https://www.faz.net/-gzg-a4rky

Vorlesestunde für Kinder : Ein bisschen wie im Kino

  • -Aktualisiert am

Rattenkinder: Eliot und Isabella sind die Stars einer von mehreren Kinderbuchreihen des Autors Ingo Siegner. Bild: Ingo Siegner/Beltz Verlag

Ingo Siegner schreibt und illustriert nicht nur Geschichten, er ist auch ein begabter Vorleser. Das lässt einiges erwarten bei den „Sonntagsgeschichten für Kinder“.

          3 Min.

          Cool ist er, der kleine Drache Kokosnuss! Wenn er auftaucht, sind Kinder zwischen sechs und zehn nicht mehr zu halten! Egal, ob er Weihnachten oder ein Schulfest feiert, im Spukschloss oder im Weltraum unterwegs ist, in die Schule geht oder die Wetterhexe trifft – der kleine Drache hat sich eine weltweite Fangemeinde erobert. 29 Kokosnuss-Bücher hat der bekannte Kinderbuchmacher Ingo Siegner bisher veröffentlicht, dazu gibt es Hörbücher, ein Theaterstück, zwei Kinofilme, eine Fernsehreihe und eine Menge Übersetzungen in fremde Sprachen. Der liebenswert-lustige kleine Feuerdrache ist eine der bekanntesten deutschen Kinderbuchfiguren geworden.

          Dass Ingo Siegner am kommenden Sonntag im Rahmen der „Sonntagsgeschichten für Kinder“ aus seinen Büchern liest, ist aber nicht nur deshalb etwas Besonderes. Auch, weil er schon zum vierten Mal zur F.A.Z.-Lesung nach Frankfurt kommt. So oft war noch kein anderer Kinderbuchautor und keine Autorin dabei. Außerdem ist in diesem Jahr alles anders, denn die Lesung wird nicht live stattfinden, sondern digital aufgezeichnet und dadurch auch noch länger im Internet abrufbar sein.

          Und schließlich ist Ingo Siegner, der mit seinen 55 Jahren immer noch jungenhaft-verschmitzt aussieht, selbst ein sehr besonderer Mann, denn er hat nicht nur einen Beruf, sondern drei: Er erfindet und schreibt Geschichten – inzwischen sind es um die 45. Außerdem malt und illustriert Siegner sie von Anfang an selbst. Dazu ist er ein sehr begabter Vorleser, seine Lesungen sind wie lebendiges Kino.

          Spiel mit Klischees und Erwartungen

          Wer nun aber glaubt, das Schreiben, Zeichnen und Vorlesen sei für Ingo Siegner mit der Zeit zur Gewohnheit geworden, irrt. Bei jeder neuen Geschichte erscheint es ihm, als mache er das zum ersten Mal. Immer hat er eine neue kreative Idee, dann denkt er lange darüber nach, wie sich die Handlung entwickeln könnte, wie seine Figuren sich in bestimmten Situationen verhalten und wie er neue Figuren so gestaltet, dass sie zugleich witzig und echt wirken. Und erst wenn die Charaktere und der Plot im Kopf locker „gestrickt“ sind, legt Ingo Siegner los mit dem Schreiben. Und das fühlt sich mit 55 noch genauso an wie mit 30 Jahren.

          Bei der Arbeit: Ingo Siegner
          Bei der Arbeit: Ingo Siegner : Bild: Johann Geils

          Wobei er seine Bücher nicht als Fantasy versteht. Nicht das Phantastische steht für ihn im Mittelpunkt, sondern Sprachwitz, Spaß und Ironie. Am liebsten spielt Ingo Siegner mit Klischees, mit den Erwartungen, die seine Leser an bestimmte Figuren knüpfen. Ob an Drachen, Dinosaurier, Indianer oder Prinzessinnen. Und diese Erwartungen schnappt er sich und bürstet sie kräftig gegen den Strich.

          Zum Beispiel in dem neuen Kokosnuss-Buch, an dem er gerade arbeitet. Da gibt es eine Prinzessin, die allerdings nicht jung und schön ist wie im Märchen, sondern etwas älter. Ein „spätes Mädchen“, wie man so sagt, mit dem Namen Patina. Der signalisiert, dass sie angestaubt und glanzlos wirkt. Und diese Prinzessin soll, wie das ja häufig im Märchen passiert, von einem Drachen entführt werden. Aber sie hat keine Lust dazu, sie macht einfach nicht mit. Was natürlich zu vielen komischen Verwicklungen führt und zu einer Geschichte, die ganz anders ausgeht, als man sich anfangs denkt.

          Erfolg mit anderen Menschen teilen

          Einige Wochen dauert es, bis eine neue Geschichte fertig ist. Denn Ingo Siegner schreibt langsam und nur dann, wenn „es fließt“. Klappt das nicht, macht er stattdessen seine Buchhaltung, geht spazieren oder einkaufen oder kocht für sich und seine Frau, sie ist Künstlerin, Spaghetti. Und erst, wenn der Text einigermaßen fertig ist, beginnt er mit den Bildern. Es sei denn, eine völlig neue Figur taucht auf, die zeichnet er dann sofort, um sie schon einmal kennenzulernen und ein wenig auszutesten.

