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„Initiative Grünes Kronberg“ : Sorge um Bäume und Stadtbild

Stumpfer Protest: Am Rande des Viktoriaparks in Kronberg sind Bäume gefällt worden. Das gefällt vielen nicht. Bild: Helmut Fricke

Bauvorhaben werden in Kronberg oft kritisch begleitet. Erst recht, wenn Gehölze fallen. Eine Initiative vereint jetzt Naturschützer und skeptische Nachbarn.

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          Von Realitätsschock zu sprechen wäre das falsche Wort. Schließlich hat die Bebauung rund um den Kronberger Bahnhof, wo ein Hotel, der Kammermusiksaal mit Verwaltung der Kronberg Academy, Wohnhäuser und Gewerbebauten entstehen sollen, schon lange ihre Gegner. Aber sie haben seit Anfang des Jahres ein symbolträchtiges Anschauungsobjekt: die Baumstümpfe zwischen Viktoriapark und Parkdeck, wo Anfang des Jahres neben vielen anderen Gehölzen ein 17 Meter hoher Mammutbaum und eine im Lauf der Zeit allerdings schon vorher zurechtgestutzte 300 Jahre alte Kastanie gefällt wurden.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Mit den nun bevorstehenden Bauarbeiten wird konkret, worüber in Kronberg seit fast 20 Jahren diskutiert wird. Sie waren der letzte Anstoß zur Gründung der neuen „Initiative Grünes Kronberg“. Sieben Gruppen hätten sich zusammengeschlossen, nachdem die 100 Bäume am Bahnhof beseitigt worden seien, sagte der Ortsvorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Jochen Kramer, bei der öffentlichen Vorstellung. Hinzu komme, dass auch andernorts wie im Guaita-Park Bäume gefällt worden seien.

          Mammutbaum als Weihnachtsbaum

          „Viele haben sich gefragt, wie es weitergeht“, sagte Kramer. Der Name der „Initiative Grünes Kronberg“ ist nicht parteipolitisch gemeint. Im Raum Feldberg der Stadthalle hatte sich vor allem ein bürgerliches Publikum versammelt. Statt um die Rettung der Welt ging es den meisten um den Baum vor der eigenen Haustür, oft auch auf dem Nachbargrundstück.

          Der BUND als bundesweit agierende Organisation bildet eine Ausnahme. Weshalb Kramer auch allgemeine Informationen über den Wert der Bäume in der Stadt und ihre positive Wirkung auf das Kleinklima gab, bevor er sich auf den Kronberger Nachhaltigkeitsbericht und den darin geforderten verantwortlichen Umgang mit den Lebensgrundlagen berief. Auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ist nicht nur in Kronberg aktiv.

          Der Ortsvorsitzende Erlend Martini kritisierte ebenso knapp wie konkret den Umgang der Stadt mit ihren Bäumen. Ersatzpflanzungen stünden oft in keinem Verhältnis zur Zahl der gefällten Bäume. Außerdem stört ihn, dass der große Mammutbaum im ehemaligen Schulgarten neben dem Berliner Platz regelmäßig als Weihnachtsbaum herhalten müsse und inzwischen für diesen Zweck sogar dauerhaft verkabelt sei.

          Beobachtung jedes Einsatzes

          Ein alteingesessener Streiter für die Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes ist der Obst- und Gartenbauverein, der sich um Streuobstwiesen und alte Apfelsorten kümmert. Der Vorsitzende Heiko Fischer berichtete von so manchem städtischen Grundstück, das nicht mehr als Apfelbaumkultur zu erkennen sei, und forderte die Wiederbelebung des 1997 beschlossenen Arbeitskreises Streuobstwiese. Gabriele Klempert wiederum sprach für die Arbeitsgemeinschaft Kulturlandschaft Königstein-Kronberg, die wegen des Philosophenwegs und auf den Wiesen parkender Autos im Dauerstreit mit dem Opel-Zoo liegt, aber auch gegen illegale Gartenhütten kämpft.

          Die Gruppe „Perspektiven für Kronberg“ richtet den Blick auf die Stadtentwicklung, ist aber vor allem durch die am Bahnhof geplante Bebauung angestoßen worden, gegen deren Ausmaß Berthold Hackl seit langem streitet. Er wandte sich „gegen weiteren Kahlschlag“ und warnte vor einem Verkehrschaos, wenn alle Pläne Wirklichkeit würden.

          Eine Zwangsversteigerung war wiederum Auslöser für die Gründung der IG Guaita-Park. Durch sie fiel die einstige Villa des verstorbenen Bankiers Hermann Josef Abs, nach ihrem ursprünglichen Bauherrn auch Villa Ter Meer genannt, in die Hand eines Königsteiner Rechtsanwalts. Seither beobachten die Nachbarn, an ihrer Spitze der frühere FDP-Vorsitzende Harald Jossé, aufmerksam jeden Kettensägeneinsatz auf dem zur Villa gehörenden Gelände.

          Druck auf die Parteien aufbauen

          Ihre immer wieder geäußerte Befürchtung ist, dass die Parkpflege nur der Vorbereitung einer Bebauung diene. Wobei der von der Interessengemeinschaft gewählte Name den weitaus größeren Park des Max von Guaita in Erinnerung ruft, von dem nur derjenige der Abs-Villa geblieben ist. Der Rest wurde schon 1936 abgetrennt, parzelliert und in späteren Jahren mit Häusern bebaut.

          Die Forderungen der Initiative spiegeln die Zusammensetzung wider und reichen vom Erhalt der Kronberger Grünflächen über ein Konzept zur Pflege der Streuobstwiesen bis zu transparenter Planung und stärkerer Bürgerbeteiligung. Wobei die letzten beiden Punkte auch durch die Dynamik der Region an ihre Grenzen stoßen. So wollte eine neu zugezogene Frau wissen, was man denn gegen die Pläne am Bahnhof tun könne. Öffentlichen Druck auf die Parteien aufbauen, riet ihr Berthold Hackl – mit der Erfahrung aus zwölf Jahren Ringen um Hotelhöhe und Grundstücksausnutzung.

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