https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/intensivstationen-in-hessen-hoechststand-an-corona-patienten-17659795.html

Bestätigter Fall beschwerdefrei : Höchststand an Corona-Intensivpatienten während der vierten Welle

Luftzufuhr: Beatmungsgerät am Bett eines Corona-Patienten im Frankfurter Uni-Klinikum Bild: Frank Röth

Am Nachmittag wird das Land Hessen neue Corona-Regeln verkünden, obwohl die geltenden Vorgaben nicht einmal eine Woche alt sind. Derweil füllen sich Klinikbetten wieder vermehrt mit Covid-Patienten. Der Odenwald bleibt Hotspot.

          3 Min.

          Es gibt widersprüchliche Angaben zu den neuen Verdachtsfällen in Hessen mit der Coronavirus-Variante Omikron. Das Frankfurter Gesundheitsamt spricht von zwei neuen Fällen, Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) hatte am frühen Morgen auf Twitter dagegen von drei weiteren mutmaßlich Infizierten berichtet. Auf Nachfrage der F.A.Z. bestätigte er am Mittag diese Zahl. Demnach werden derzeit die Gen-Proben von sieben Personen sequenziert. Vier davon hatte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek am Sonntagabend via Twitter bekanntgegeben. Zuvor hatte sich ein Verdachtsfall nach der Sequenzierung bestätigt.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Das Gesundheitsamt spricht in Summe von sechs Verdachtsfällen. Ciesek hat den morgendlichen Tweet von Klose auf ihrem Account übernommen und damit seine Angaben indirekt bestätigt. Ihre Mitarbeiter und sie werten die Gen-Proben aus. Drei Personen hätten sich in Südafrika aufgehalten, ein Mensch sei aus Simbabwe nach Deutschland gekommen. Zwei Verdachtsfälle seien Folgefälle zweier Erkrankter. Sie hätten sich demnach in Deutschland angesteckt. „Es sind alle in häuslichen Verhältnissen, niemand im Krankenhaus“, berichtete das Gesundheitsamt auf Anfrage. Die Person, bei der die Sequenzerung die Omikron-Variante bestätigt habe, sei „beschwerdefrei“.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Hospitalisierungsinzidenz sinkt

          Am Nachmittag werden Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Klose neue Regeln verkünden, die Pressekonferenz ist für 16.30 Uhr angesetzt. Es liegen derweil so viele Corona-Kranke in Intensivbetten wie noch nie in den vergangenen Wochen. Auch auf den Normalstationen gibt es wieder mehr Patienten mit Covid-19. Die Sieben-Tage-Inzidenz klettert ebenfalls weiter, wenn auch nur leicht. Die Hospitalisierungsinzidenz ist dagegen abermals gesunken und beträgt 3,94 nach 4,3 vor einer Woche. Sie spiegelt die Zahl der binnen Wochenfrist in Kliniken aufgenommenen Covid-Patienten. Ein hessischer Landkreis verharrt über der Marke 500, während die Impfquote nach wie vor kaum vorankommt.

          Laut Sozialministerium lagen zuletzt 304 Covid-Patienten auf Intensivstationen nach 295 am Vortag und 180 vor vier Wochen. Örtlich sind dessen ungeachtet Kapazitätsgrenzen seit geraumer Zeit erreicht, so am Uni-Klinikum in Gießen. Und das betrifft dort nicht nur Intensivbetten für Covid-Patienten, für die der Schwellenwert 200 beträgt. 841 Betten auf hessischen Normalstationen sind mit Personen belegt, die sich mit dem Coronavirus nachweislich infiziert haben oder bei denen dieser Verdacht besteht, 23 mehr als am Vortag. Vor vier Wochen war von 506 mit Covid-Patienten belegten Normalbetten die Rede.

          Dass das Sozialministerium bei der Bettenbelegung regelmäßig auf Vortagsdaten zurückgreift, hat einen einfachen Grund: Die jeweils neuen Zahlen erhält es erst nach Veröffentlichung seines Updates. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin Divi spricht von 293 Corona-Kranken in Intensivbetten, davon 129 invasiv beatmet. Allerdings meldet die Divi regelmäßig niedrigere Daten als das Land zu diesem Richtwert; begründet wird das mit unterschiedlicher Zählweise. Der zweite Richtwert, die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz, beträgt laut Ministerium 4,12 und fällt seit Tagen leicht.

          59,4 Prozent der auf hessischen Intensivstationen behandelten Patientinnen und Patienten mit Covid-19 sind nur teilweise oder gar nicht geimpft und bestätigen die Redewendung „Pandemie der Ungeimpften“. 34,9 Prozent sind vollständig geimpft. Dieser Wert ist in den vergangenen Wochen gestiegen. Das hat zunehmend mit einer nachlassenden Wirkung des Impfstoffs nach einigen Monaten zu tun und in vielen Fällen auch mit dem Umstand, dass Personen wegen anderer Erkrankungen keinen ausreichenden Immunschutz ausbilden konnten oder weil ihr Immunsystem medikamentös gedämpft ist. Bei 5,7 Prozent ist der Impfstatus unbekannt. Ein vergleichsweise hoher Wert angesichts der Zahlen der Vorwochen.

          Die Impfquote stagniert nach minimalem Anstieg. 67,5 Prozent der hessischen Bevölkerung sind durchgeimpft, bei den Personen über zwölf Jahren sind es 76,1 Prozent, wie das Land meldet. 85 bis 90 Prozent halten Fachleute für notwendig, um die vierte Welle zu brechen. Zuletzt musste die Stadt Frankfurt aber Sonderimpfaktionen mangels Impfstoffen stoppen.

          Wie das Ministerium weiter meldet, haben hessische Gesundheitsämter über Nacht 1767 Neuinfektionen nach positiven PCR-Tests verzeichnet nach 811 vor vier Wochen. 18 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 sind hinzu gekommen, ein sehr hoher Wert. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank dagegen auf gut 273 nach 278 am Vortag, vor vier Wochen betrug sie 123. Die meisten binnen Wochenfrist registrierten Fälle unter 100.000 Einwohnern hat der Odenwald mit 508 vor der Bergstraße mit 384 und Frankfurt mit 346.

          Weitere Themen

          Inzidenz nun über 1000

          Corona in Hessen : Inzidenz nun über 1000

          Ganz Hessen ist ein Hotspot: Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag bei 1025,4. Damit ist erstmals die Schwelle von 1000 überschritten worden. Die hohe Zahl der Erkrankungen zeigt erste Auswirkungen auf den Nahverkehr. In Wiesbaden fallen derzeit einige Busse aus.

          Topmeldungen

          Ricarda Lang im Paul-Löbe-Haus in Berlin

          Ricarda Lang im Porträt : Der neue Habeck

          Ricarda Lang will Chefin der Grünen werden – mit gerade mal 28 Jahren. Sie muss die Partei zusammenhalten, wenn die Ampel-Kompromisse weh tun. Leicht wird das nicht.
          Dmitrij Peskow im Dezember in Moskau

          Forderungen zurückgewiesen : Putins Personal empört sich über den Westen

          Der Westen hat Russlands wichtigste Forderungen in Osteuropa offiziell zurückgewiesen. In Moskau wird Unmut laut und mit der Aufrüstung der ostukrainischen „Volksrepubliken“ gedroht. Auch eine Anerkennung sei möglich.