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Frankfurts neue Altstadt : Endlich ist das Belvedere zugänglich

Ein Prunkstück der neuen Frankfurter Altstadt: Die Goldene Waage wird für Besucher geöffnet. Bild: Francois Klein

Ein weiterer Höhepunkt für Frankfurt: Die Goldenen Waage, für viele das schönste Haus der neuen Altstadt, öffnet die Pforten für Besucher.

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          Das Haus zur Goldenen Waage, für viele das schönste Haus der neuen Altstadt, wird zum Museum. Nicht das ganze Haus, aber zumindest das erste und zweite Obergeschoss. Und auch nicht zu einem richtigen Museum, sondern nur zu einer Dependance des Historischen Museums. Damit setzt sich eine Tradition fort, die 1913 begonnen hat. Damals überließ die Stadt das altehrwürdige Bauwerk, das 1618 der reiche Zuckerbäcker und Textilfarben-Händler Abraham van Hamel hatte erbauen lassen, ihrem Stadtmuseum, das damals insgesamt sechs Gebäude in der Altstadt bespielte.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So musste Museumsdirektor Jan Gerchow nicht lange überlegen, als Jochem Jourdan, der Architekt der neuen „Goldenen Waage“, ihm die Idee unterbreitete, das Historische Museum könne doch wieder dieses architektonische Schmuckstück für Ausstellungen nutzen. Nachdem die Stadt die Mittel für die Dependance bereitgestellt hat, ist eine Dauerausstellung daraus geworden mit sechs Zimmern, die mit Mobiliar ausgestattet wurden, wie es beim Bürgertum der Stadt einst in Mode war.

          Nur mit Führung zu genießen

          Die Räume in der „Goldenen Waage“ können die Besucher nur im Rahmen von Führungen in Augenschein nehmen. Diese Führungen beginnen im Haupthaus des Historischen Museums, also dem Neubau. Der erste Weg führt hier in die Dauerausstellung „Frankfurt einst?“, wo eine Abteilung der Altstadt und ihrer Entwicklung durch die Jahrhunderte gewidmet ist und das Stadtmodell der Brüder Treuner birgt. Danach folgt ein Spaziergang mit Erläuterungen durch die neue Altstadt. Erst dann treten die Gäste ein in die Große und Kleine Stube im zweiten Stock der „Goldenen Waage“, die der Familie Hamel einst als Repräsentations- und als Schlafzimmer dienten.

          Reiche Geschichte: 1618 wurde die Goldene Waage vom wohlhabenden Zuckerbäcker und Textilfarben-Händler Abraham van Hamel erbaut. Bilderstrecke

          Freilich hat Maren Härtel, die Kuratorin der Möbelsammlung, diese und die vier Zimmer im Stockwerk darüber nicht mit Schränken und Betten aus der Zeit Hamels, des ersten Bewohners der „Goldenen Waage“, ausgestattet, sondern hat Möbel ausgewählt, die das wohlhabende Frankfurter Bürgertum auch der folgenden Jahrhunderte repräsentiert. So findet sich zum Beispiel in der Kleinen Stube ein sogenannter Knorpelschrank aus dem Besitz der Familie Rothschild und ein Stockwerk höher ein Kabinettsschrank aus dem der Familie Weinberg.

          Öffnen

          Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der gestern durch die Räume führte, wies darauf hin, dass Abraham van Hamel ein Flüchtling war, ein Glaubensflüchtling aus der Stadt Tournai in den südlichen Niederlanden, der als Calvinist mit vielen anderen Glaubensgenossen vor der spanischen Herrschaft fliehen musste. Für den Oberbürgermeister ist Hamel ein Beispiel dafür, dass Frankfurt in der Vergangenheit und auch heute von Zuzüglern profitiert, die ihre Heimat verlassen mussten oder wollten. Der Höhepunkt einer Führung durch das Haus „Goldene Waage“ dürfte für viele Besucher der Aufstieg hoch auf das Dach des Gebäudes mit seinem Belvederschen, wie der Frankfurter so eine Dachterrasse nennt, sein. Von dort haben sie den wohl besten Blick auf den Dom. Hier haben sich an lauen Sommerabenden die Hamels und die vielen Familien, die ihnen als Besitzer der „Goldenen Waage“ folgten, erholt.

          Wenn die Besucher Glück oder, je nach Temperament, Pech haben, begegnen sie dort oder in den beiden Museums-Stockwerken zwei seltsamen Bewohnern. Zum einen hat in der „Goldenen Waage“ ein amerikanischer Nachfahr des Abraham van Hameln, ein Investmentbanker namens Jost van Hameln, Quartiere genommen. Zum anderen poltert oder rumpelt zuweilen ein Hausgeist durch die Räume und macht seltsame Geräusche oder verrückt die Möbel. Das jedenfalls erzählte gestern Susanne Gesser, die das Führungskonzept erarbeitet hat. Sie hat beste, vermutlich telepathische Beziehungen zu den beiden mysteriösen Hausbewohnern.

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