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Eintracht : „Wenn der Ball richtig kommt, ist er drin“

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Typisch Meier: Der Frankfurter Torjäger trifft, freut sich – aber verzichtet auf die ganz großen Gesten. Bild: Wonge Bergmann

Eintracht-Idol Bernd Hölzenbein über Torjäger Alexander Meier, Ähnlichkeiten, Qualitäten und Charakterfragen.

          5 Min.

          Viele Eintracht-Fans bezeichnen Alex Meier als Fußball-Gott, selbst neutrale Experten als Phänomen. Was ist er für Sie?

          Ein Phänomen. Alex ist ein Spieler, wie es in Deutschland, vielleicht in Europa, keinen zweiten gibt. Das hat er am Samstag wieder bewiesen.

          Wie ist das Phänomen zu fassen? Wie kann es gehen, nach fünf Monaten Verletzungspause auf Anhieb drei Bundesligatore zu schießen?

          Viele hofften, dass Alex noch ein bisschen früher fit würde. Aber er hat monatelang seine Reha in Basel konsequent durchgezogen, Tag für Tag, Stunde für Stunde. Diese Willensstärke hätte ich nicht unbedingt von ihm erwartet. Früher haben wir gesagt, Alex braucht nach Verletzungen ein, zwei Spiele, bis er wieder der Alte ist. Diesmal war es phänomenal. Er hat so gut trainiert, dass er besser war als vor seiner Verletzung. So fit und spritzig und dynamisch habe ich ihn noch nie gesehen.

          Auch nach diesem Spiel gegen Köln hat Alex Meier seine Tore wieder kleingeredet, wie er es so oft macht. „Der Ball ist mir auf den Kopf gefallen, der Ball ist mir auf den Fuß gefallen, das war nichts Besonderes“. Meint er das so, oder ist das ein Mangel ein Selbstbewusstsein?

          Das ist kein Mangel, das meint er so – so ist Alex Meier. Am Sonntag war ein Benefizspiel zugunsten des früheren Eintracht-Spielers Dietmar Roth. Für Alex war es eine Selbstverständlichkeit, dahin zu kommen und zu helfen, am Tag nach seinen drei Toren. Es ist selbstverständlich für ihn, dass er auf der Geschäftsstelle mir und den anderen Leute freundlich guten Morgen sagt. Und wenn ihn jemand um ein Trikot mit Unterschriften bittet, dann ist das Trikot spätestens am nächsten Tag da. Das ist einmalig, deshalb lieben wir ihn alle.

          Ist Alex Meier von seinen Mitspielern abhängig, wie er betont, oder würde er durch seine Spielweise überall Tore schießen?

          Alex ist nicht abhängig von seinen Mitspielern. Es gab mal eine Zeit, in der Alex nicht richtig fit war. Da gab es Stimmen, die meinten: „Die Kröte Alex Meier müssen wir schlucken.“ Das war ihm sehr nahe gegangen. Denn Alex will immer alles für die Mannschaft geben. Er kann ja auch alles spielen. Er hat schon in der Abwehr ausgeholfen, er war auch schon auf der Sechserposition. Und er spielt sehr variabel hinter der Spitze oder als Spitze. Alex ist keiner, der vorne stehen bleibt. Er läuft mit zurück und bietet sich an. Er lebt sicher nicht von den Mitspielern.

          Was macht Alex Meier besonders?

          Er hat diese Fähigkeit, den Ball ins Tor zu schlenzen, mit seiner berühmten rechten Innenseite. Das übt er jeden Tag nach dem Training. Er kann es nicht nur, er will es auch weiter perfektionieren. Er hat ein Riesenpotential im Fuß, sogar mit links, wie wir am Samstag gegen Köln gesehen haben.

          Für dieses zweite Tor bedurfte es allerdings keiner großen Ballfertigkeit, sondern eher Instinkt.

          Das stimmt, es war ein typisches Gerd-Müller-Tor, er spürte, wo der Ball landen würde, hielt das Bein hin, und von seinem Fuß sprang der Ball an den Innenpfosten ins Tor. Auf keine andere Weise hätte er in dieser Szene ein Tor schießen können.

          Die anderen beiden Tore gegen Köln erzielte Alex Meier mit dem Kopf.

          Ich hatte immer nur einen Kritikpunkt an ihm – sein Kopfballspiel. Weil er so groß ist (1,96 Meter, die Red.), hat er nie viel trainiert, hoch zu springen. Weil er auch so an den Ball kam, vor allem in der Jugend. Ich sagte ihm, wenn er nur einen oder zwei Zentimeter wachsen würde, würde er noch viel mehr Tore köpfen. Da das in seinem Alter nicht geht, sollte er vielleicht üben, die paar Zentimeter höher zu springen. Und jetzt kommt er nach der Verletzung zurück und hat richtig gut gearbeitet und köpft zwei Tore. Und die Kopfbälle waren beide nicht ganz einfach.

          Kopfballtore nach weiten Flanken, ist da nicht auch viel Glück dabei?

          Nein, es ist das Gefühl, es ist das Näschen. Man muss schon an der Fußhaltung des rechten oder linken Flügelspielers sehen, wie der Ball kommen könnte.

          Wie sieht das typische Meier-Tor aus?

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