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Offenbach : Flüchtlinge beklagen Zustände in Unterkunft

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Protest: Offenbacher Flüchtlinge klagen darüber, wie ihre Unterkunft geführt wird. Die Polizei löst die friedliche, aber unangemeldete Demonstration auf. Bild: privat

Mangelhaftes Essen, zu wenig Kleidung: Flüchtlinge in Offenbach machen ihrem Ärger Luft. Auch Helfer dringen auf Verbesserungen und darauf, dass die Ankömmlinge endlich registriert werden. Das Land bittet um Geduld.

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          Etliche Flüchtlinge haben in Offenbach gegen Missstände protestiert, die es ihrer Auffassung nach in der Unterkunft an der Kaiserleistraße gibt, einer Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt leben in der früheren Gewerbehalle und einem angrenzenden Bürotrakt rund 560 Menschen. Nach etwa einer Stunde löste die Polizei die friedliche, aber nicht angemeldete Demonstration auf. Sie schätzt die Zahl der demonstrierenden Flüchtlinge auf etwa 100, die Flüchtlinge selbst nennen Zahlen zwischen 200 und 300. Auch Helfer üben deutliche Kritik am Umgang mit den Bewohnern. Betrieben wird die Unterkunft im Auftrag des Landes vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

          Die Flüchtlinge kritisierten, dass sie nach sechs Wochen immer noch nicht registriert worden seien. Zudem beklagten sie die Qualität des Essens. Es sei zu wenig und teilweise ungenießbar. Es fehle an Kleidung, Hygieneartikeln, Decken, Betten und medizinischer Versorgung. Die Sanitäreinrichtungen seien dreckig. Sie litten darunter, dass es in den Gemeinschaftsräumen keine Privatsphäre gebe.

          Auch Behörden scheinen Schwierigkeiten zu erkennen

          Viele Flüchtlinge berichteten, dass sie eigenes Essen kauften, weil sie von den Mahlzeiten nicht satt würden, die häufig vorgesetzte Fischsuppe verursache Übelkeit. Das Geld sei bei vielen nun aber aufgebraucht. „Meine Mutter hat Krebs, sie braucht richtiges Essen“, sagte ein Flüchtling. Redner gaben an, die Mahlzeiten aus Protest ausfallen zu lassen. „Wir sind nicht mehr als diese Nummer“, sagte ein Mann und zeigte auf sein Armband mit der Identifizierungsnummer. „Wir werden immer schwächer“, fügte ein anderer hinzu. „Es muss wohl erst jemand sterben, bis man uns glaubt.“

          Dass es Schwierigkeiten mit der Verpflegung gibt, scheinen inzwischen auch die Behörden erkannt zu haben. Wie das Regierungspräsidium Darmstadt mitteilte, sollte bei einem Ortstermin darüber gesprochen werden. Ein Sprecher sagte, nach dem Wechsel zu einem Caterer müssten sich die Bewohner an die Umstellung gewöhnen, „was nicht immer reibungslos vonstatten geht“.

          Vielen Flüchtlingen macht es ebenso zu schaffen, dass sie noch nicht offiziell registriert sind. Sie wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Laut Regierungspräsidium sind 430 der 560 Bewohner davon betroffen. Ein mobiles Registrierungsteam soll aus Gießen nach Offenbach kommen – wann, ist aber unklar.

          Dolmetscher bestätigen Zustände in den Unterkünften

          Eigentlich hätten die Menschen am 19. Oktober erfasst werden sollen. Weil zwei Kinder an Windpocken erkrankt gewesen seien, habe man den Termin aber abgesagt, sagte ein ehrenamtlicher Dolmetscher. Seither sei den Flüchtlingen kein neuer Termin genannt worden. Es werde mit Hochdruck an dem Problem gearbeitet, teilte das Regierungspräsidium Darmstadt mit und bat um Verständnis und Geduld. Ein Flüchtling berichtete, dass Bewohner auf eigene Faust weitergezogen seien zu Verwandten, weil das Verfahren nicht in die Gänge gekommen sei.

          Die Registrierung ist wichtig, weil erst dann das Asylverfahren beginnen kann und die Flüchtlinge Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommen. Viele der Offenbacher Asylsuchenden beklagen, dass sie nicht genug Geld hätten, um mit Familienangehörigen in ihrer Heimat zu telefonieren.

          Zwei ehrenamtliche Dolmetscher bestätigen die von den Flüchtlingen bemängelten Zustände in der Einrichtung. Sie möchten namentlich nicht genannt werden. Den Dolmetschern sei es vom ASB verboten worden, mit der Presse zu sprechen. Gegen Ehrenamtliche, die sich nicht daran gehalten hätten, seien Hausverbote verhängt worden.

          Flüchtlinge, die kein Englisch sprechen, haben das Nachsehen

          Zu denen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, gehört auch Shams Ul-Haq, ein Journalist. „Ich habe die Pflicht, etwas zu tun“, sagte der Offenbacher, der vor 25 Jahren aus Pakistan geflohen war. Er hilft den Ankömmlingen, indem er Winterkleidung sammelt und sie vor der Unterkunft an die Menschen verteilt, und indem er im Hof einer Offenbacher Moschee Essen ausgibt. „Wintersachen fehlen, und viele vertragen das Essen in der Unterkunft nicht“, moniert auch Haq. Außerdem müsse es dringend eine Beschäftigung für die Flüchtlinge geben. „Sie haben den ganzen Tag nichts zu tun.“ Außerdem fehle ein Gebetsraum für Muslime. Es helfe den Menschen, wenn sie ihren Glauben praktizieren könnten.

          Haq und die Dolmetscher kritisieren überdies, dass die Mitarbeiter des ASB Flüchtlinge unterschiedlich behandelten. Die einen erhielten auf Anfrage Hygieneartikel, Decken, Betten, Wasser und Kleidung, andere nicht. Eine Bevorzugung bestimmter Nationalitäten hätten sie aber nicht festgestellt, sagen die Dolmetscher. Es sei eher eine Frage der Verständigung. Oft gebe es, wenn überhaupt, nur arabischsprachige Übersetzer. Flüchtlinge, die kein Arabisch oder Englisch sprächen, hätten häufig das Nachsehen. Das Regierungspräsidium Darmstadt hebt hervor: „Eine Ungleichbehandlung zwischen den Nationen gibt es nicht. Wir selbst trennen nur Familien und Frauen von alleinreisenden Männern.“ Die Situation in der Unterkunft sei nicht schlechter als vor der Übernahme durch den ASB.

          Kritik wird aber auch daran geübt, dass der ASB die Angebote eines Unternehmens und eines Ehrenamtlichen ablehnten, in einen Internetzugang zur Verfügung zu stellen, mit dessen Hilfe Flüchtlinge Kontakt zu ihren Familien aufnehmen könnten. Fernseher gibt es auch nicht. „Das Land stellt dies in seinen Unterkünften nicht zur Verfügung“, äußerte das Regierungspräsidium Darmstadt. „Sollte es Spender geben, wird dies nicht verboten.“

          In der Einrichtung soll es auch zu teils heftigem Streit gekommen sein. „Über angebliche tägliche Auseinandersetzungen ist uns nichts bekannt“, so das Regierungspräsidium. Wachdienst und Dolmetscher sowie die Betreuer seien gehalten, auf sich anbahnende Konflikte umgehend zu reagieren und das Gespräch zu suchen.

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