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Grimms-Märchen-Reich : Interaktive Begegnung mit Rapunzel

Verkleidet durch die Kulissen: Im Museum können Kinder in Märchenrollen schlüpfen. Bild: Rainer Wohlfahrt

In Hanau öffnet das „Grimms-Märchen-Reich“ seine Pforten. Die Geburtsstadt der berühmten Märchenerzähler bietet jedoch mehr als nur zauberhafte Atmosphäre für die kleinen Besucher.

          3 Min.

          Für Rebecca muss alles seine Ordnung haben. Deshalb dreht das Mädchen die Scheiben an dem Spielzeugturm ganz flink so, dass alle Teile zusammenpassen und die Märchenfiguren wieder richtig zusammengesetzt sind. Zufrieden seufzt die Kleine und hält nach der nächsten Aufgabe Ausschau, die sie sich vornehmen könnte. Moritz ist heute ein kleiner Prinz im hellblauen Gewand. Blitzschnell klettert er den Rapunzelturm hinauf, drückt auf einen Knopf und lässt die Beleuchtung aufflammen. Auch Lina und Dalina sind fix. Im Team statten sie in Windeseile das Hexenhaus mit Lebkuchen aus, die wie durch Zauberhand an der Fassade kleben bleiben. Mit Feuereifer sind die Kinder bei der Sache, denn sie sind die Ersten, die das „Grimms-Märchen-Reich“ im Hanauer Museum Schloss Philippsruhe erobern dürfen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Dass die 30 Kinder an der Generalprobe gestern teilnehmen durften, hatten sie sich verdient. Als Mitglieder des vom städtischen Kinder- und Jugendbüro zusammengestellten Kinderkomitees standen sie den Museumsmachern in den vergangenen Monaten mit Rat und Tat zur Seite, probierten die Mitmachstationen aus und gaben Tipps, wie man diese aus Sicht eines Kindes noch besser machen könnte. Von Sonntag an steht das neue Museum im Historischen Museum Schloss Philippsruhe allen zur Verfügung, die eintauchen wollen in die Welt der Familie Grimm und der Märchen, die Jacob und Wilhelm einst zusammentrugen.

          Kein Glitter, Tüll oder Kitsch

          Glitter, Tüll und Kitsch erwartet die Besucher im Märchenreich nicht. Das von der Agentur Schwarz Düser/Düser entwickelte Konzept für das Hanauer Museum hat klare Formen, ist modern, interaktiv, digital und bietet ohne Schnickschnack viel Abwechslung auf den Spuren der Grimm’schen Märchen. Das fängt im Flüsterflur mit dem sprechenden Bild von Marie Hassenpflug, einer der wichtigsten Geschichtenzuträgerinnen der Grimms, an, setzt sich im Lesereich mit Hör- und Filmstationen und sieben Märchenwelten fort und endet im Raum der Verwandlung mit Spiegelkabinett, wo die jungen Besucher in ein Märchenkostüm schlüpfen können. Beim Eintritt in die Märchenwelt bekommen sie einen Pass, der ihnen hilft, ihr ganz persönliches Märchen zusammenzustellen und an einer Märchenhecke zu hinterlassen.

          Spielstationen: An der Gestaltung hat das Hanauer Kinderkomitee mitgewirkt.

          Das „Grimms-Märchen-Reich“ in Hanau ist auf 340 Quadratmetern ein Museum für Kinder von Kindern, sagt Kuratorin Nina Schneider. Damit unterscheidet es sich von der Grimm-Welt in Kassel. Doch auch Erwachsene sind in Hanau nach Schneiders Worten gut aufgehoben, denn es gibt viel über die berühmte Familie und die in Hanau geborenen Geschwister zu erfahren. 20 Meter lang ist ein Zeitstrahl im Flur, von dem aus sich die Räume erschließen. Der Strahl verbindet chronologisch das Leben der Grimms mit dem Zeitgeschehen in Europa und Hanau. Neu gestaltet wurde die Präsentation der im Museumsbestand vorhandenen Grimm-Exponate wie die Aktentasche und der Gehrock von Jacob Grimm. Noch aufgestellt wird der Entwurf des Nationaldenkmals von Jacob und Wilhelm, das auf dem Hanauer Marktplatz steht, dem Ausgangspunkt der Deutschen Märchenstraße.

          Grafiken und Zeichnungen von Ludwig Grimm

          Interaktiv betrachtet werden können Grafiken und Briefe sowie Zeichnungen des malenden Bruders Ludwig Emil Grimm, während der große Bestand seines Werks im Museumsbesitz sicher verwahrt ist. Als „Alleinstellungsmerkmal“ stellte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Beschäftigung mit den unbekannteren Grimm-Brüdern Carl Friedrich und Ferdinand Philipp heraus, deren Verhältnis zu Jacob und Wilhelm nicht immer das beste gewesen sein soll. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse dazu trug der Experte Heiner Boehncke zusammen.

          Die Veranstalter rechnen mit bis zu 25.000 Besuchern pro Jahr.

          Mit bis zu 25.000 Besuchern im Jahr rechnet Martin Hoppe, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur. Ein Großteil davon werden Schulklassen und Kindergartengruppen sein. Auf gut 100 Quadratmetern im ersten Stock und im Erdgeschoss wurden im sanierten Nordflügel des Schlosses drei gut ausgestattete museumspädagogische Räume eingerichtet, auch eine Küche gibt es. Die Sanierung des zuvor als Depot genutzten Schlossflügels kostete rund 1,6 Millionen Euro, vor allem Hausschwamm hatte dem historischen Gebäudeteil schwer zugesetzt. Mit 410 .000 Euro schlug die Ausstattung des Märchenreichs zu Buche.

          Die Eintrittspreise sollen laut Kaminsky für alle erschwinglich sein. So ist der Eintritt für Kinder bis fünf Jahre frei, von sechs bis 18 Jahren kostet er einen Euro, Familien zahlen acht Euro, Erwachsene vier Euro. Während der Saison der Brüder-Grimm-Festspiele gelten die Festspiel-Tickets als Eintrittskarte. Am 4. und 5. Mai wird das neue Museum mit einem Märchenfest im Park von Schloss Philippsruhe gefeiert.

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