https://www.faz.net/-gzg-891rh

Integration von Asylsuchenden : Kreis will 144 neue Stellen schaffen

  • -Aktualisiert am

Landrat Michael Cyriax: „Ich muss die weißen Fähnchen hissen.“ (Archivbild) Bild: Wolfgang Eilmes

Michael Cyriax, Landrat des Main-Taunus-Kreises hat „das allgemeine Geplapper“ satt. Er will die Sparbemühungen beenden und Ernst machen mit der Integration der Flüchtlinge.

          2 Min.

          Vom Januar des nächsten Jahres an sollen alle bis dahin im Main-Taunus-Kreis in festen Unterkünften untergebrachte Asylbewerber mit Bleibeperspektive Deutschkurse bekommen. Dabei sollen sie auch mit dem „Wertesystem der deutschen Leitkultur vertraut gemacht werden“. Das hat Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU) gesagt und damit eine Abkehr von der sparsamen Haushaltspolitik angekündigt, die er bisher verordnet hatte. Er wird den Fraktionen im Kreistag vorschlagen, im nächsten Jahr 144 neue Stellen zu schaffen und dafür eine Neuverschuldung in Höhe von 35,7 Millionen in Kauf zu nehmen.

          Heike Lattka
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Er habe das „allgemeine Geplapper satt“, sagte Cyriax. Er werde deshalb wegen der aktuellen Ausnahmesituation seine Sparbemühung in der Kreisverwaltung beenden und die Stellenbesetzungssperre aussetzen. „Ich muss das weiße Fähnchen hissen“, sagte Cyriax. Handeln sei angesichts der Flüchtlingskrise das Gebot der Stunde. Der Main-Taunus-Kreis trete in Vorleistung und „macht Ernst mit der Integration der Flüchtlinge“.

          Bund und Land „reden mehr als dass sie handeln“

          Es sei die größte Stellenausweitung innerhalb eines Jahres seit 1945. Die Fraktionen des Kreistags habe er schon über seine Pläne informiert und aus deren Reihen keine Kritik zu hören bekommen.

          Im Etat 2016 werde für Sprachkurse und weitere Bildungspakete ein Betrag in Höhe von 2,1 Millionen Euro veranschlagt, erläuterte Cyriax. Für dieses bundesweit einmalige Sprachförderprogramm müssten bei der Volkshochschule Main-Taunus 44 neue Stellen geschaffen werden. Die zusätzlichen Personalkosten betrügen 2,6 Millionen Euro. Dies sei notwendig, weil Bund und Land bis dato „mehr reden als handeln“. Derzeit seien als Folge der Flüchtlingskrise in der Verwaltung arbeitsschutzrechtliche Grundsätze „faktisch ausgehebelt“ und die Belastung für die Mitarbeiter besonders hoch, berichtete Cyriax. Da der Kreis im nächsten Jahr möglicherweise weitere 2400 Asylsuchende aufnehmen müsse, wobei die Zahl noch sehr vage sei, müsse er die Verwaltung auf diese enorme Mehrbelastung einstellen, erläuterte der Landrat.

          So müssten rund 100 neue Stellen in der Kreisverwaltung geschaffen und dafür jährlich zusätzliche Personalkosten in Höhe von sechs Millionen Euro eingeplant werden. Allein 80 der neuen Stellen fielen für den Asyl-Komplex an. Es würden insbesondere gut ausgebildete Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Sachbearbeiter und Hausmeister benötigt. Zudem müsse für die neuen Mitarbeiter auch zusätzlicher Raum geschaffen werden.

          Die Schulden steigen

          Die Belegung einer neuen Außenstelle durch die Kreisverwaltung sei nicht mehr auszuschließen, sagte Cyriax. Insgesamt entwickelt sich der Main-Taunus-Kreis wirtschaftlich weiterhin positiv; Landrat Cyriax hätte ohne die hohe Zahl von Flüchtlingen 2016 vermutlich wieder einen ausgeglichenen Haushalt anpeilen können. Laut dem Zahlenwerk beträgt das Haushaltsvolumen 391 Millionen Euro und schließt nach derzeitigen Planungen mit einem Defizit von einer Million Euro ab. Aufgrund der Neuberechnung des Kommunalen Finanzausgleichs sinke die von den Kommunen aufzubringende Kreisumlage von 39,7 auf 37,5 Prozentpunkte.

          Da auch noch 13,4 Millionen Euro für Schulen ausgegeben werden müssen, steigt die Zahl der notwendigen Investitionen insgesamt auf mehr als 55 Millionen Euro. Dadurch steigen die Schulden des Kreises von voraussichtlich 353 Millionen auf rund 388 Millionen Euro zum Ende des nächsten Jahres.

          Weitere Themen

          Mainz zählt zum Welterbe

          Heute in Rhein-Main : Mainz zählt zum Welterbe

          Frankfurt gewinnt den Fußballstreit. Die hessischen Abiturienten erzielen Bestnoten. Speyer, Worms und Mainz gehören nun zum Weltkulturerbe. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Impfgegner demonstrieren im Mai diesen Jahres in Concord im Bundesstaat New Hampshire.

          Delta-Variante : Amerikas Konservative bekommen Angst

          In den Vereinigten Staaten haben viele konservative Politiker und Moderatoren eine Corona-Impfung für unnötig erklärt. Die rapide steigenden Infektionszahlen durch die Delta-Variante scheinen zu einem Umdenken zu führen.
          2,50 Meter hoch, etwa 2,30 Meter breit: So sieht sie aus, die Zelle des Sports

          Lost in Translation (3) : Zelle des Sports

          Einmal live zugeschaut bei den Könnern in Tokio, schon zuckt der Leib. Corona sitzt im Nacken. Doch auch in der Zelle ist Sport möglich. Selbst wenn bei Liegestützen die Ellbogen an der Wand scheuern.
          Medaillen bitte, wir sind Briten: Adam Peaty stürzt sich in die Fluten

          Schwimmen bei Olympia : Rule Britannia

          Adam Peaty macht die Schotten hoch: Tom Dean gewinnt als erster Brite seit Henry Taylor 1908 Freistil-Gold. Und Duncan Scott legt noch Silber dazu. Team GB surft auf einer Erfolgswelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.