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Ironman : Natascha ist stark, doch die Hitze ist stärker

  • -Aktualisiert am

Gute Stimmung überall an der Strecke. Bild: Fiechter, Fabian

Der Ironman wird zum Kampf gegen die Hitze. Unter den 86 Profis ist auch Natascha Schmitt aus Frankfurt. Sie ist zum ersten Mal dabei. Platz acht ist ihr Ziel.

          Die Nacht ist im Stadtwald eben erst verschwunden, Dunstschwaden hängen über dem Langener Waldsee, da fällt der Startschuss zum längsten Tag des Jahres. Auf das Signal des hessischen Wirtschaftsministers Florian Rentsch (FDP) hin beginnen 86 Athleten, mit der Beständigkeit von Schiffsmotoren das Wasser zu durchpflügen. 3,8 Kilometer liegen vor den Sportlern bei der ersten Etappe der zwölften Ironman-Europameisterschaft. Danach geht es auf die 180,2 Kilometer lange Radstrecke, und zum Abschluss wartet noch ein Marathonlauf von 42,195 Kilometern Länge.

          Mitten unter den Sportlern findet sich mit der Startnummer 77 Natascha Schmitt. Die Frankfurterin gibt ihr Debüt auf dieser Distanz, und sie hat forsch angekündigt, dass sie unter den ersten acht Bestplatzierten sein werde. Die 27 Jahre alte Frau ist seit 2011 Profi-Triathletin. Davor war sie ein vielversprechendes Leichtathletik-Talent. Sie wurde frühzeitig zur LG Eintracht Frankfurt gelotst, bei der sie Pokale sammelte wie andere Jugendliche Panini-Bilder. Doch hatte die zierliche Frau mit den dunkelblonden Haaren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, vor allem mit Ermüdungsbrüchen. Also sattelte sie auf Triathlon um. Dass es funktionierte, scheint zwar den ersten Blick paradox, weil die Trainingsbelastung für Triathleten noch höher ist. Aber: „Früher musste ich zwei Mal am Tag laufen, als Triathletin reicht mir drei bis vier Mal pro Woche.“

          Lebens ins Ziel kommen

          Dass Schmitts Plan aufgeht, liegt aber auch an ihrer Beharrlichkeit. Ihr Betreuer und Manager Thomas Dold, der sieben Mal in Folge den Treppenlauf auf das Empire State Building gewann, schwärmt von den Organisationsfähigkeiten seines Schützlings: „Mit Natascha zusammen zu arbeiten ist super. Sie hat immer einen Kalender vor sich, wenn man mit ihr spricht.“ Aber natürlich ist es nicht nur die Organisation, die Natascha Schmitt zum Ironman brachte, sondern auch die Bereitschaft zur totalen Aufopferung. So will sich einfach immer mit anderen messen. Sogar noch ein Stückchen wahnsinniger als Schmitt müssen die 2600 Freizeitathleten sein, die eine Viertelstunde nach den Profis ins Wasser gehen. Das Ziel zu erreichen ist bei ihnen wirklich alles.

          Für jede Runde ein Armband.

          Preise gibt es für sie nicht. Da ist zum Beispiel Giorgio Piazzola, der mit zwei Freunden aus Varese in der Nähe von Mailand angereist ist. „Ich will einfach lebend ins Ziel kommen“, sagt er vor dem Start.

          Zwei Minuten vor der Zeit

          Er schafft es. Am Ende belegt er Platz 1563. Techno-Beats befeuern die Schwimmer, am Ufer finden sich bereits in den Morgenstunden einige tausend Zuschauer ein. Viele von ihnen haben aufgeblasene Kunststoffschläuche in der Hand, die eine Menge Rabatz machen, wenn man sie aneinander haut.

          Auf der Suche nach dem richtigen Beutel.

          Nach 51 Minuten entsteigt Natascha Schmitt auf Rang acht liegend dem Wasser. Zu diesem Zeitpunkt ist sie gut in der Zeit, sie hatte zwei Minuten mehr für das Schwimmen veranschlagt. Die Athletin schlüpft schon im Laufen aus ihren Neoprenanzug, greift nach Fahrradschuhen und Helm.

          Er wird schwindlig

          Stunden vergehen auf dem Fahrrad. Gegen 11 Uhr erklimmt Schmitt auf der Vilbeler Landstraße den berüchtigten Hang, den die Profis „The Beast“ nennen. Es ist brüllend heiß, und es läuft nicht rund bei der Sportlerin. Trainer Sascha Krücke und Betreuer Dold sind angespannt. „Es war vorher klar, dass das Radfahren die große Unbekannte ist“, sagt der Trainer. Wie angespannt Krücke ist, wird offenbar, als eine Bekannte Schmitts mit einer großen Kuhglocke in der Hand angelaufen kommt. „Natascha sah nicht so gut aus. Läuft es nicht?“, will sie wissen. Krücke schüttelt den Kopf.

          Später wird Schmitt erzählen, dass ihr schon nach 60 Radkilometern schwindlig wurde, weil es unter dem Helm zu heiß geworden war, und sie mit dem Gedanken spielte, aufzuhören. „Aber dann habe ich gedacht, dass ich ja nicht nach Hause komme, wenn ich aufhöre.“ Also fährt sie das Rennen zu Ende, und als sie dann die Wechselstation am Mainufer erreicht, verzieht sie sich für einen Moment auf die Toilette. „Da wurde mir klar, dass da so viele Menschen standen, die auf mich warteten.“ Die will sie nicht enttäuschen. Das Rennen beendet sie schließlich auf Platz 28. Als Niederlage will sie das aber nicht verstanden wissen. Denn: „Ich bin stolz, dass ich das Rennen trotz meiner großen Probleme durchgezogen habe.“

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