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Lieferungen in Corona-Krise : „Privatkunden verschicken mehr Pakete“

Krisenfest: Die Post liefert auch während der Corona-Pandemie aus (Symbolbild). Bild: dpa

Thomas Schneider ist Produktionschef der Brief- und Paketsparte der Deutschen Post. Im Interview spricht er über die Folgen und logistischen Herausforderungen während der Pandemie.

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          Die Post ist in Zeiten der Corona-Krise in einer besonderen Situation. Sie müssen für die Sicherheit der Zusteller sorgen, den Betrieb aufrecht erhalten und zusätzliche Liefermengen bewältigen. Funktioniert noch alles einwandfrei?

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wir sind ja gesetzlich verpflichtet, auch in Krisenzeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie weiter Briefe und Pakete zuzustellen. Während die meisten Dienstleistungen aus dem Alltag verschwinden, ist die Deutsche Post DHL also weiterhin mit ihren mehr als 100.000 Briefboten und DHL-Paketzustellern auf den Straßen unterwegs, natürlich auch im Rhein-Main-Gebiet. Das ist ein Teil der Daseinsvorsorge, und wir sind uns dieser wichtigen Funktion sehr bewusst. Deshalb haben wir schon sehr früh angefangen, Notfallpläne zu entwickeln, um auch in dieser Zeit, in der die Gesundheit vieler Menschen gefährdet ist, den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Dabei orientieren wir uns an den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts und versuchen, immer mehrere Schritte im Voraus zu planen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

          Die Mengen an Paketsendungen dürften deutlich ansteigen, wenn viele Läden geschlossen sind.

          Wir nehmen wahr, dass die Menge der von Privatkunden versandten Pakete deutlich zugenommen hat, das ist richtig. Dabei geht es vor allem um Sendungen, die Kunden in den Filialen abgeben. Es scheint, als hätte halb Deutschland in den vergangenen zwei Wochen die Keller und Speicher aufgeräumt und die Sachen im Internet verkauft. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei unseren Geschäftskunden im Paketsektor. Viele Einzelhändler haben seit den Ladenschließungen versucht, ihr Online-Geschäft zu verstärken oder überhaupt erst zu aktivieren. Dadurch steigen die Mengen bei uns natürlich in erheblichem Maße.

          Haben wir das Maximum schon erreicht, oder bereiten Sie sich auf noch größere Mengen vor?

          Ich bin sicher, dass noch mehr kommen wird. In vielen Lagern von Online-Händlern staut sich derzeit etwas auf, das in den nächsten Wochen abgearbeitet wird. Die Leute haben vor gut zwei Wochen begonnen, mehr zu bestellen, doch viele Logistiklager waren darauf nicht vorbereitet. Diese Bestellungen werden jetzt nach und nach ausgeliefert. Wie viel das wird, kann keiner verlässlich vorhersagen, zumal auch das normale Ostergeschäft noch hinzukommt, das in diesen Zeiten, an denen viele Familien nicht zusammenkommen können, vermutlich auch größer ausfallen wird als sonst üblich.

          Das sind gute Nachrichten für Ihr Geschäft, weniger gute für Ihre Mitarbeiter.

          Was das Geschäft angeht, darf man nicht aus dem Auge verlieren, dass das Briefgeschäft im Gegensatz zu den Paketlieferungen in der Corona-Krise stark rückläufig ist. Die Menge der Werbesendungen ist zuletzt bereits deutlich gesunken. Aber was soll beispielsweise ein Möbelhaus auch bewerben, wenn es geschlossen hat? Wir spüren hier, dass die deutsche Wirtschaft an vielen Stellen weitgehend zum Erliegen gekommen ist.

          Ist die Zustellung in Ballungsgebieten wie Rhein-Main trotzdem dauerhaft in der Krise sichergestellt?

          Wir sehen derzeit keinerlei Einschränkungen in unserem Betrieb. Weder in der Zustellqualität noch bei Reklamationen gibt es besondere Ausschläge. Wir haben natürlich die Kontakte unserer Zusteller reduziert und bundesweit die sogenannte Q-Zustellung eingeführt, sodass bei Paketannahmen zum Beispiel keine Unterschrift mehr erfolgt, bei der ein Stift ausgetauscht wird. Zudem forcieren wir die Möglichkeit, Pakete zum Beispiel in Garagen, Vorgärten oder vor Haustüren abzulegen.

          „Wir sehen derzeit keinerlei Einschränkungen in unserem Betrieb“: Thomas Schneider sieht das Unternehmen gut gewappnet.

          Muss man damit rechnen, dass der Normalbetrieb irgendwann nicht mehr zu gewährleisten ist?

          Man darf keine Panik schüren in diesen Zeiten. Natürlich befassen wir uns auch mit Szenarien, in denen eine absolute Ausgangssperre herrscht oder in denen ganze Städte und Landkreise unter Quarantäne stehen. Wir haben uns dazu in den vergangenen Wochen auch in europäischen Ländern umgeschaut, die schon viel umfangreicher betroffen sind als wir in Deutschland.

          Was passiert also, wenn eine Großstadt wie Frankfurt unter Quarantäne stünde?

          Wir halten uns grundsätzlich an die behördlichen Anordnungen, und die besagen, dass auch wir in Städte unter Quarantäne nicht reinkommen. Bei dem aktuellen Fall in Thüringen haben wir die wichtigsten Sendungen an Gemeindemitarbeiter übergeben, die sie dann verteilt haben. Allerdings hat man uns dort bereits nach einem Tag gebeten, das doch wieder zu übernehmen. Also sind wir in Schutzausrüstung in den Ort und haben die Post zugestellt. Das gleiche machen wir in einem vergleichbaren Fall in Sachsen-Anhalt.

          Und Ihre Leute machen das einfach so mit?

          Unsere Mitarbeiter leisten in dieser Zeit Großartiges! Ich bin sehr stolz auf Sie. Die Postfamilie ist ja grundsätzlich darauf eingestellt, auch in ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten, sei es an Weihnachten, bei extremer Hitze wie im vergangenen Sommer oder eben auch bei großer Kälte oder in solchen Ausnahmesituationen wie aktuell. Wir sorgen dafür, dass ihre Sicherheit bestmöglich gewährleistet ist und Post- und Paketversorgung Deutschlands funktioniert!

          Aber wenn die Liefermengen steigen, auch Ihre Mitarbeiter von Krankheiten betroffen sein werden und zudem ihre eigenen Kinder betreuen müssen, wird es doch irgendwann mal eng.

          Glauben Sie mir: Wir sind auf alles vorbereitet. Wir haben bundesweit eine fünfstellige Zahl an Aushilfs- und Abrufkräften, außerdem erreichen uns viele Anfragen von Mitarbeitern, die derzeit eher ihre Urlaube stornieren wollen. Gleichzeitig prüfen wir, ob wir Mitarbeiter aus der Briefproduktion jetzt auch im Paketgeschäft einsetzen können. Trotzdem machen wir uns natürlich aber auch Gedanken über Worst-Case-Szenarien, in denen wir zum Beispiel Briefe und Pakete einlagern müssen oder nicht mehr annehmen können. Ich bin jedoch zuversichtlich und hoffe, dass dieser Fall nicht eintreten wird.

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