          Ingo Siegner war früher Langstreckenläufer, noch heute wandert er gerne und fährt viel Rad. Beim Wandern erzählt er einem guten Freund regelmäßig seine Geschichten-Ideen, und weil der Freund ein guter Zuhörer ist, spürt er, wo eine neue Geschichte einen Haken hat. Das klappt nicht nur beim Feuerdrachen Kokosnuss, sondern auch bei den anderen spritzigen Buch-Reihen über die Rattenkinder Eliot und Isabella oder über das Erdmännchen Gustav.

          Was Ingo Siegner wichtig ist: seinen Erfolg mit anderen Menschen zu teilen. Er hat so viele Bücher verkauft, dass er es sich leisten kann, verschiedene Organisationen und soziale Einrichtungen zu unterstützen. Außerdem setzt er sich für die Leseförderung ein und hat den Bilderbuchsonntag in Hannover mitbegründet. Und obwohl er so erfolgreich ist, wird ihm das Geschichtenschreiben, Zeichnen und Vorlesen niemals langweilig. Immer wieder ist es ein neues Abenteuer und ein großes Glück. Denn Glück ist, meint Ingo Siegner, beim Schreiben des 45. Buchs noch genauso viel Spaß und Freude zu haben wie beim ersten. So wie auch Kinder beim Lesen des 45. Buchs noch genauso viel Spaß und Freude haben wie beim Lesen des ersten Buchs.

          Sonntagsgeschichten wie, wann, wo

          Ingo Siegner liest am nächsten Sonntag, 1. November, aus seinem Buch „Eliot und Isabella in den Räuberbergen“. Die Lesung, die wegen der Corona-Pandemie als digitale Live-Veranstaltung stattfindet, beginnt um 15 Uhr und endet gegen 16.30 Uhr. Digitale Zugänge können von sofort an unter der Internetadresse veranstaltungen.faz.net erworben werden. Der Teilnahmebeitrag von fünf Euro pro Person kommt vollständig der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ zugute. Siegner liest, wie traditionell alle Autoren dieser Reihe, ohne Honorar. Die nötigen Einwahldaten zur digitalen Lesung werden allen Anmeldern rechtzeitig vor der Veranstaltung per E-Mail übermittelt. Am Ende der Lesung freut sich Siegner auf Fragen der Zuhörer, außerdem werden einige von ihm signierte Bücher verlost.

          Weitergehende Fragen zu der Veranstaltung beantwortet Frau Mayer-Simon telefonisch unter 0 69/75 91-12 51.

          Nach Ingo Siegner liest am 6. Dezember Kirsten Fuchs, Trägerin des Deutschen Jugendliteraturpreises.

          Die Erlöse aus dem Spendenprojekt „F.A.Z.-Leser helfen“ gehen in diesem Jahr an die Stiftung „Starke Bande“, die Familien in schwierigen Lebenssituationen durch aufsuchende, individuelle Psychotherapie unterstützt, sowie an das Projekt „Lokale niederschwellige Krisenintervention in Frankfurt“ (LoKI) der Universitätsklinik Frankfurt, das Menschen mit Suizidabsichten hilft.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Bei der Frankfurter Volksbank IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

          Bei der Frankfurter Sparkasse IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion gibt es im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Einst gesellschaftliches Bindeglied, jetzt bedrohte Art: die traditionelle Kneipe.

          Kneipensterben : Der gemeinsame Rausch ist effizient

          Auf ein Bier mit der Fußball-Truppe? Oder ein Glas Wein mit der besten Freundin? In Corona-Zeiten geht das gerade nicht. Doch die Kneipe ist ein Kulturgut und darf nicht aussterben. Das sagen sogar Volkswirte.

          Tourismus : Ischgl ohne Après-Ski

          Der Corona-Ausbruch hat dem Tiroler Skigebiet zugesetzt. Knapp ein Jahr danach keimt in der Region neue Hoffnung. Wie wird die Skisaison mit Hygienemaßnahmen aussehen?

          Sorgen bei Liverpool und Klopp : „Das hört sich nicht gut an“

          Im Hinspiel gab es ein 5:0, nun verliert Liverpool in der Champions League daheim gegen Bergamo. Der Grund für die ärgerliche Niederlage ist schnell ausgemacht. Nun droht Jürgen Klopp ein „Endspiel“ – ausgerechnet in Dortmund.

          Der Brexit und die Fischerei : Heringe und Makrelen spalten Europa

          Fischer in der Europäischen Union bangen um ihre Existenz. Tausende Jobs stehen auf dem Spiel. Für Europa geht es aber noch um viel mehr. Wie geht es weiter nach dem Brexit?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.