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Wieder Unterricht : „Es war nicht mehr so richtig eine Schule“

Anders als gewohnt: Die elf Jahre alte Hannah kann bis zu den Ferien ein- bis zweimal wöchentlich die Schule besuchen. Bild: Frank Röth

Wo sonst Kinder auf dem Gang sitzen, teilt jetzt rotes Band die Gänge: Die Fünftklässlerin Hannah Schühle berichtet vom ersten Schultag an ihrer Gesamtschule nach der Corona-Pause.

          2 Min.

          Heute war dein erster Schultag an der Gesamtschule am Rosenberg in Hofheim nach neun Wochen Corona-Pause. Wie war’s?

          Florentine Fritzen
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf jeden Fall anders als sonst. Die Gänge und Treppen sind mit Absperrband unterteilt. Man muss im ganzen Schulgebäude Maske tragen außer auf seinem eigenen Sitzplatz. Das war schon ein bisschen nervig. Wenn man zum Mülleimer gehen wollte, um eine leere Füllerpatrone wegzuschmeißen, musste man die Maske aufziehen.

          War die Klasse geteilt?

          Wir sind 18 Kinder, neun waren in einer Gruppe, neun in der anderen. Wir wurden in verschiedenen Klassenräumen unterrichtet.

          Konntest du dich mit anderen über die ungewohnte Situation austauschen?

          Ja, am Anfang, als wir uns klassenweise auf dem Schulhof mit 1,5 Meter Abstand sammeln sollten. Es gab aber keine richtige Pause. Wenn man eine machen wollte, durfte man zu zweit mit Maske auf den Pausenhof gehen und mit Abstand etwas essen. Ich hatte Frühstück dabei und war mit meiner Freundin draußen. Nach fünf Minuten mussten wir wiederkommen und erst mal Hände mit Seife waschen.

          Gab es auch Desinfektionsmittel?

          Das war keine Pflicht, aber manche hatten ihre eigenes dabei. Es hingen auch überall Plakate, wo draufstand, wie man sich verhalten soll und wie man richtig Hände wäscht.

          Wie lange ging der Unterricht?

          Wir haben zur dritten Stunde angefangen, um 9.30 Uhr, und dann bis zur sechsten Stunde Unterricht gehabt. Aber weil wir keine regulären Pausen hatten, waren wir schon 40 Minuten früher fertig.

          Welche Fächer hattet ihr?

          Deutsch und Englisch. Erst hatten wir eine Vertretungslehrerin. In der Zeit hatte die andere Gruppe unsere Klassenlehrerin. Danach wurde getauscht. Am Anfang hat die Lehrerin uns die Hygieneregeln erklärt. Dann haben wir Aufgaben aus unserem Wochenplan gemacht.

          Der Klassenraum ist einem ja sehr vertraut. Was war da anders?

          Es war ein bisschen komisch, weil jeder einen eigenen Doppeltisch hatte. Man konnte nicht nach einem Stift fragen, man durfte ja nichts tauschen. Unsere Lehrerin hat gesagt, dass man sonst nach Hause gehen muss. Man hatte auch niemanden neben sich, der einem was erklären konnte. Die Lehrerin saß auch die ganze Zeit auf ihrem Platz. Sie durfte auch nicht aufstehen ohne Maske.

          Was war das für ein Gefühl?

          Es war nicht mehr richtig eine Schule. Sonst sitzen immer Kinder auf dem Gang, wenn sie Freistunde haben. Jetzt war überall so rotes Absperrband. Sonst geht man immer vom normalen Eingang gerade durch bis zur Cafeteria, das konnte man nicht. Es gab auch kein Essen.

          Wann hast du wieder Schule?

          Nächste Woche Dienstag und dann, glaube ich, noch achtmal. Immer ein- bis zweimal in der Woche bis zu den Ferien.

          Habt ihr auch Videounterricht?

          Ja, zweimal die Woche. Das ist schon gut, aber ich finde es in der Schule besser. Blöd ist, dass man immer nur vier Mitschüler am Bildschirm sehen kann. Die anderen werden nicht angezeigt. Wenn die Lehrerin etwas erklärt hat, kann man es manchmal nicht richtig verstehen wegen der Internetverbindung. Man kann sich nicht mit den Mitschülern austauschen, wie man eine Aufgabe lösen soll. Partnerarbeit muss man über Telefon machen.

          Seit wann wusstest du, dass es wieder los geht?

          Wir haben am Freitag erfahren, dass wir am Montag in die Schule kommen sollen, und erst am Sonntag, welche Sachen wir mitbringen sollen. Das war schon kurzfristig. Dann sollten wir auch noch Sachen für Fächer mitnehmen, die wir dann gar nicht hatten. Mein Schulranzen war schwer, und mein Notizblock hat gar nicht mehr reingepasst.

          Hast du dich gefreut, oder warst du angespannt?

          Beides. Unsere Lehrerin hatte uns erzählt, wie es jetzt in der Schule aussieht, und wir wussten, wie wir uns verhalten müssen. Ich habe mich vor allem gefreut, meine Freunde wiederzusehen.

           

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