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Sachsenhausen : Hilfe von Schraubern und Tüftlern

Einsatzbereit: Stadtteilbotschafter Dominik Peper und sein Team. Bild: Helmut Fricke

Dominik Peper ist Stadtteilbotschafter. Mit Hilfe der Stiftung Polytechnische Gesellschaft will er ein gemeinnütziges Repair-Café eröffnen. Dort soll jedermann defekte Dinge instand setzen können.

          Sein Team aus handwerklich begabten Mitarbeitern steht, und ein erster Werkstattraum ist auch gefunden. Nur vier Monate sind vergangen, seit Dominik Peper mit seiner Idee für ein sogenanntes Repair-Café in Sachsenhausen zum Stadtteilbotschafter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ernannt wurde. Nun kann der Sechsundzwanzigjährige Vollzug melden. „Wegwerfen? - Denkste!“ lautet das Motto seines Projekts. Allein oder mit Hilfe versierter Techniker sollen Bürger im Repair-Café defekte Möbel, Fahrräder oder Haushaltsgeräte reparieren können. Peper versteht seine Einrichtung als soziales Angebot und als Beitrag zum Umweltschutz: Teure Reparaturen in Werkstätten könnten umgangen und das Wegwerfen vermeintlich unbrauchbar gewordener Gegenstände könnte verhindert werden.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Innerhalb weniger Wochen haben sich 15 freiwillige Mitarbeiter für die Hobby-Werkstatt gemeldet, wie Peper sagt. Eingerichtet ist sie in einem Raum der Katholischen St.-Wendel-Gemeinde am Alten Schützenhüttengässchen. Im November soll die Werkstatt eröffnen. Wer dort mit einem defekten Computer, Zweirad, Toaster oder auch mit einer zerrissenen Hose vorstellig werde, dem könne geholfen werden, sagt Peper. Die Arbeit der Fachkräfte sei unentgeltlich. Allerdings stehe die Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund - das Repair-Café soll kein Reparatur-Service, sondern eher ein Treffpunkt für Schrauber und Tüftler sein.

          Viele Werbeaktionen

          Während seines Studiums an der Technischen Universität Darmstadt hat Peper mit Kommilitonen ein vergleichbares Projekt initiiert: eine Werkstatt, in der Fahrräder wieder flottgemacht werden. Das war vor zwei Jahren. Die Werkstatt auf dem Campus existiert noch heute. Das Studium ist mittlerweile beendet, und Peper arbeitet als Ingenieur für ein Medizintechnik-Unternehmen in Bad Homburg. Seit April ist er zudem Stipendiat der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Seit 2007 fördert die Stiftung junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren, die sich zum Wohl ihrer Stadtteile engagieren wollen. Peper gehört zur fünften Generation von Stadtteilbotschaftern. In 15 Stadtteilen werden von 25 Stipendiaten 17 Einzelvorhaben verfolgt. Schwerpunkte sind Sport, Gesundheit, Kunst und Zivilcourage. Die Stiftung gewährt den Stipendiaten jeweils 3000 Euro und unterstützt sie mit Rat und Tat.

          Peper hat nach eigenen Angaben kräftig die Werbetrommel gerührt. Auf Facebook, in anderen sozialen Netzwerken und auf Internetseiten zu Umweltthemen habe er für sein Vorhaben geworben und so Studenten, Facharbeiter, Arbeitslose und Rentner für seine Sache gewinnen können. Dass Peper nicht auf den Mund gefallen ist, zeigte er bei der Begrüßung der neuen Stadtteilbotschafter. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) hatte am Rednerpult mit Blick auf Pepers Projekt bekannt, auch gerne selbst „Dinge auseinanderzuschrauben und wieder zum Laufen zu bringen“. Peper reagierte spontan und lud Siegler vor versammeltem Auditorium zur Mitarbeit im Repair-Café ein. Er sei mit Siegler noch in Kontakt, womöglich komme es wirklich zu einem Arbeitseinsatz des Stadtverordnetenvorstehers.

          In Zukunft regelmäßig geöffnet

          Zunächst werde das Repair-Café an einem Tag in der Woche regelmäßig geöffnet, kündigt Peper an. Mit Flyern und auf der Internetseite www.repaircafefrankfurt.de wirbt er für das Angebot. Die erste Einrichtung dieser Art ist es übrigens nicht: Vergleichbare Werkstätten bieten etwa der Frankfurter Verband am Dornbusch und die „Stadtteilinitiative Koblenzer Straße“ im Gallus an. Vollendet sieht Peper sein Stadtteilbotschafter-Projekt noch längst nicht. Bis zum Ablauf seines Stipendiums im Herbst 2016 will er das Repair-Café in Sachsenhausen etabliert haben. Dazu seien Räume erforderlich, die unbefristet genutzt und häufiger geöffnet werden könnten. Auch würde er gerne einen Träger finden, der die Einrichtung dauerhaft betreut. Mit einer daran interessierten Umweltorganisation führe er schon Gespräche, sagt Peper und klingt dabei ziemlich zuversichtlich.

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