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Landesentwicklung : Mittelzentren als Massenware

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir will benachbarte Kommunen zu einer stärkeren Zusammenarbeit bei regionalen Versorgungsaufgaben bewegen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir eingesetzte Expertenkommission hat bestätigt,dass 23 Prozent aller hessischen Kommunen Mittelzentren sind. Davon hat der Bürger nicht viel.

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          Bad Homburg, Flörsheim und Mühlheim, oder auch Kelkheim, Hofheim und Langen haben eines gemeinsam: Sie sind sogenannte Mittelzentren. Nach der Definition der Landesplaner bieten sie über das eigene Stadtgebiet hinaus für mindestens 40 000 Bürger Kultureinrichtungen, Schulen, Sport- und Schwimmhallen an, und sie sollen Gerichte und Ämter, aber auch Kranken- und Ärztehäuser und natürlich Einkaufsmöglichkeiten vorhalten.

          Man muss kein Kenner der Landesplanung sein, um zu wissen, dass diese Beschreibung nur auf die Kreisstädte Bad Homburg, Hofheim und vermutlich noch für die Stadt Langen zutrifft, nicht aber auf Flörsheim, Mühlheim oder Kelkheim. So aber sind im Regierungsbezirk Darmstadt 56 Städte als Mittelzentren eingestuft; 95 sind es in ganz Hessen.

          23 % der hessischen Kommunen

          Das sind zu viele. Das hat eine von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir eingesetzte Expertenkommission jetzt bestätigt. 23 Prozent aller hessischen Kommunen sind Mittelzentren. Und sie alle erhalten dafür Mittel aus dem Kommunalen Finanzausgleich. Davon hat der Bürger nicht viel. Vor allem nicht im Rhein-Main-Gebiet. Dort bilden die Mittelzentren einen dichten Kranz um Frankfurt herum, die auch nach Ansicht von Al-Wazir alles haben, „nur keinen Versorgungsbereich“, also Bürger aus Nachbarkommunen, die sie mitversorgen. Die Städte bieten den Bürgern jeweils das Gleiche an, statt durch Kooperationen das Angebot zu verbessern.

          Es ist richtig, dass dies geändert werden soll. Zumal die planerischen Freiheiten wie etwa die Ansiedlung eines großen Einkaufsmarktes, die Mittelzentren genießen, nicht wirkungsvoll sind, wenn fast jede Stadt diesen Rang für sich in Anspruch nehmen kann. Das hat zu viel Zwist und Konkurrenz geführt.

          Als Lösung will Al-Wazir die Kommunen zur Zusammenarbeit antreiben. Das ist sinnvoll, doch die Umsetzung wird schwer. Auf Verständnis oder gar Wohlwollen von Seiten der Mittelzentren wird Al-Wazir sicher nicht stoßen, gleichgültig, wie er das Thema angeht. Die Expertenkommission rät, feste Kooperationsverträge zu verlangen und mit finanziellen Konsequenzen zu drohen, sollten sie nicht erfüllt werden. Die meisten betroffenen Kommunen würden ein solches Vorgehen als Nötigung empfinden. Doch es ist nun einmal Aufgabe der Landesplanung, Entwicklungen mit Blick auf das große Ganze zu steuern. Da muss Al-Wazir ran.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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