https://www.faz.net/-gzg-8idcm

Industrieflächen in Frankfurt : Kein Platz für Großmetzgerei

Kein Zukunft für die Wurst in Frankfurt. Die Rewe-Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg zieht nach Erlensee. Bild: Helmut Fricke

Einen neuen Standort für die Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg zu finden, scheint kein leichtes Unterfangen. Doch die Metzgerei mit 950 Mitarbeitern dringt auch eine rasche Lösung.

          2 Min.

          Die Suche nach einem Ersatzstandort für die zur Rewe-Gruppe gehörende Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg in Frankfurt gestaltet sich weiter schwierig. Wie der Sprecher des Planungsdezernats sagte, bemüht sich die Stadt, das Unternehmen zu halten. „Aber wir haben nicht für jeden Fall die maßgeschneiderte Lösung in der Schublade.“

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie berichtet, will die Metzgerei ihren bisherigen Standort mit 950 Arbeitsplätzen in Fechenheim aufgeben, weil dort die Expansionsmöglichkeiten fehlen. Außerdem fürchtet der Betrieb offenbar Verkehrsbehinderungen während des Baus des Riederwaldtunnels. Das Unternehmen sucht nach einem 15 Hektar großen Grundstück. Die Produktionsfläche soll 500 Meter lang und 300 Meter breit sein und auf einer Ebene liegen. Am bisherigen Standort wird auf drei Stockwerken gearbeitet.

          Eine schwierige Suche

          Nach einer ähnlich großen Fläche hat die Stadt Frankfurt zuletzt bei der Ansiedlung eines Leistungszentrums des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) gesucht. Damals waren 22 Grundstücke als potentiell geeignet ermittelt worden, die jedoch nur zum Teil der Stadt gehörten. Der DFB entschied sich schließlich für die Galopprennbahn in Sachsenhausen. Allerdings galten andere Voraussetzungen, weil das DFB-Areal zu großen Teilen als Sportfläche genutzt und nicht komplett versiegelt wird. Außerdem verträgt sich das Leistungszentrum eher mit einem Wohngebiet als eine Großmetzgerei, die auch nachts von Lastwagen angefahren wird. Sie ist in einem Industrie- oder Gewerbegebiet gut aufgehoben. Eine Fläche, die bei der DFB-Suche geprüft wurde und in der Nähe eines Gewerbegebietes lag, war das Areal der Golfranch in Kalbach. Diese Fläche gehört zu einem Viertel der Stadt, der Rest ist in privater Hand.

          In den bestehenden Gewerbegebieten ist eine zusammenhängende, 15 Hektar große Fläche nur schwer zu finden. Eine Erweiterungsfläche des Industrieparks Höchst, der Infraserv gehört, wäre zwar groß genug, eignet sich aber offenbar nicht, weil sie für einen Lebensmittel-Betrieb nicht ideal scheint und die Betriebe im Industriepark die Fläche selbst beanspruchen.

          „Keine Flächen in der Größenordnung“

          In Rödelheim gibt es ebenfalls noch ein größeres Gewerbegrundstück. Denkbar wäre auch die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets am Bad Homburger Kreuz. Allerdings soll dieses Areal eigentlich dem „Grüngürtelpark Nieder-Eschbach“ zugeschlagen werden und ist auch mit vielen Ausgleichsflächen belegt. Solche Flächen müssen ausgewiesen werden, wenn an anderer Stelle in die Natur eingegriffen wird.

          Für den Leiter des Stadtplanungsamts Martin Hunscher gehört „dringend auf die Agenda“, wie die Stadt mit solchen Flächen künftig umgehen soll. „Wir haben uns mit Ausgleichsflächen eingekesselt“, sagt er. Das Gesuch der Metzgerei betrachtet er als schwierig. „Städtische Flächen haben wir in dieser Größenordnung nicht“, sagt er. Allenfalls in Kooperation mit privaten Eigentümern könne ein solches Areal zur Verfügung gestellt werden.

          Rewe-Gruppe dringt auf rasche Entscheidung

          Die Suche nach einem Grundstück ist auch deswegen so schwer, weil die Metzgerei die Produktion in einer eingeschossigen Halle abwickeln will. „Der Flächenverzehr stößt an Grenzen“, sagt Hunscher. Er stellt die Frage, ob man die Produktion auch intelligenter strukturieren könne. Ähnlich betrachtet der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Manuel Stock, das Brandenburg-Gesuch. „Wir sind eine enorm dicht bebaute Stadt, in der freie Flächen rar sind. Eine einstöckige Nutzung ist alles andere als flächeneffizient.“

          Stock spricht sich dafür aus, in Ruhe nach einer geeigneten Lösung für den Betrieb zu suchen „und nicht unter Zeitdruck Schnellschüsse zu produzieren“. Allerdings dringt die Rewe-Gruppe auf eine rasche Entscheidung. Die Stadt wiederum hat ein großes Interesse, die vielen Arbeitsplätze zu halten, da auch Geringqualifizierte in der Metzgerei einen Job finden. Bad Vilbel hat der Metzgerei Brandenburg schon eine Absage erteilt.

          Weitere Themen

          Je nach Lage wird es teurer

          Reform der Grundsteuer : Je nach Lage wird es teurer

          Finanzminister Michael Boddenberg stellt das hessische Modell für die Grundsteuer vor. Das Land geht einen anderen Weg als der Bund. Industrie- und Handelskammern kritisieren die Reform.

          Topmeldungen

          Kaufen oder mieten? : Ehestreit ums Eigenheim

          Ob Betongold wirklich glücklich macht, entscheiden auch die eigenen Ansprüche. Wenn die bei einem Paar weit auseinanderklaffen, muss es genau abwägen, was Freiheit und Sicherheit wert sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.