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Attacken auf Rettungskräfte : Eine beunruhigende Entwicklung

  • -Aktualisiert am

Höhere Aufmerksamkeit: Rettungskräfte demonstrieren für mehr Respekt. Bild: dpa

In Hessen sind im vergangenen Jahr 131 Notärzte, Sanitäter und Feuerwehrleute Opfer körperlicher Gewalt geworden. Innenminister Peter Beuth (CDU) fordert härtere Strafen. Ob das die Täter zur Räson bringt, darf bezweifelt werden.

          Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein Mensch ernsthaft zu Schaden kommt oder gar stirbt, weil ihm Rettungskräfte nicht helfen können, da sie während ihres Einsatzes attackiert werden. Was vor wenigen Jahren noch so gut wie undenkbar war, nämlich Notärzte, Sanitäter und Feuerwehrleute anzugreifen, geschieht immer häufiger. Wenn Helfer bespuckt, geschlagen und getreten werden, ist das zutiefst beunruhigend. Es ist das Symptom für eine Tendenz zur Enthemmung.

          Sicherlich ist es richtig, die Strafen für die Angreifer abermals zu erhöhen, auch wenn erste Schritte in dieser Hinsicht offenbar nichts gebracht haben. 2017 hat der Bundestag den Strafrahmen verschärft, und in Hessen hat sich 2018 die Zahl der Attacken auf die Rettungskräfte im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Innenminister Peter Beuth (CDU) will die Gewalttäter mit Haftstrafen zur Räson bringen, die nicht in eine Geldstrafe umgewandelt werden dürfen. Es ist offen, ob das die gewünschte Wirkung zeigen würde.

          Gewaltmonopol des Staates

          Die von Hessen initiierte Solidaritätskampagne „Schutzschleife“, bei der die Teilnehmer ihre Unterstützung für Polizisten und Rettungskräfte signalisieren, ist eine Geste. Man kann davon ausgehen, dass diejenigen, die eine solche Schleife tragen, ohnehin nicht zu den Personen gehören, die Sanitäter treten. Das Ziel dieser Aktion ist gleichwohl richtig, um eine Diskussion darüber anzustoßen, wie verkommen jemand ist, der diejenigen angreift, die unter Umständen auch ihm Leben retten können.

          Dazu gehört, Migranten klar zu machen, dass die Rettungsdienste neutral sind. Das mag nicht in allen Herkunftsländern der Fall sein. Es geht aber auch um den nötigen Respekt vor dem Gewaltmonopol des Staates. Wer Polizisten angreift, muss Konsequenzen spüren. Auch hier verschieben sich offenbar die Grenzen, wenn laut Kriminalstatistik vergangenes Jahr 13 Prozent mehr Polizisten attackiert wurden als noch 2017.

          Offenbar gibt es eine hohe Dunkelziffer. Viele Sanitäter erklären im persönlichen Gespräch, dass sie während ihrer Einsätze schon fast regelmäßig beleidigt und bedroht werden. Vor diesem Hintergrund kann das von Beuth geplante freiwillige Meldesystem für Rettungsdienste ein sinnvolles Instrument sein. Damit sollen Attacken dokumentiert werden, die nicht in der Kriminalstatistik auftauchen. Aber auch dies ist nur ein Instrument der Analyse. Eine Lösung für die dramatische gesellschaftliche Entwicklung scheint nicht in Sicht.

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