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Coronavirus in Hessen : Drei Neuinfektionen allein in Frankfurt bestätigt

Die Angst vor dem Coronavirus sorgt für viele Veranstaltungsabsagen. Bild: AFP

Die neue Lungenkrankheit breitet sich in Hessen weiter aus und hat nun auch die Mainmetropole erreicht. In Hessen ist die Zahl der Infizierten am Wochenende auf zehn Personen gestiegen.

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          Selbst Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) scheint nicht mehr damit zu rechnen, dass die Ausbreitung des Coronavirus in Hessen auf wenige Einzelfälle beschränkt werden kann. Das zeigt eine Nachricht von ihm auf der Plattform Twitter. Am späten Samstagabend schreibt er: „Wir bündeln unsere Informationen zu bestätigender Coronavirus-Fälle ab jetzt etwas stärker.“ Schon im darauf folgenden Satz meldet er, dass am Samstagabend die neue Lungenkrankheit bei vier weiteren Personen bestätigt worden sei. Bei den Betroffenen handelt es sich um drei Männer aus Frankfurt sowie um eine Frau aus dem Landkreis Groß-Gerau. Zuletzt wurden auch ein 52 Jahre alter Mann aus Wetzlar sowie eine 1978 geborene Frau in Lampertheim positiv getestet. Die Zahl der Infizierten in Hessen ist – Stand Sonntagabend – somit auf zehn gestiegen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Alle Neuinfizierten zeigen nach Angaben des hessischen Sozialministeriums nur leichte oder überhaupt keine Krankheitssymptome. Um mögliche Neuinfektionen zu vermeiden, würden Kontaktpersonen „nachverfolgt“, teilt das Ministerium mit. Einer der Männer, ein 1989 geborener Frankfurter, hat sich womöglich auf einer Italienreise angesteckt.

          Infektionskette führt zu Fall aus Wetzlar

          In drei Fällen lässt sich eine Verbindung zu dem Einunddreißigjährigen aus Wetzlar ziehen, der schon am Donnerstag positiv auf das Virus getestet worden war. Einer der Neuerkrankten, ein junger Frankfurter, Jahrgang 1988, wird derzeit in einem Krankenhaus stationär isoliert. „In diesem Fall hat das Gesundheitsamt gemeinsam mit dem Betroffenen entschieden, dass eine häusliche Isolierung aufgrund der Wohnsituation nicht möglich ist“, heißt es zur Begründung.

          Der zweite Frankfurter, Jahrgang 1992, befindet sich in häuslicher Quarantäne, ebenso die infizierte Frau, Jahrgang 1979, aus dem Landkreis Groß-Gerau. Schon am Freitagabend hatte das Ministerium mitgeteilt, dass ebenfalls ein 29Jahre alter Mann aus dem Hochtaunuskreis an dem neuen Virus erkrankt sei. Er soll laut Gesundheitsamtsleiterin Birgit Lindenthal gemeinsam mit dem 31Jahre alten Patienten aus Wetzlar für ein mittelhessisches Unternehmen auf einer Dienstreise in der Lombardei gewesen sein. Weil er sich krank gefühlt habe, sei er schon von Montag vergangener Woche an zu Hause geblieben und habe sich somit selbst isoliert, sagte Lindenthal. Der Landrat des Hochtaunuskreises Ulrich Krebs (CDU) mahnte zur Ruhe. Es gebe derzeit keinen Grund, Schulen und Kindergärten zu schließen.

          Ebenfalls infiziert sind zwei junge Gießener. Sie hatten Kontakt zu einem Infizierten aus Nordrhein-Westfalen. Trotz der vielen Versuche, die Bevölkerung zu beruhigen, ist Verunsicherung bei den Bürgern deutlich zu spüren. Am Samstag nutzen viele die Gelegenheit, um Vorratskäufe zu erledigen. Die Regale in vielen Supermärkten waren schon am Vormittag nahezu leer. In manchen Märkten war kein Wasser mehr zu bekommen, in anderen waren Nudeln, Reis und Mehl ausverkauft. An den Kassen bildeten sich lange Warteschlangen. Viele Kunden nutzten die Wartezeit, um sich mit speziellen Tüchern oder Gels die Hände zu desinfizieren. Auch den Einkaufswagen fasste manch einer erst nach einer gründlichen Reinigung an. Wohl dem, der überhaupt Desinfektionsmittel ergattern konnte. Verschiedene Drogeriemärkte in der Frankfurter Innenstadt konnten die Nachfrage ihrer Kunden nicht mehr bedienen.

          Lufthansa Group prüft Kurzarbeit

          Die Angst vor dem Virus hat auch Auswirkungen auf das Freizeitverhalten vieler Bürger. Eine Sprecherin vom Schauspiel Frankfurt berichtete von „einer Hand voll“ Besuchern, die am Wochenende ihre Karten aus Angst vor dem Virus zurückzugeben hätten. Auch in der Oper hätten etwa 20 Gäste darum gebeten, die Karten umtauschen zu können. Alle Kulturstätten stehen laut ihrer Sprecher im engen Austausch mit dem Gesundheitsamt. Bislang habe man kein Signal erhalten, Veranstaltungen abzusagen. Trotzdem wolle man auf die Lage reagieren. So stehen beispielsweise in der Alten Oper seit dem Wochenende an allen Eingängen Desinfektionsmittelspender bereit. „Wir spielen aber nicht mit Mundschutz“, versicherte Michael Quast, Direktor der Volksbühne.

          Auch die Lufthansa Group bekommt die Virus-Angst ihrer Kunden zu spüren. Der Konzern befürchtet, das Angebot von Kurz- und Mittelstreckenflügen um bis zu ein Viertel reduzieren zu müssen. Als Grund nennt die Lufthansa Group die „verschärften Situation durch die beschleunigte Verbreitung des Coronavirus“ – und die daraus resultierende mangelnde Nachfrage. Die Möglichkeit von Kurzarbeit werde geprüft.

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