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Männer-Bügelgruppe Frankfurt : Auf ein Hemd ins Gemeindezentrum

  • -Aktualisiert am

Die Bügelbretter stehen bereit: Matthias Schlaak sorgt für die Stromversorgung. Bild: Niklas Grapatin

Die „Ironmen“ sind die einzige Männer-Bügelgruppe der Stadt. Sie diskutieren über das Trockenbügeln genauso wie über Promillegrenzen im Straßenverkehr. Denn den Herren geht es nicht nur um glatte Wäsche.

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          Es ist Freitagabend, und Gerd Pfahl bügelt. Aus dem weiß-blauen Bügeleisen in seiner Hand steigt feiner Wasserdampf. Vor ihm liegt ein kariertes Hemd auf einem Bügelbrett. Der rechte Ärmel hängt an der Seite herunter. Mit konzentrierter Miene beginnt er, das Hemd mit dem Eisen glattzustreichen. Während andere Männer auf ein Bier in die Kneipe gehen, um das Wochenende zu eröffnen, geht Pfahl lieber auf ein Hemd in die Kirchengemeinde. „Nach dem Kneipenbesuch hat man ein leeres Portemonnaie“, sagt er und schaut kurz vom Brett auf. „Hier hat man am Ende einen vollen Wäschekorb.“

          Mann bügelt lieber ohne Frauen

          Der Darmstädter leitet Frankfurts, vielleicht auch Deutschlands, einzige Herren-Bügelgruppe. Einmal im Monat trifft er sich mit anderen Männern im evangelischen Gemeindezentrum in Griesheim, um Wäsche zu glätten. Als Gemeindepädagoge habe er sich eine Aktivität für Männer über 55 ausdenken sollen, erzählt Pfahl, während er das nun faltenfreie Hemd zusammenlegt. Ein Bügelabend schien ihm eine ungewöhnliche, aber nette Idee. Einen passenden Namen für sein Vorhaben habe er auch bald gefunden. Als er während des Ironman-Triathlons mit seinem Auto in der Innenstadt festgesteckt habe, sei ihm eingefallen, dass das englische Verb „to iron“ auf Deutsch bügeln heiße. Die „Ironmen“ waren geboren.

          Auch Matthias Schlaak ist ein Ironman. In dem hell erleuchteten Raum ist er damit beschäftigt, gut ein Dutzend weißer Blusen seiner Frau zu bügeln, die für eine Fluggesellschaft arbeitet. Seit Pfahl im März des vergangenen Jahres zum ersten Mal zum Bügelabend bat, war Schlaak fast immer dabei. Und das, obwohl er mit seinen 40 Jahren streng genommen aus der Zielgruppe herausfällt. Als wolle er das unterstreichen, trägt Schlaak als Einziger der vier Männer Poloshirt statt Hemd – und er bügelt trocken. „Das habe ich mir so angewöhnt“, sagt er. „Es gibt hier kein ,richtig‘ oder ,falsch‘.“

          Das sei auch der Grund, weshalb man lieber ohne Frauen bügele. Die wollten einem sicherlich die ganze Zeit zeigen, wie man es besser mache, sagt Schlaak und lacht. Zwei Bügelbretter weiter stimmt Werner Watzik zu. „Ob ich fünf Hemden oder nur eines am Abend schaffe, ist egal“, sagt der leicht füllige Herr mit dem freundlichen Gesicht. Er bügele nicht „auf Leistung“, schließlich hätten er und seine Frau eine Bügelmaschine. Die kleinen Tipps, die die Teilnehmer einander geben, scheinen dennoch zu fruchten. Inzwischen dürfe er nicht nur seine eigenen Hemden, sondern auch die Tischdecken bügeln, sagt Watzik und schmunzelt.

          Bis über die Tore Frankfurts bekannt

          Nach Griesheim komme er vor allem wegen der Geselligkeit. Tatsächlich geht es dort ein bisschen wie an einem Stammtisch zu. Die Bügelbretter stehen im Halbkreis, auf einem Tisch an der Wand stehen Knabberzeug und Mineralwasser. Die Ironmen diskutieren über Promillegrenzen im Straßenverkehr und den aussterbenden Beruf des Schuhputzers. Zwischendurch geht es auch um die Wäsche. Watzik, der aus dem Erzgebirge stammt, und die anderen reden sich die Köpfe darüber heiß, wie Kleidermangeln früher funktioniert haben. In der DDR wurde offenbar anders gemangelt als im Westen.

          Die Bügelabende sind inzwischen weit über Frankfurts Stadtgrenze hinaus bekannt. Am Samstag stellen Pfahl, Watzik und Schlaak ihre Bügelbretter nicht in Griesheim, sondern auf der Ideenmesse in Gießen auf. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau verleiht dort ihren Innovationspreis. Sollten sie gewinnen, stoßen die Bügeleisen-Männer darauf ausnahmsweise mal mit einem Bierchen an.

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