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Verlängerung der U-Bahnlinie 2 : Ein weiterer „Infomarkt“ vor dem Bürgerentscheid

Eine Frage der Haltung: Noch fährt die U-Bahnlinie 2 bis Bad Homburg-Gonzenheim, die Bürger entscheiden, ob sie bis zum Bahnhof weiterrollen soll. Bild: Cornelia Sick

Bei der geplanten Verlängerung der U-Bahnlinie 2 geht es den Anwohnern vor allem um den Schallschutz. Der Sozialverband VdK erwartet vom Ausbau mehr Barrierefreiheit.

          Am Donnerstag haben die Bad Homburger Post bekommen. Darunter waren nicht nur die Unterlagen für die Landtagswahl und eine Informationsbroschüre über die Volksabstimmungen zu den vorgeschlagenen Verfassungsänderungen wie bei ihren übrigen hessischen Landsleuten. Auch Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) hat ihnen geschrieben und sie gebeten, ihre Stimme beim Bürgerentscheid über die geplante Verlängerung der Stadtbahnlinie2 abzugeben. Er findet zusammen mit der Landtagswahl am 28.Oktober statt.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          „Ihre Stimme zählt“, so der Aufruf des Oberbürgermeisters. Ob sie für oder gegen den Lückenschluss der U-Bahn zwischen der heutigen Endhaltestelle Gonzenheim und dem Bad Homburger Bahnhof stimmen sollen, schreibt Hetjes nicht. Allerdings ist die Verwaltung verpflichtet, die von den Gemeindeorganen vertretene Haltung darzulegen. Weshalb sich in dem Brief viele Argumente für das seit den achtziger Jahren diskutierte Vorhaben finden. Als Wirtschafts- und Wohnstandort sei Bad Homburg auf die Verbindung mit der Region angewiesen, und die U-Bahnverlängerung biete die Chance, die Lücke zwischen den regionalen und lokalen Nahverkehrsangeboten zu schließen, die ansässige Wirtschaft zu stärken und den Straßenverkehr zu entlasten.

          Belastungen für Anwohner während der Bauzeit

          Die Finanzierung sei sichergestellt, das Land trage 80 Prozent der förderfähigen Kosten und damit den Großteil der Investition. Dass die „Hauptbauzeit“ von dreieinhalb Jahren Belastungen für die direkten Anwohner, Einschränkungen im Straßenverkehr und Baulärm bedeutet, verschweigt der Brief nicht. Danach werde es in einigen Streckenabschnitten leiser als bisher, in anderen würden Lärmschutzmaßnahmen die Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte sicherstellen.

          Hejtes kündigt auch einen zweiten „Infomarkt“ zur U2-Verlängerung an. Am 18. Oktober können sich Bürger von 15 bis 20 Uhr noch einmal im Wintergarten des Kulturbahnhofs über das Projekt informieren. Außerdem gibt es zu dem Thema unter der Adresse www.bad-homburg-u2.de eine Internetseite der Stadt.

          Erste Prüfung gab es bereits

          In dem Brief verweist der Oberbürgermeister auch auf den Stadtverordnetenbeschluss, im Falle einer positiven Entscheidung der Bürger den Schallschutz über das rechtlich notwendige Maß hinaus zu optimieren. Das beschäftigt natürlich die Anwohner und wurde auch im Verkehrsausschuss Anfang September diskutiert. In einer Protokollnotiz verweist die Verwaltung allerdings darauf, dass dies Sache der Ausführungsplanung sei, die erst nach einem Beschluss für die Streckenverlängerung beginne.

          Eine erste Prüfung, ob die Bahnen langsamer fahren können und sich Geräusche durch Schmieranlagen reduzieren lassen, hat es allerdings schon gegeben, einschließlich einer Informationsfahrt mit der U-Bahn. Die Ergebnisse haben die Stadtverordneten vorige Woche zur Kenntnis genommen.

          Taktung lässt Geschwindigkeitsreduzierung nicht zu

          Aus Sicht der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) lässt die Taktung der Bahnen auf der A-Strecke eine Geschwindigkeitsreduzierung nicht zu. Schmieranlagen wiederum seien nur in Gleisbögen sinnvoll, um das Quietschen zu verringern. Dafür komme bei der U2-Verlängerung die künftige Tunnelausfahrt in Richtung Bahnhof am Erlenweg infrage. Ansonsten führte die VGF bei der Informationsfahrt Schallabsorber vor, die direkt an den Rädern angebracht sind.

          Das Regierungspräsidium Darmstadt als Genehmigungsbehörde hat der Stadt inzwischen erklärt, dass weder eine Geschwindigkeitsreduzierung noch der Einbau einer Schmieranlage Einfluss auf den geltenden Planfeststellungsbeschluss haben. Bei der Ausbauplanung soll noch geklärt werden, ob das auch für den Einbau beweglicher Herzstückspitzen bei Schienenübergängen oder die Ausführung als Rasengleis gilt, das leiser sein soll als Schottergleise.

          Sozialverband VdK spricht sich für Verlängerung aus

          Als unzureichend bezeichnete Rudolf Pietzke (FDP) diese Informationen in der Stadtverordnetenversammlung, denn auch, ob Platz für eine niedrige Lärmschutzwand direkt an den Gleisen sei, bleibe vor dem Bürgerentscheid ungeklärt. Er lobte allerdings, dass bei der Planung nicht mehr der Schienenbonus auf die Lärmwerte angerechnet werde. Die FDP zählt zu den hartnäckigen Gegnern, während eine große Stadtverordnetenmehrheit den Ausbau befürwortet.

          Außer Wirtschaftsinstitutionen wie der Industrie- und Handelskammer hat sich jetzt der Sozialverband VdK für die U-Bahn-Verlängerung ausgesprochen. Während man am Bahnhof Bad Homburg schnell und barrierefrei umsteigen könne, sei dies für ältere oder behinderte Menschen in Gonzenheim derzeit nicht der Fall, so der Beauftragte für Barrierefreiheit im VdK-Bezirk Frankfurt, Karl Sellent. Auch das Überqueren der Straße von den Bussen zur U2 sei für Personen mit Gehbehinderung, erst recht aber für Sehbehinderte oder Blinde ein grenzwertiges Unterfangen. Neben den Effekten für Verkehr, Wirtschaft und Umwelt müsse daher der soziale Gedanke berücksichtigt werden. Zumal auch Personen mit Kinderwagen und Gepäck von der Verlängerung profitierten.

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