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Kommentar : So schlicht wie schlüssig

Integrationshilfe: Neben Deutschunterricht zählt dazu auch eine Arbeitsstelle (Symbolbild). Bild: dpa

Die Integration der ankommenden Flüchtlinge hängt entscheidend davon ab, ob sie Arbeit finden. Gelingen kann sie aber nur, wenn auch die Zuwanderer bereit sind, sich auf den hiesigen Arbeitsmarkt einzulassen. Ein Kommentar.

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          Für die Frage, ob die Integration der nach Tausenden zählenden Flüchtlinge gelingt, wird es entscheidend sein, ob sie Arbeit finden. Insofern kommt den Unternehmen eine Schlüsselrolle zu. Es fügt sich, dass auch in der Wirtschaft des Rhein-Main-Gebiets seit Jahren über einen Mangel an Fachkräften geklagt wird. Es fügt sich weiter, dass auch in den Unternehmen dieser Region eine Welle der Hilfsbereitschaft zu beobachten ist, dass in Belegschaften für Flüchtlinge gesammelt wird, dass Betriebe spontan bereit sind, Praktikumsplätze oder gar Lehrstellen für Flüchtlinge einzurichten. Auch die breitangelegte Aktion „Frankfurt hilft“ wird von unternehmensnahen Stiftungen mitgetragen, etwa der Deutschen Bank und der BHF-Bank.

          Tatsächlich läuft im Moment vieles gut. Nicht nur in den Betrieben wird nach Lösungen gesucht. Die Arbeitsagenturen in Hessen schaffen Anlaufstellen für Flüchtlinge, deren Mitarbeiter die Qualifikation von Ausländern klären und sie in Praktika vermitteln sollen. Die Handwerkskammer Frankfurt/Rhein-Main beginnt in Bensheim mit einer Art Berufsvorbereitungskurs für Flüchtlinge. Die in Frankfurt ansässige Stiftung der Förderbank KfW sucht in einem Wettbewerb Jungunternehmer, die originelle Ideen haben, wie Ausländer Arbeit finden können.

          Aufgabe ist aller Ehren wert

          Auch der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, Volker Fasbender, hat in einem starken Auftritt klargemacht, was der Staat leisten muss, damit die Wirtschaft mit der Integrationsarbeit beginnen kann. Seine Forderungen sind so schlicht wie schlüssig. Die Qualifikationen der Zuwanderer müssen rasch festgestellt und Deutschkurse begonnen werden, die Unternehmen brauchen außerdem, wenn sie jemanden als Lehrling einstellen, die Sicherheit, dass er auch einige Zeit in Deutschland bleiben darf. Fasbender hat zudem zu Recht einen Regulierungsstopp für den Arbeitsmarkt gefordert, auch eine Liberalisierung des Mindestlohns.

          Gelingen kann die Integration allerdings letztlich nur, wenn die Flüchtlinge auch ihrerseits bereit sind, sich auf die anspruchsvollen Spielregeln des hiesigen Arbeitsmarkts einzulassen. Gelingen kann die Integration ferner auch nur dann, wenn die hessischen Arbeitslosen, das sind immer noch 180.000 Frauen und Männer, nicht vergessen werden. All dies ist eine riesige Aufgabe, aber sie ist aller Ehren wert. Der Zustrom in die Bundesrepublik Deutschland ist auch ein Zustrom zu ihrem erfolgreichen Wirtschaftsmodell der Marktwirtschaft. Die Flüchtlinge sollten nicht enttäuscht werden.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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