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Kalibergbau : Ein Tunnelsystem so groß wie München

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„Kalimandscharos“ sollen grün werden

Auch für die rund 300 Millionen Tonnen an Produktionsrückständen, die nach Angaben von K+S auf den drei gewaltigen Halden bei Philippsthal, Heringen und Neuhof angehäuft sind, zeichnet sich auf lange Sicht eine Lösung ab. Die „Kalimandscharos“ werden zwar weiter wachsen, sollen dabei aber allmählich ergrünen. Noch in diesem Jahr wird die Halde bei Philippsthal-Hattorf zunächst auf einer Fläche von 40 mal 25 Metern mit einer fünf Meter dicken Schicht aus bei der Hausmüllverbrennung entstehender Schlacke und Kraftwerksasche aus der Braunkohleverbrennung abgedeckt. Die Mixtur soll gut von Wurzeln durchziehbar sein und eine dauerhafte Begrünung ermöglichen. Das Regenwasser, so die Theorie, sickert dann nur noch zu einem geringen Teil in den salzigen Untergrund ein, der Rest wird in der begrünten Schicht gehalten und verdunstet. 80 Prozent der Abwässer, die heute noch am Fuß des Berges ankommen, könnten so möglicherweise vermieden werden, allerdings erst von 2075 an, wenn alle drei Halden vollständig abgedeckt sind.

K+S hat zuletzt schwierige Zeiten durchlebt. Knapp drei Jahre nachdem der damalige Vorstandschef Norbert Steiner den Übernahmeversuch des kanadischen Konkurrenten Potash zu 41 Euro erfolgreich abgewehrt hat, kostet die K+S-Aktie heute nur noch gut halb so viel; vom Rekordstand von mehr als 91 Euro im Jahr 2008 ist sie meilenweit entfernt. Doch die Unternehmensführung hat sich für die Zukunft viel vorgenommen. Auf ein Jahrzehnt mit schwankenden Erträgen und Gewinnen soll von 2020 an eine wachstums- und renditeträchtige Zeit folgen. Der Umsatz, so die Zielvorgabe, soll bis zum Jahr 2030 von zuletzt knapp 3,5 Milliarden auf elf Milliarden Euro steigen, die Mitarbeiterzahl mindestens gehalten werden. Allerdings bleibt K+S auch nach dem 2015 gescheiterten Versuch ein Kandidat für eine Übernahme oder Fusion.

Ab 2060 ist Schluss im Schacht

Begonnen hat der Kalibergbau in Hessen und Thüringen Anfang der 1890er Jahre, als erstmals südlich des Harzes „weißes Gold“ gefunden wurde und im Werratal das „Kalifieber“ ausbrach. Die 2,50 bis 3,50 Meter mächtigen horizontal verlaufenden Flöze mit dem wertvollen Rohsalz finden sich in einer Tiefe von 600 bis 1000 Meter. Seit mehr als 200 Millionen Jahren ruhen die Salze dort trocken und nahezu unverändert unter einer 500 Meter mächtigen Schicht von Buntsandstein, wassergeschützt durch eine bis zu 100 Meter dicke Tonschicht. In abgebauten Grubenfeldern in Herfa-Neurode entstand deshalb bereits 1972 eine Untertagedeponie, in der toxische Abfälle, deren Verbleib an der Erdoberfläche das Trinkwasser gefährden könnte, „langzeitsicher“ gelagert werden.

Heute werden in Deutschland nach Angaben des zuständigen Industrieverbandes jährlich etwa sieben Millionen Tonnen an Kali- und Magnesiumdüngemitteln produziert, die Hälfte davon für den Export. Die K+S Kali GmbH mit Standorten in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Thüringen hat einen Anteil von etwa acht Prozent an der Weltproduktion. Die größten ausländischen Kalisalzdepots finden sich in Kanada, Russland und Weißrussland; viertgrößtes Vorkommen sind die deutschen Lagerstätten. In Hessen und Thüringen kann nach Einschätzung des K+S-Konzerns noch mindestens bis zum Jahr 2060 zu wirtschaftlichen Bedingungen Kali gefördert werden. Dann ist dort, jedenfalls nach heutigem Stand der Technik, Schluss im Schacht.

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