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Kalibergbau : Ein Tunnelsystem so groß wie München

  • -Aktualisiert am

Klage über Versalzung der Werra

K+S ist ein Weltkonzern; 14.500 Mitarbeiter auf allen fünf Kontinenten, davon 10.000 in Deutschland. Zwar sind die Produktionskosten hierzulande nicht zuletzt wegen strenger Umweltauflagen höher als an anderen Standorten. Dennoch ist die Förderung gerade an der Werra für das Unternehmen unverzichtbar, weil kein anderes Kaliwerk der Welt eine derart breite Palette an Düngemitteln für die Landwirtschaft, Einsatzstoffen für die Industrie und Auftaumitteln für den Winterdienst fertigt. Rund 20 Millionen Tonnen kali- und magnesiumhaltige Rohsalze landen jährlich zur Weiterverarbeitung in den Fabriken Hattorf, Wintershall und Unterbreizbach.

Wichtiger Auftraggeber in der Werraregion: Rund 4400 Mitarbeiter beschäftigt der Kasseler K+S-Konzern. Bilderstrecke

So alt wie der Kaliabbau in der Region ist auch die Klage über die Versalzung der Werra. Die Bergleute bauen für die Düngerproduktion Rohsalz ab, aus dem mit Wasser das wertvolle Kalium ausgewaschen wird. Zudem läuft mit Salz belastetes Regenwasser von den hohen Abraumhalden herunter. Insgesamt sieben Millionen Kubikmeter Lauge müssen jedes Jahr entsorgt werden, die Hälfte davon bisher, zum Ärger von Naturschützern, in die Werra.

Kein Widerspruch zum Umweltschutz

Aus Sicht des Unternehmens sind Kaliproduktion und Umweltschutz kein Widerspruch. Der neue Vorstandsvorsitzende Burkhard Lohr, seit Mai 2017 im Amt, ist in die Charme-Offensive gegangen, propagiert eine „Nachhaltigkeitsstrategie“ und zeigt sich in Verhandlungen mit Naturfreunden und Kritikern auf Seiten der Kommunal– und Landespolitik kompromissbereit. Der Konzern konnte sich die Unsicherheit, ob es die für Betriebserweiterungen und Salzabwasserentsorgung notwendigen Genehmigungen geben würde, einfach nicht mehr leisten. Klagen von Naturschützern sollen deshalb künftig möglichst vermieden werden.

Anfang des Jahres hat der Konzern eine 180 Millionen Euro teure Anlage zum Eindampfen ungenutzter Salzlösungen in Betrieb genommen. So verringert sich die Abwassermenge im Revier Werra um 1,5 Millionen Kubikmeter jährlich. Die verbleibenden 5,5 Millionen Kubikmeter werden noch in 600 Meter Tiefe liegenden Gesteinsschichten „versenkt“ oder in die Werra geleitet und von dort über die Weser in die Nordsee gespült. Die umstrittene Verpressung von salzhaltigen Abwässern in den Untergrund wird nach derzeitigem Stand aber 2022 eingestellt. Stattdessen soll die Lauge entweder verfestigt und in ausgebeuteten Salzstollen „eingestapelt“ oder durch eine 160 Kilometer lange Pipeline nach Bad Karlshafen transportiert und dort in die Weser gespült werden. Die führt deutlich mehr Wasser als die Werra, so dass die Laugenkonzentration nach Einschätzung von K+S auf ein umweltverträgliches Maß verdünnt würde. Die Grundsatzentscheidung – Einstapeln oder Entsorgung via Rohrleitung – will der Konzern noch in diesem Jahr treffen. Als Gegenleistung für diese rechtsverbindlichen Zusagen zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seine Klage gegen die bestehende „Versenkgenehmigung“ zurück.

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