https://www.faz.net/-gzg-9n162

Kritik von Ausländerbeirat : Islam auf Bierdeckel erklärt: „Ohne Fingerspitzengefühl“

  • Aktualisiert am

Streitfall in Maintal: Bierdeckel des Anstoßes, auf denen Grundzüge des Islam erläutert werden Bild: dpa

Darf eine Kommune auf einem Bierdeckel die Diskussion über den Islam aufklären? Der Ausländerbeirat einer Kleinstadt nahe Frankfurt meint: Nein. Das hat etwas mit Gefühlen zu tun, wie es heißt.

          1 Min.

          Die Stadt Maintal hat unter anderem mit bedruckten Bierdeckeln zu Diskussionen rund um das Thema Islam anregen wollen - und ist deswegen nun vom städtischen Ausländerbeirat kritisiert worden. „Das war keine gute Idee, die haben das verbockt“, sagte dessen Vorsitzender, Salih Tasdirek, am Donnerstag mit Blick auf die Papp-Untersetzer, die teils mit Bembeln - Apfelweinkrügen - bedruckt sind. Muslime hätten sich durch die Verbindung von Alkohol und Islam verletzt gefühlt. Die Aktion sei ohne Fingerspitzengefühl, unsensibel und aus einseitiger Perspektive gemacht worden. Zuvor hatte darüber der Hessische Rundfunk berichtet.

          Die Stadt im Main-Kinzig-Kreis hatte im Rahmen ihrer Aktion „Islam uff hessisch“ seit Ende Januar 5000 Untersetzer in Gaststätten verteilt. Darauf stehen Fragen zum Islam wie „Derfe die Fußballer im Ramadan gar nix esse?“. Per QR-Code oder Link können Interessierte dann auf der Homepage der Stadt die Antwort aufrufen - geschrieben „uff hessisch“ von einem fiktiven „Marische“.

          Fehlwissen und Vorurteile

          Der Bembel stehe nicht für Alkohol, sondern sei wie der ebenfalls abgebildete Apfelbaum oder das Schützenhaus Symbol für die Region, sagte die Integrationsbeauftragte der Stadt, Verena Strub. Ziel sei es, die Leute miteinander ins Gespräch zu bringen. „Ich glaube, dass ganz viel Fehlwissen und Vorurteile kursieren.“

          Das Projekt geht zurück auf den Verein „Orient Netzwerk“, der ähnliche Aktionen in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg, Sachsen und Offenbach durchgeführt hatte. Die Antworttexte seien von Islam- oder Religionswissenschaftlern verfasst worden und dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime vorgelegt worden, sagte Raban Kluger von dem Verein.

          Weitere Themen

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Topmeldungen

          Corona-Krise : Warum die Zahlen in Spanien wieder ansteigen

          Nirgendwo in Westeuropa gibt es so viele Neuinfektionen wie in Spanien – und das, obwohl nahezu überall Maskenpflicht herrscht und die Behörden wieder Ausgangssperren verhängen. Nun warnt das Auswärtige Amt auch vor Reisen nach Madrid.
          Mike Pompeo und seine Frau Susan bei der Ankunft am Prager Flughafen am 11. August

          Zum Auftakt der Europareise : Pompeo erhält eine deutliche Botschaft

          Der amerikanische Außenminister besucht in dieser Woche vier europäische Länder. Es geht um Truppenstationierungen und um China. Gleich zu Beginn kommt aus Moskau deutliche Kritik: vom deutschen Außenminister.

          Putins Corona-Politik : Der Impfstoff-Murks aus Moskau

          Putin hat mit der Zulassung des weltweit ersten Corona-Impfstoffs vielleicht seinen Sputnik-Moment, doch Sektkorken knallen keine. Das rücksichtslose politische Manöver kann der Impfstoffentwicklung weltweit schaden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.