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Iris Berben in Frankfurt : Fräuleinwunder

  • Aktualisiert am

Ihr gefällt die Bezeichnung „Fräulein“: Die jung gebliebene Schauspielerin Iris Berben. Bild: Julia Zimmermann

Iris Berben stellt im Literaturhaus Frankfurt ihr bei S. Fischer erschienenes Buch „Ein Jahr - ein Leben“ vor. Ihre 62 Jahre sieht man ihr dabei nicht an.

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          Ein Hang zum Allgemeinplatz lässt sich nicht leugnen. Gerade hat Iris Berben sich „Cloud Atlas“ angesehen. „Wunderbar“, sagt die Präsidentin der Deutschen Filmakademie. Sie zitiert aus der Romanverfilmung: „Das ist nur ein Tropfen im Ozean, aber die Tropfen haben den Ozean gemacht.“ Auch in einem Schauspielerleben kommt einiges zusammen, das berichtet sein will. Zwölf Monate lang hat Berben mit Christoph Amend, Chefredakteur des Magazins der Wochenzeitung „Die Zeit“, Gespräche geführt, aus denen vor kurzem das bei S. Fischer erschienene Buch „Ein Jahr - ein Leben“ geworden ist. Im ausverkauften Literaturhaus Frankfurt stellte Berben es gemeinsam mit Amend nun vor.

          Gewichtiges ist an diesem Abend kaum zu hören, Anekdotisches dafür umso mehr. Die letzte Folge „Rosa Roth“ hat Berben tags zuvor abgedreht, schließlich müsse sie sich vor Schubladen hüten. „Ich glaube, ich war in jeder, die es gegeben hat.“ Sie koche gerne „Frango na púcara“, ein portugiesisches Hühnergericht aus dem Tontopf. Es folgt das Rezept, mit Weißwein, Portwein, Brandy und zwei Stunden Garzeit. „Sie werden Ihre Freunde bezaubern.“ Applaus. Als Akademiepräsidentin schreibe sie ihre Reden selbst, das sei ungewohnt: „Ich nehme ja eigentlich nur Texte und versuche, sie zu lernen.“

          „Es ist der peinlichste Moment, wenn du am Boden kriechst“

          “Wunderbar“ ist vieles im Leben der Schauspielerin, ihr Mitpräsident Bruno Ganz zum Beispiel, aber auch Kameramann Michael Ballhaus, der die Frauen liebe: „Sie sehen immer gut bei ihm aus.“ Berben weiß, wovon sie spricht, schließlich ist sie eine der wenigen, die mit 62 Jahren so wirken, als seien sie gerade dreißig geworden. Das Licht im Lesesaal muss an diesem Abend dem bei Ballhaus besonders ähneln, auch bei näherem Hinsehen meint man höchstens, Berben habe die vierzig vielleicht doch schon überschritten. Sie kämpfe für das Wort „Fräulein“, fügt sie kokett hinzu, schließlich sei sie immer noch unverheiratet. „Ich gehöre eigentlich zu diesen späten Mädchen.“

          Falsche Entscheidungen habe sie im Laufe ihrer Karriere durchaus getroffen, sagt Berben, Fehler wie „Die Zauberfrau“nach Hera Lind. Das sei die Hölle gewesen, ohne jedes Herzblut, eiskalt auf berechenbaren Erfolg hin angelegt. „Man ist nicht sehr gut befreundet mit sich in solchen Situationen.“ Amend gibt Berben freundliche Stichworte, dafür darf er an dem von Geza Schön entworfenen Herrenduft „Kinski“ riechen, den seine Gesprächspartnerin an diesem Abend aufgelegt hat. „Hat was Animalisches“, sagt Berben. Sie verehre Klaus Kinski. Er habe unmittelbar auf Dinge reagiert, sie habe sich das leider zu früh abgewöhnt. Einst sei ihr das besser gelungen, auch im Zusammenhang mit Hausrat. Aber: „Es ist der peinlichste Moment, wenn du am Boden kriechst und das Geschirr wieder zusammensuchst.“

          Sie berichtet von den Preisen für ihr Lebenswerk, die sie neuerdings erhalte. „Wenn die wüssten, wie lange ich das noch mache.“ Und von ihrer Freundschaft zu Johannes Mario Simmel, ebenfalls „wunderbar“. „Er hat gesellschaftspolitische Themen schon früh aufgenommen und sie in große Geschichten verpackt.“ Jahrelang habe er ihr jede Woche einen Strauß Rosen geschickt. Das Publikum seufzt. „Und er hat immer herausgefunden, wo ich war.“ Nachts habe Simmel oft mit Marlene Dietrich telefoniert. „Das war noch vor meiner Zeit.“ Ein bisschen Abstand zur Vergangenheit tut auch der alterslosesten Schauspielerin ganz gut.

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