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Corona in Hessen : Inzidenzen steigen weiter an

  • Aktualisiert am

Auf den Totimpfstoff von Novavax werden Hoffnungen gesetzt, bisherige Impf-Skeptiker überzeugen zu können. Bild: Reuters

Sowohl die Hospitalisierungsinzidenz als auch die Sieben-Tage-Inzidenz steigen weiter an. In Offenbach liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über dem Wert 2000. Ein Totimpfstoff des Herstellers Novavax soll ab Ende Februar auch in Hessen verfügbar sein.

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          Die Inzidenz-Werte steigen in Hessen weiter an. Die für die Pandemie-Einschätzung wichtige Hospitalisierungsinzidenz stieg nach Angaben des Sozialministeriums am Donnerstag auf 4,53 nach 4,04 am Vortag. Eine Woche zuvor hatte der Wert noch bei 3,83 gelegen. Die Zahl gibt an, wie viele Covid-19-Patienten pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen neu in Kliniken aufgenommen wurden.

          Auch die Sieben-Tage-Inzidenz stieg nach Angaben des Robert Koch-Instituts auf 1202,1 nach 1093,4 am Vortag. Landesweit wurden binnen 24 Stunden laut RKI 17.870 Neuinfektionen registriert. 17 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Seit Beginn der Pandemie vor rund zwei Jahren haben sich damit in Hessen 655.261 Menschen infiziert und 8783 sind im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

          In der Stadt Offenbach als erster hessischer Kommune stieg die Zahl der gemeldeten Infektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner binnen einer Woche über den Wert von 2000. Dort lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 2148,3 (Stand 3.47 Uhr).

          Möglicherweise könnten die Zahlen aber insgesamt höher liegen. Die Gesundheitsämter von Frankfurt und dem Landkreis Fulda hatten am Mittwoch von einem fehlerbehafteten Update der Übermittlungssoftware des RKI berichtet. Sie gingen davon aus, dass die Inzidenzen höher liegen dürften. Am Mittwoch lagen die Werte in Frankfurt bei 1352,4 und im Landkreis Fulda bei 295,9. Für den Donnerstag meldete das RKI Werte von 1587 beziehungsweise 617,9.

          Nach Angaben des RKI vom Donnerstag sind bei der Software Verbesserungen nötig. Dabei geht es „neben der Behebung von aktuellen Problemen in der Software auch um Verbesserungen der Benutzerführung, damit Vorgänge einfacher und schneller bearbeitet werden können“, teilte eine RKI-Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Darüber hinaus gehe es „um technische Ertüchtigungen, damit die großen Datenmengen insgesamt bewältigt werden können“. Es sei dem RKI bekannt, dass es aufgrund der sehr hohen Anzahl der Meldungen in den Ämtern zu einem Rückstau komme. Dies sei auch in den Ämtern ohne eventuelle Softwareprobleme der Fall.

          Von den stark steigenden Corona-Zahlen sind auch die hessischen Flüchtlingsunterkünfte betroffen. An allen Standorten der Erstaufnahmeeinrichtung im Land seien insgesamt 612 Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Virus infiziert, teilte das Sozialministerium mit. Zuvor hatten verschiedene Medien berichtet. In den hessenweit sieben Standorten und fünf angemieteten Jugendherbergen leben nach Angaben des Ministeriums derzeit 4614 Menschen.

          Die Asyl- und Flüchtlingsexperten von SPD- und Linke-Fraktion sprachen von unhaltbaren Bedingungen in den Unterkünften. Verschiedene Zimmer seien nur durch Vorhänge voneinander getrennt und nach oben hin offen. Abstand halten sei kaum möglich, Luftfilter nicht ausreichend vorhanden. Die Landesregierung müsse endlich handeln und die Geflüchteten dezentral unterbringen, mahnten Saadet Sönmez (Linke) und Nadine Gersberg (SPD).

          Ganz Hessen weiterhin Hotspot

          Weiterhin gelten nach den Kriterien des Sozialministeriums in Hessen alle 26 Gebietskörperschaften als Hotspots. Dort gelten strengere Maßnahmen in fast allen Bereichen. Hotspot wird eine Kommune oder ein Landkreis, wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Inzidenz über dem Wert 350 liegt. Nach fünf Tagen darunter fällt die Region aus der Regelung hinaus.

          Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser in Hessen wurden am Donnerstag 180 Covid-19-Patienten behandelt. Das geht aus Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) hervor (Stand 10.05 Uhr). 99 von ihnen mussten beatmet werden.

          Neuer Impfstoff soll Skeptiker überzeugen

          Der neue Impfstoff von Novavax, Nuvaxovid, wird voraussichtlich vom 21. Februar an auch in Hessen verfügbar sein. Dann soll in Deutschland die erste Charge von zwei Millionen Dosen verteilt werden, Hessen wird davon etwa 130.000 bis 140.000 Dosen erhalten. Im Nachbarland Rheinland-Pfalz haben sich schon seit Anfang dieser Woche Tausende für eine Immunisierung mit dem oft als „Totimpfstoff“ bezeichneten Nuvaxovid angemeldet.
          Auch Hessen will die Ausgabe lenken: „Eine Verteilung von Kleinstmengen an alle Arztpraxen ist angesichts dieser zunächst eher überschaubaren Zahl nicht sinnvoll“, sagt Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen). Deshalb werde der neue Impfstoff zunächst nur den Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt, um Sonderimpftermine und die lokale Verteilung organisieren zu können.
          Nuvaxovid könnte für Skeptiker eine Option sein, weil er auf einer anderen Technologie basiert als die bisher verfügbaren mRNA-Impfstoffe etwa von BioNTech oder Moderna. Der Wirkstoff von Novavax wird mit im Labor gezüchteten Kopien des Spike-Proteins hergestellt, das das Coronavirus umhüllt. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung damit Antikörper gegen das Protein und kann so eine Covid-19-Erkrankung abwehren.
          Auch in Hessen hofft man, damit einen Teil jenes Pflegepersonals in Kliniken und Heimen zu erreichen, die bisher keinen mRNA-Impfstoff akzeptierten. Am 15. März ist Stichtag bei der Impfpflicht für Beschäftigte von Kliniken, Arztpraxen und Pflegeheimen. Wer sich bis dahin nicht immunisieren lässt, muss damit rechnen, ohne Lohnfortzahlung zunächst von der Arbeit freigestellt zu werden.

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