilgerreise begeben wollen. Mit dabei ist Rouali, dessen Verein mittlerweile gegen das Verbot vor dem Bundesverfassungsgericht klagt. Rouali selbst hat auf seine Facebook-Seite ein Bild gestellt, das ihn Arm in Arm in einer Reihe mit Vogel und anderen bekannten Islamisten zeigt.

          Sollte der für September geplante „Islamische Friedenskongress“ tatsächlich in Frankfurt stattfinden, befürchten Sicherheitsbehörden, dass sich die hiesige Szene weiter verfestigen wird. Vogel wirbt schon jetzt dafür, dass Geldspenden gesammelt werden, die dann „auf direktem Weg“ nach Syrien gebracht werden. Über den endgültigen Veranstaltungsort wird innerhalb der salafistischen Szene derzeit abgestimmt. Aber Frankfurt liegt in den Rankings weit vorn.

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