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Digitalministerin im Gespräch : „Mama, ein Donut!“

„Mittel für Innovationen bereitstellen“: Sinemus in ihrem Büro in Wiesbaden Bild: Frank Röth

Kristina Sinemus, die neue Digitalministerin in Hessen, über ihre Berufung, die Reaktion ihrer Familie auf das Jobangebot und den strengen Wachdienst in der Staatskanzlei in Wiesbaden.

          Darauf, dass ihre Familie aus dem Waldecker Land stamm, legt Kristina Sinemus Wert. Sie wurde am 16. September 1963 in Darmstadt geboren. In Münster und Kassel studierte sie Biologie, Chemie, Kommunikationswissenschaft und Pädagogik. Von 1991 bis 1995 lehrte und forschte sie am Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung der Technischen Universität Darmstadt. Dort wurde sie 1995 mit einer interdisziplinären Arbeit über die biologische Risikoanalyse gentechnisch hergestellter herbizidresistenter Nutzpflanzen promoviert. 1998 gründete Sinemus eine Fachagentur für Wissenschaftskommunikation. Im Jahr 2011 wurde sie an der Quadriga Hochschule Berlin zur Professorin für Public Affairs ernannt. Von 2014 bis zu ihrer Berufung als hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung am 18. Januar 2019 war sie Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Darmstadt.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Frau Professor Sinemus, wenn erfolgreiche Unternehmer in Deutschland in die Politik gehen wollen, werden sie von Journalisten gelegentlich gefragt, ob sie Millionär seien. Finden Sie die Frage legitim?

          Das ist jetzt nicht die erste Frage, die mir eingefallen wäre. Aber es gibt keine doofen Fragen. Insofern ist jede Frage legitim.

          Vielen Dank. Also: Sind Sie Millionärin?

          Nein.

          Sie haben in Ihrem Unternehmen aber schon gutes Geld verdient?

          Ja. Immerhin so viel, dass ich zwischen 15 und zwanzig Mitarbeiter inklusive deren Familien und meiner Familie habe ernähren können. Ich habe mich aber auch selbst verwirklicht, indem ich ein Unternehmen gegründet habe, dass es vorher so noch nicht gab, nämlich eine Agentur, die sich mit Wissenschaft und Kommunikation befasst. Sie bringt zwei Welten zusammen, von der nicht alle glauben, dass sie zusammengehören. Wir setzen auf Interdisziplinarität. Und wir zeigen, dass auch komplexe technische Themen vermittelbar sind.

          Geht das auch ganz kurz? Was ist Digitalisierung?

          Digitalisierung ist das Gegenteil von analog.

          Und was ist analog?

          Analog ist, wenn man sich gegenübersitzt und miteinander spricht. Bei der Digitalisierung steht die Mathematisierung als Übersetzerin zwischen den Gesprächspartnern. Abstrakt gesagt, ist Digitalisierung die Mathematisierung der Welt.

          Meinen Sie, dass man das jetzt verstehen muss?

          Ich mach’s am Beispiel... Als ich meiner Mutter im Heim erzählen wollte, dass ich Ministerin werde, habe ich dreimal angerufen, bis jemand die Zeit hatte, der alten Dame das Telefon ans Bett zu bringen. Als wir dann miteinander sprachen, fragte sie: „Was ist denn Digitalisierung?“ Meine Antwort: In der Digitalisierung hast du ein Telefon am Bett, und du musst nur sagen: Verbinde mich jetzt mit meiner Tochter. Dann wählt das Telefon die Nummer, auf einem Bildschirm erscheint deine Tochter, und du kannst dich mit ihr unterhalten.

          Und die Vorgeschichte dieses Telefonats? Wie wurden Sie Ministerin?

          Ich bekam am 3. Januar im Familienurlaub auf La Palma einen Anruf. Am anderen Ende hörte ich eine sonore Stimme, die ich ziemlich rasch zuordnen konnte. Meine erste Reaktion war: Ich habe doch gar keine Verwaltungserfahrung. Dann habe ich gesagt: tolles Thema! Wie stellt ihr euch das vor? Darüber haben wir uns dann unterhalten. Am Ende habe ich mir Bedenkzeit erbeten und mit der Familie gesprochen.

          Sie sind verheiratet und haben zwei Kinder.

          Mein Mann hat sofort aus dem Bauch heraus gesagt: Das ist das Richtige für dich. Mach das!

          Was ist er von Beruf?

          Handwerker und Künstler.

          Und die Kinder?

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