https://www.faz.net/-gzg-775ph

„Institut für vergleichende Irrelevanz“ : Unterstützer wollen 250000 Euro teuren Containerbau

  • -Aktualisiert am

Irrelevanz in Containern: der Vorschlag für ein neues Ivi-Quartier Bild: Martin Timm

Sechzehn Bürocontainer, im Viereck aufgestellt, dazwischen 160 Quadratmeter Dach: So soll eine neue Unterkunft für das linke Projekt Ivi vor. Die Universität lehnt den Vorschlag jedoch ab.

          2 Min.

          Sechzehn Bürocontainer, im Viereck aufgestellt, dazwischen 160 Quadratmeter Dach: So stellt sich eine Gruppe von ehemaligen Nutzern des „Instituts für vergleichene Irrelevanz“ (Ivi) eine mögliche neue Unterkunft für das linke Projekt vor. Die Studenten, die im Gebäude Kettenhofweg 130 das Ivi betreiben, könnten demnach in einen Containerbau auf den Campus Westend umziehen - auf eine Fläche an der Ecke von Miquel- und Hansaallee. Die gehört zwar zum Bauerweiterungsland für den neuen Campus, würde aber nach den bisherigen Planungen unbebaut bleiben.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir sind der festen Überzeugung, dass es solche Räume wie das Ivi geben muss“, meint die Initiative, die sich passend zu ihrem Plan „Ivi-Cube“ nennt. Nach den Berechnungen des Architekten Martin Timm könnte das Projekt für etwa 250 000 Euro verwirklicht werden. An den Kosten sollte sich laut „Ivi-Cube“ außer Stadt, Land und Universität auch die Franconofurt AG beteiligen - sie könnte beispielsweise alte Baucontainer spenden. Die Immobilienfirma hatte das Haus mit dem Ivi Anfang 2012 gekauft und vor einer Woche einen Räumungstitel erwirkt. Der Vorschlag für den Containerbau ist nach Worten von Architekt Timm nicht unveränderbar. „Er dient nur dazu, zu zeigen, dass es geht, wenn man will.“

          Keine Mittel für nichtuniversitäre Aktivitäten

          Die Universität machte jedoch gestern deutlich, dass sie von dem Plan wenig hält. Er sei mit der Hochschule „nicht abgestimmt“, heißt es in einer Stellungnahme. Das Grundstück, das die Initiative im Auge habe, sei für eine solche Nutzung nicht vorgesehen. Im Bebauungsplan für den Campus Westend ist die Fläche als „Universitätsplatz“ ausgewiesen. Sie solle als Eingang zum neuen Campus dienen und den Charakter eines städtischen Platzes erhalten, ist in der Begründung des Plans zu lesen. Westlich neben dem Areal will das Deutsche Institut für Internationale pädagogische Forschung seinen Neubau errichten.

          Auch andere Uni-Grundstücke schieden als Standorte für das Ivi aus, weil sie bereits fest verplant seien, heißt es in der Mitteilung der Hochschule weiter. Eine finanzielle oder anderweitige Unterstützung schließe die Universität ebenfalls aus, „da Landesmittel für nichtuniversitäre Aktivitäten nicht verwendet werden können“.

          „Vielleicht sprechen wir noch einmal mit den Parteien“

          Aus dem Ivi hieß es dagegen, der Vorschlag von „Ivi-Cube“ sei ein sinnvoller Kompromiss. „Wenn es die letzte Rettung wäre, würden wir dahin umziehen“, sagte ein Sprecher. Jetzt wolle man sehen, ob und wie man die Idee selbst vorantreibe. „Vielleicht sprechen wir noch einmal mit den Parteien.“

          Manuel Stock, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer, sagte gestern, dass eine finanzielle Beteiligung der Stadt an dem Projekt „nicht darstellbar“ sei. Es müsse zwar einen Raum für kritische Wissenschaften geben, aber das sei nicht zwingend räumlich gemeint. „Auch auf dem neuen Campus wird es ein Studierendenhaus geben, in dem Veranstaltungen wie die im Ivi stattfinden könnten“, sagte Stock.

          Reden bringt nichts

          Franconofurt-Vorstand Christian Wolf sagte, er wolle mit der Idee nichts zu tun haben. Am Kettenhofweg scheint derweil alles auf eine Räumung des Gebäudes hinauszulaufen. Gestern ist ein Ultimatum verstrichen, das Wolf den Studenten gestellt hatte: Wenn sie das Haus freiwillig verließen, wolle er ihnen 10 000 Euro zur Verfügung stellen. Wolf sagte, er habe zu einem Gespräch in das Institut kommen wollen. Dann habe man aber gedroht, ihm „auf’s Maul“ zu geben, sollte er vorbeikommen.

          Zu den Drohungen konnte der Ivi-Sprecher nichts sagen. „Ich sehe aber auch nicht, was Reden in der Situation noch groß bringt“, sagte er. Die Studenten haben ein Schild vor dem besetzten Gebäude aufgestellt, auf dem sie Wolf auffordern, die 10000Euro dem Mieterverein zu spenden. „Ich hab’ genug von dem Kindergarten“, sagte Wolf gestern.

          Weitere Themen

          Wie man um die Ecke schießt Video-Seite öffnen

          Geht doch! : Wie man um die Ecke schießt

          Ecken direkt verwandeln – auf dem Fußballplatz geht das noch vergleichbar einfach. Beim Tipp-Kick braucht es viel Feingefühl. Wir verraten, wie der perfekte Schuss um die Ecke gelingt.

          Topmeldungen

          Ende einer Amtszeit: Sebastian Kurz gibt am 9. Oktober 2021 seinen Rücktritt bekannt

          Frankenberger fragt : Ist das „System Kurz“ am Ende, Ursula Plassnik?

          Sebastian Kurz galt als politisches Wunderkind - jetzt ist er bereits zum zweiten Mal als Bundeskanzler Österreichs zurückgetreten. Wie geht es nun weiter? Wir fragen Ursula Plassnik, frühere Außenministerin des Landes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.