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Insolvenz von Thomas Cook : Raus aus der Touristikbranche

Ungewisse Zukunft: Viele Mitarbeiter des Reisekonzerns bangen um einen neuen Job. Bild: dpa

Eintausend Mitarbeiter von Thomas Cook in Oberursel suchen neue Arbeitsstellen. Doch auch andere Reiseveranstalter stecken in der Krise.

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          Das hat sich vor wenigen Wochen noch niemand vorstellen können: Der Reiseveranstalter Thomas Cook wird aus Oberursel verschwinden, rund 1000 Männer und Frauen warten auf ihre Kündigungsschreiben und sind auf Jobsuche. Am ehesten erhielten die IT-Fachleute eine neue Anstellung, auch Kaufleute seien gesucht, sofern sich die Bewerber nicht allein auf die Reisebranche konzentrierten. Das ist die Einschätzung von Branchenkennern der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von den insgesamt 1100 Beschäftigen am bisherigen Stammsitz der deutschen Tochter des britischen Reiseveranstalters wissen lediglich die Mitarbeiter des Digitalgeschäfts, wie es für sie weitergeht. Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof wird diesen Teil des Unternehmens übernehmen, auch der größte Teil der Reisebüros geht dorthin. Mit diesem und dem Verkauf von Cook-Marken wie Öger Tours konnten etwas mehr als die Hälfte der ursprünglich 2100 Arbeitsplätze gerettet werden, doch der Standort Oberursel wird aufgelöst.

          Noch laufen dort die Verhandlungen über Sozialpläne. Am Mittwoch soll das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet werden, wie der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Philipp Schumann auf Nachfrage sagte. Bis dahin müssten die Sozialregelungen beschlossen sein. Dabei gehe es nicht nur um die Verteilung von Geld, sondern auch um Rechtsfragen.

          Bemühungen um neue Arbeitsplätze

          Das Ende treffe die Beschäftigten hart, viele von ihnen fühlten sich dem Unternehmen emotional verbunden, erklärt Verdi. Nicht selten arbeiteten Ehepaare dort, ganze Familien müssten nun bangen. Und Mitarbeiter über 50 fänden erfahrungsgemäß nur schwer eine neue Stelle. Das Insolvenzgeld wird nur noch bis Ende November gezahlt. Immerhin versuche Thomas Cook, bei der Jobsuche zu helfen und habe in dieser Woche für seine Mitarbeiter eine Jobbörse veranstaltet, wie eine Unternehmenssprecherin dieser Zeitung sagte. Dabei hätten sich 28 Arbeitgeber mit ihren offenen Stellen präsentiert, die Suchenden hätten gleich ihre Bewerbung abgeben können.

          Bei Thomas Cook sind neben Reisekaufleuten auch Akademiker beschäftigt, die als Quereinsteiger zur Touristik gekommen sind und beispielsweise die Katalogtexte schreiben. Einige wenige der Entlassenen sind nach Angaben von Verdi schon untergekommen. IT-Fachleute erhielten Angebote, sagte Mathias Venema, Fachbereichsleiter beim Verdi-Landesverband für Hessen. Gute Chancen hätten auch die Mitarbeiter mit Kenntnissen über den Aufbau und die Pflege von Internetseiten. Wie Venema berichtete, sind bei Thomas Cook auch Studenten der Touristik in einem dualen Studiengang tätig. Die Gewerkschaft bemühe sich um neue Arbeitsplätze für diese jungen Leute, weil sie ohne Anstellung im nächsten Jahr den Studienplatz verlören.

          Für viele Cook-Mitarbeiter wird die Pleite, die nicht das Deutschland-Geschäft, sondern die Konzernmutter in London zu verantworten hat, wohl ein kompletter Neustart. Die ganze Reisebranche sei im Umbruch, die klassischen Veranstalter spielten nicht mehr eine so wichtige Rolle wie in der Vergangenheit, sagte Venema. Schwierigkeiten hätten auch die Mitbewerber. So hat der Marktführer TUI ebenfalls den Abbau von mehreren hundert Stellen angekündigt.

          Auch das erklärt, warum es nicht gelang, das Unternehmen als Ganzes zu verkaufen. Die vorläufige Insolvenzverwaltung habe alles Mögliche in diese Richtung versucht, sind sich Schumann und Venema einig. Es seien mit verschiedenen Investoren Gespräche geführt worden, aber kein Geldgeber war bereit, Thomas Cook weiterzuführen.

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