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Innenstadt im Wandel : Frankfurts Luxusmeile wächst

Hoher Glas-Anteil: das Büro- und Geschäftshaus „Maró“. Bild: Simulation Eike Becker Architekten

Die Frankfurter Innenstadt erlebt einen Wandel. Im Quartier um den Opernplatz und die Goethestraße sind etliche Bauprojekte in Vorbereitung oder haben schon begonnen. Und an der Neuen Rothofstraße sollen sich weitere Premium-Geschäfte ansiedeln.

          Die Frankfurter Innenstadt erlebt einen Wandel. Im Quartier um den Opernplatz und die Goethestraße sind etliche Bauprojekte in Vorbereitung oder haben schon begonnen. Ein Vorhaben wird mit besonderer Spannung erwartet: Das „Maró“, ein Büro- und Geschäftshaus mit der Adresse Neue Mainzer Straße 74-80, markiert den Eingang zur Neuen Rothofstraße, die parallel zur etablierten „Luxusmeile“ Goethestraße verläuft. Gemeinsam mit dem „Luginsland1“, einem weiteren Büro- und Geschäftshaus nebenan, dessen Eröffnung für Herbst 2014 geplant ist soll es das Quartier städtebaulich aufwerten und das Tor zu einer neuen Einkaufslage bilden.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Frankfurter Projektentwickler Groß&Partner und die Schweizer Fondsgesellschaft Peakside Capital entwickeln das „Maró“ für weniger als 100 Millionen Euro in einem Joint Venture und haben dafür zwei leerstehende Bürogebäude von der BHF-Bank erworben. In einem Gutachterverfahren wurde eine Architektur für den Neubau gesucht, dem die bis vor einem Jahr von der BHF-Bank genutzten Bestandsgebäude aus den achtziger Jahren weichen sollen.

          Einkaufen und zum Arzt gehen in einem Gebäude

          Das Berliner Büro Eike Becker Architekten setzte sich gegen KSP aus Frankfurt, UN Studio (Amsterdam) und Meyer Schmitz-Morkramer, ebenfalls aus Frankfurt, durch. Die Berliner haben zwei siebengeschossige Gebäude mit hohem Glasanteil entworfen. Das architektonische Konzept beruht auf gestapelten Boxen, die wie Erker leicht in den öffentlichen Raum hineinragen. Eike Becker will mit dem Entwurf eine Verlängerung der Goethestraße in die Neue Rothofstraße erwirken, die bisher als enge Gasse eher eine Rückseite bilde. „Sie wird an Charakter gewinnen“, glaubt der Architekt.

          Die Bauherren wollen in dieser Woche den Bauantrag einreichen, der Abriss ist bereits genehmigt. Ende 2015 soll das „Maró“ fertig sein. Es bietet in den ersten beiden Geschossen Platz für acht bis zwölf Geschäfte sowie in den darüber liegenden Etagen 8600 Quadratmeter Bürofläche. Auch Arztpraxen sind möglich. In die Räume zur Junghof-Passage, die das Quartier mit dem Bankenviertel verbindet, soll ein Restaurant mit Terrasse einziehen, das auch Speisen zum Mitnehmen anbietet.

          Blick auf die Goethestraße

          Die Entwickler zielen bei den Handelsflächen auf das „Premium- bis Luxussegment“. „Wir versuchen, gezielt Marken und Linien nach Frankfurt zu holen, die hier noch nicht sind“, sagt Kerstin Hennig, die bei Groß&Partner für strategische Projekte zuständig ist. Die Goethestraße platze aus allen Nähten. Für Hennig ist das Grundstück, das auch einen Zugang zu den Wallanlagen hat, „ein Juwel, das noch nicht entdeckt wurde“. Das Projekt bringe „frischen Wind“ ins Quartier. Auch Boris Schran, Managing Partner bei Peakside Capital, ist überzeugt, dass es in Frankfurt zu wenig Flächen gibt, um die Nachfrage im Luxussegment zu decken. Die Nachfrage sei jedenfalls stark genug, um mit dem Bau zu beginnen.

          Das „Maró“ bildet wie das schon fast fertige „One Goetheplaza“ einen Anker zu beiden Seiten der Neuen Rothofstraße. Außerdem hat der Sparkassen- und Giroverband am westlichen Ende der Gasse ein Bürohaus mit der Adresse Alte Rothofstraße9 fertiggestellt, in dessen Erdgeschoss die Modemarke Brioni einen Laden eröffnet. Es hat ebenso einen Blickbezug zur Goethestraße wie das Büro- und Geschäftshaus „Luginsland 1“, das der Projektentwickler FGI nach einem Entwurf von Meyer Schmitz-Morkramer errichtet. In der Immobilienbranche ist außerdem zu hören, dass Tishman Speyer sein Bürogebäude „Junghof“, Neue Rothofstraße 13-19, im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss umbauen will, so dass auch dort Geschäfte einziehen könnten. Außerdem wird das Büro- und Geschäftshaus Goethestraße34 derzeit entkernt und erweitert. Die Allianz Real Estate will nach Informationen dieser Zeitung ihre beiden Gebäude Opernplatz2 und Goethestraße37/Neue Mainzer Straße84 und sanieren. Letzteres soll auch von Januar an um ein Geschoss aufgestockt werden, bestätigte ein Sprecher.

          Spuren der ersten Veränderungen schon jetzt zu erkennen

          Für die Entwicklung des „Maró“ muss der Bebauungsplan nicht geändert werden. Er verfolgt ohnehin das Ziel, die Nutzungsvielfalt in dem „vom bankenbezogenen Dienstleistungssektor“ geprägten Stadtteil zu verbessern. Eine „für Fußgänger attraktive Verzahnung“ des Bankenviertels mit der Innenstadt und den Wallanlagen ist ebenso erwünscht wie eine „lebendige Mischung aus Geschäfts- und Büronutzung“. Aus Sicht von Stadtplanungsamtsleiter Dieter von Lüpke folgt das Bauvorhaben den Zyklen der Immobilienwirtschaft. „Gebäude werden erneuerungsbedürftig.“ Er sieht in dem Projekt eine Ergänzung der Einkaufszone Goethestraße: „Hier findet eine punktuelle Erweiterung statt.“

          Am 6.Januar soll der Bau beginnen. Die ersten Veränderungsspuren sind an dem 1984 errichteten Bestandsgebäude aber schon heute zu erkennen. Die Tür fehlt, denn die BHF-Bank hat ihr schmiedeeisernes Portal ausgebaut und mitgenommen. Es befand sich einst schon an dem 1891 gebauten Stammhaus des Vorgängerinstituts der BHF-Bank, der Frankfurter Bank, frühere Notenbank der Freien Stadt Frankfurt. Nach der Zerstörung des Gebäudes 1944 zog das Portal mit der Bank um und war zunächst zehn Jahre eingelagert, bevor es 1984 als Portal des Bürohauses an der Neuen Mainzer Straße diente. Künftig soll es im Treppenhaus des BHF-Bank-Hochhauses im Westend ausgestellt werden, wohin auch im November 2012 die Mitarbeiter aus der Neuen Mainzer Straße umgezogen sind. Das Quartier rund um Goethestraße, Neue Rothofstraße und Freßgass’ dürfte auch vom neuen Luxushotel am Opernplatz profitieren, das kaufkräftige Kundschaft in die Geschäfte und Restaurants bringen soll. Die Entwicklung des Viertels wirft schon ihre Schatten voraus: Geschäftsbetreiber an der Goethestraße berichten, ihnen würden hohe Abfindungen geboten, falls sie frühzeitig aus dem Mietvertrag ausstiegen.

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