https://www.faz.net/-gzg-a8tw9

Infektionszahlen in Hessen : Frankfurt wieder über Marke 50

Mutanten-Hotspot: Im Lahn-Dill-Kreis mit Wetzlar, hier der Dom, sind bisher 134 Varianten des Coronavirus nachgewiesen, die Inzidenz ist mit die höchste in Hessen Bild: Sandra Schildwächter

Einen Tag konnte sich Frankfurt über eine Inzidenz unter 50 freuen, nun liegt die Corona-Kennziffer wieder über dieser Marke. Auch in Hessen steigt sie und entfernt sich von der 35.

          3 Min.

          Deutlich weniger weitere Todesfälle im Zusammenhang mit der Pandemie, aber in etwa so viele über Nacht verzeichnete neue positive Corona-Tests meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) für Hessen. Zudem ist die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist registrierten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern, ebenso wie im Bund geklettert. Das zeigt sich auch auf der Corona-Landkarte von Hessen. Die gelben Flecken sind weniger geworden, die roten mit einer Inzidenz über 50 wieder mehr.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Zahlen ausgedrückt sieht die Lage so aus: 585 neue Fälle hat es laut RKI gegeben, zwei mehr als vor einer Woche angezeigt. Demgegenüber ist die Zahl der Toten nur um neun gestiegen, nachdem das für die Seuchenbekämpfung zuständige Bundesinstitut zum vergangenen Samstag 36 gemeldet hatte. Bisher sind ihm 5642 an oder im Zusammenhang mit Covid-19 gestorbene Personen in Hessen bekannt sowie fast 184.000 Fälle. Das entspricht 2,8 Prozent der Landesbevölkerung. Etwa 9800 Infektionen sind laut RKI noch nicht ausgestanden. Die Inzidenz ist über Nacht auf 57,3 gestiegen; der Tiefstwert seit Beginn der zweiten Welle im Oktober beträgt 54,3.

          Kassel und Mainz weiter unter der Marke 35

          Sechs Landkreise sowie Darmstadt und Kassel weisen eine Inzidenz unter 50 auf. Der Hochtaunus und der Main-Taunus sind über Nacht wieder über diese Marke gerutscht, die nach dem Eskalationskonzept des Landes ein Eingreifen des Landes nötig macht (siehe Grafik). Auch Frankfurt, dessen Magistrat am Vortag den Fall unter die 50 gefeiert hatte, liegt wieder darüber. Ebenso Wiesbaden nach einem Virus-Ausbruch in einem Altenheim. Solche Ereignisse haben zum teil erheblichen Einfluss auf die Corona-Kennziffer der jeweiligen Kommune. Die höchste Inzidenz steht für den Main-Kinzig-Kreis zu Buche (88), danach folgt der Lahn-Dill-Kreis mit gut 75. Kassel bewegt sich dagegen nun seit mehr als sieben Tagen unter dem Schwellenwert 35, der nach den jüngsten Beschlüssen des Corona-Gipfels von Kanzlerin sowie Länderchefs und Ministerpräsidentinnen ausschlaggebend sein soll für künftige Lockerungen. Bisher nutzt Kassel der Rutsch unter die 35 in dieser Hinsicht also gar nichts. Entsprechendes gilt für Mainz und das Umland.

          Dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin zufolge wurden in Hessen 299 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt, wie dpa meldet. 153 davon wurden beatmet. Damit waren zuletzt nur noch 16 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt.

          Mutanten-Ausbruch nach Erstimpfung

          An der südhessischen Bergstraße breiten sich Mutationen des Coronavirus offenbar rasch aus. Wie die Kreisverwaltung am Freitag mitteilte, haben Labore schon etwa 90 Fälle von Mutanten nachgewiesen, die meisten entfallen demnach auf die britische Variante B.1.1.7. „Vor allem in drei Kindertageseinrichtungen sind hierbei Infektions-Cluster auffällig“, teilt der Kreis weiter mit. Er habe sehr frühzeitig auffällige Infektionsfälle im Labor sequenzieren lassen. Das Robert-Koch-Institut habe zwei Mitarbeiterinnen an die Bergstraße geschickt, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Der Kreis hat in den vergangenen sieben Tagen 155 neue Fälle gemeldet. Wie viele davon auf Mutationen entfallen, ist noch nicht klar.

          Außerdem sind mittlerweile 134 Mutationen im Lahn-Dill-Kreis nachgewiesen, wie eine Sprecherin des Kreises der F.A.Z. sagte. Um welche Mutationen es sich handele, sei nicht in jedem Einzelfall klar. In sechs Fälle sei es die britische Variante. Vor einer Woche war noch von Verdachtsfällen die Rede gewesen. 51 Infektionen mit sogenannten britischen Mutationen alleine in einem Altenheim nach der Erstimpfung sind nun bestätigt. Das teilte der Betreiber der F.A.Z. am Freitag mit.

          Hessen hinten bei Impfquoten

          Bisher haben wurden fast 330.000 Menschen gegen das Corona-Virus geimpft, darunter sind 218.700 Erstimpfungen. Die Quote bei den Erstimpfungen beträgt 3,5, das bezieht sich prozentual auf die hessische Bevölkerung. Nur Brandenburg schneidet mit 3,4 schlechter ab. Vorne liegen weiter Mecklenburg-Vorpommern (4,3) und Rheinland-Pfalz (4,2). Der Durchschnitt im Bund beträgt 3,8. Bei den Zweitimpfungen liegt Hessen 1,6 am Tabellenende, Rheinland-Pfalz weist eine 3,0 auf, der Mittelwert im Bund liegt bei 2,0.

          Fast drei Viertel der Bevölkerung in Hessen fallen nicht in die altersbedingte Priorisierung bei den Corona-Impfungen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden laut dpa mitteilte, waren zuletzt rund 4,6 Millionen Menschen in Bundesland jünger als 60 Jahre und damit der Impfverordnung zufolge nicht für eine altersbedingt bevorzugte Schutzimpfung vorgesehen. Das sind 72,7 Prozent der Bevölkerung Hessens.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mobbing: 95 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone. 
Leider nutzen Kinder die Geräte auch, um Angst und Hass zu verbreiten, wie auf dem Foto zu sehen ist. Der Studie „Cyberlife III“ zufolge können die Folgen fatal sein: Jedes vierte digitale Mobbingopfer hatte Suizidgedanken, jedes fünfte trank Alkohol, jedes dritte Opfer fühlte sich dauerhaft belastet.

          Cybermobbing : Wenn das eigene Kind per Whatsapp bedroht wird

          „Du kleine Schlampe“: Wenn das eigene Kind per Whatsapp übel beleidigt und mit Gewalt bedroht wird, ist eine Grenze überschritten. Was passiert, wenn man dagegen juristisch vorgeht? Ein Erfahrungsbericht.
          Szenenbild aus dem Teaser: Steffen Menneke spielt den Attentäter.

          Attentat von Hanau : Dürfen Filme wirklich alles?

          Der Regisseur Uwe Boll, eher berüchtigt als berühmt, hat einen Film über den Massenmörder von Hanau inszeniert. Angehörige sind empört, die Obrigkeit protestiert. Aber keiner hat das Werk gesehen.
          Was wird nach der Wahl eigentlich aus Jens Spahn?

          Spahn & Co : Der härteste Ministerposten

          Als Gesundheitsminister kann man es niemandem recht machen. In der Pandemie fliegen sie reihenweise hinaus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.