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Intendant verlässt Alte Oper : Auf dem Sprung

Wechselt in den Wiener Musikverein: Stephan Pauly beginnt einen neuen Job in Wien. Bild: dpa

Der Intendant der Alten Oper verlässt Frankfurt. Verübeln kann man diese Entscheidung Stephan Pauly nicht. Die Stadt bietet zwar kulturelle Freiräume, aber für die Meisten ist sie doch nur ein Zwischenstopp.

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          Es ist ja nicht so, dass alle nur kurz in Frankfurt bleiben. Max Hollein war als Chef von Schirn, Städel und Liebieghaus 15 Jahre in der Stadt, Susanne Gaensheimer hielt es an der Spitze des Museums für Moderne Kunst acht Jahre aus, und etwa so lange hatte auch Stephan Pauly Zeit, um der Alten Oper seinen Stempel aufzudrücken. Das hat er für ein an Bildung interessiertes Publikum mit Veranstaltungsreihen getan, die in musikalisch-literarische Tiefen führten und den philosophischen Interessen des Intendanten entsprachen. Und mit Projekten, die in die ganze Stadt ausstrahlten, zu ungewöhnlichen Orten führten und ein anderes Hören ermöglichen sollten.

          Dabei zielt er nicht nur auf das ohnehin treue Publikum, das noch bestens vertraut ist mit den Riten und Formen eines klassischen Konzerts, sondern auch auf Besucherschichten, die etwas erleben wollen und unter gewöhnlichen Umständen nicht in ein Konzerthaus zu locken sind. So kam jüngst eine illustre Menge zu Marina Abramovićs an zwei Terminen stattfindenden Meditationsübungen, die auf ein fünfstündiges Konzert vorbereiteten. Darunter waren viele junge Leute und solche, die man eher in Goa oder auf Ibiza vermuten würde.

          Die Nachfrage ist gewaltig

          Dass Pauly mit dem für Kinder und Jugendliche entwickelten Programm „Pegasus“ einen Nerv treffen würde, stand in einer Stadt zu vermuten, in der viele Eltern begierig alle Bildungsangebote ergreifen, die ihren Sprösslingen einen Vorsprung beim Kampf um die vorderen Plätze in der Gesellschaft versprechen. Wer immer Pauly nachfolgt: Die musikpädagogische Reihe auszubauen wäre keine schlechte Idee. Die Nachfrage ist gewaltig.

          Aber es gilt, auch den Bedürfnissen der Abonnenten gerecht zu werden. Die Alte Oper steht insofern in einer Reihe vergleichbarer Konzerthäuser, als ihr Gastspielbetrieb verlässlich die Größen der Branche aufbietet. Dass sie mit ihren en suite gespielten Singspielen auch noch ein Musicaltheater ist, gehört ebenso zu ihrem Profil wie ihre Nutzung als Tagungsort. Was zu gewissen Einschränkungen führt.

          Aber Frankfurt, das muss man sich gelegentlich klarmachen, ist nicht Berlin und schon gar nicht Wien. Keiner kann es Pauly verübeln, wenn es ihn dorthin zieht. Frankfurt ist gut für die Karriere und bietet kulturelle Freiräume, aber für die meisten Institutsleiter ist es dann doch ein Zwischenstopp. Wenn auch zumeist ein sehr ausgedehnter.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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