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Einmal im Jahr woanders unterwegs: Stefan Bachmann ist derzeit Gast am Schauspiel Frankfurt. Bild: Tommy Hetzel

Schauspiel Frankfurt : Odyssee mit Jelinek

Stefan Bachmann hat schon öfter aktuelle Stücke von Elfriede Jelinek inszeniert. Wegen Corona hat sich seine jüngste Premiere am Schauspiel Frankfurt verzögert. Der Intendant des Kölner Schauspiels sieht es gelassen.

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          Jetzt kann Stefan Bachmann einigermaßen entspannt bei den Proben sein. „Ich hatte befürchtet, dass das Stück etwas aus der Zeit gefallen sein könnte. Schließlich sind die Zentralthemen die Kanzlerschaft von Sebastian Kurz, Corona und Corona-Leugnerschaft. Aber wieder einmal erweist sich, dass Jelineks Text so reichhaltig ist und weit über das Kernthema hinausweist.“

          Bachmann, 1966 in Zürich geboren, Regisseur und Intendant des Schauspiels Köln, ist so etwas wie ein Fachmann für Jelinek-Texte. „Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! Was ich sagen wollte“ ist schon seine vierte Inszenierung eines aktuellen Jelinek-Textes. Und eigentlich wäre schon im Februar Premiere am Schauspiel Frankfurt gewesen. Corona kam dazwischen. Nicht wie sonst mit plötzlichen Erkrankungen kurz vor der Premiere, vielleicht eher schlimmer: Im gesamten Probenprozess fehlte dauernd irgendwer aus dem Team wegen positiver Tests, alles verschleppte sich. „Es hatte irgendwann keinen Sinn mehr. Die Produktion ist langsam auf eine Sandbank gelaufen“, sagt Bachmann.

          Jetzt macht er das Schiff wieder flott, und das Bild passt ausgesprochen gut, ist die „Odyssee“ und vor allem der Gesang, in dem es um die Zauberin Circe geht, doch einer der roten Fäden in Jelineks Text. Um das herauszufinden, muss man sich auf die gleichförmigen Textmassen, gerne „Textflächen“ genannt, einlassen. Nicht leicht, auch nicht für einen, der das gewohnt ist.

          „Im ersten Moment weiß ich nie, wovon ein Jelinek-Text handelt. Das Lesen ist erst einmal eine Zumutung. Erst durch die Stimmen der Schauspieler gibt es Anhaltspunkte, durch das Hören kann man es erfassen“, sagt Bachmann.





          „Wenn ich woanders arbeite, ist das toll“

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Verteilung des Textes gehe er „fast intuitiv“ vor und nach Prinzipien: Was ist eine dialogische, was eine monologische Szene? „Die Entscheidung muss früh fallen, weil die Sätze ein paar Wochen brauchen, um in den Schauspielerinnen und Schauspielern zu reifen.“ Auch so eine Erfahrung, die man als Regisseur macht, wenn man sich öfter mit den Arbeiten der Nobelpreisträgerin auseinandersetzt. Der Probenprozess sei ein bisschen wie das Gehen durch einen Tunnel: „Man fängt immer wieder von vorn an, aber das ist bei jedem kreativen Prozess so.“ Und „es wird nicht einfacher durch die Übung“. Jedes Jelinek-Stück sei dann doch anders.

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