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„Investitionshindernis“ für Firmen : Immer Ärger mit der EEG-Umlage

Bitte wenden - aber nicht zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit: Peter Knapp sieht die Politik in der Pflicht, sie solle jetzt handeln. Bild: dpa

Längst nicht alle Firmen werden von der EEG-Umlage befreit, selbst wenn sie sehr viel Strom verbrauchen. Betreiber großer Rechenzentren in Frankfurt rügen die Umlage als Standortnachteil und Investitionshemmnis.

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          Wenn Peter Knapp das Kürzel EEG hört, kann er sich doppelt ärgern. Zum einen als Privatmann, der wie die allermeisten Stromkunden in Deutschland den Ausbau der Energie aus Solar-, Windkraft- und Biomasseanlagen über eine Umlage gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mitfinanziert. Und zum Zweiten als Geschäftsführer des Frankfurter Rechenzentrumbetreibers Interxion. Denn die deutsche Landesgesellschaft des holländischen Anbieters von Immobilien für Hochleistungsrechner für Internet- und Industrieunternehmen sowie Firmen aus anderen Wirtschaftszweigen braucht zwar enorme Mengen an Strom, um etwa die Rechenzentren zu kühlen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten von Interxion entfallen auf Energie, wie Knapp sagt. Der Anteil von Strom an der Bruttowertschöpfung, die sich, kurz gesagt, aus Umsatz abzüglich Vorkosten berechnet, liegt mithin bei der Firma deutlich höher als die vom Gesetzgeber geforderten 15 Prozent, von denen an ein Unternehmen von der sogenannten EEG-Umlage befreit wird.

          „Politik muss jetzt handeln“

          Interxion muss die zum Januar um fast einen Cent auf 6,24 Cent je Kilowattstunde gestiegene Umlage dennoch zahlen, genauso wie die Konkurrenz in Deutschland. Denn Betreiber von Rechenzentren gelten nicht als produzierendes Gewerbe und sind deshalb außen vor, wenn es um Entlastung geht. Dabei kostet schon der Strom allein doppelt so viel wie zum Beispiel in Frankreich, ein Nachteil im Standortwettbewerb. Deshalb kommt Knapp der Vorstoß einer Expertenrunde des Bundestags zupass, die Ökostromförderung gemäß des EEG abzuschaffen. „Es ist fünf vor zwölf, die Politik muss jetzt handeln“, mahnt er.

          „Energieeffizienz, Ökostrom und Nachhaltigkeit sind vorrangige Ziele der deutschen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“, sagte er auf Anfrage angesichts des Expertenvorstoßes. Diese Ziele dürften sich aber nicht zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auswirken. „Wir beobachten bereits schleichende Abwanderungen“, sagte Knapp. Auch Sebastian Brandis vom Konkurrenten E-Shelter aus Frankfurt hat schon gemahnt, die EEG-Umlage erweise sich als Investitionshindernis. Kunden wenden sich von Deutschland ab, „obwohl die digitale Infrastruktur die Basis für Innovationstreiber wie Industrie 4.0, Cloud Computing (,Software aus der Steckdose‘) und Big Data bildet“, so Knapp.

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