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Uhrenmanufaktur Shorokhoff : In der Ruhe liegen Ideen für Kunst am Handgelenk

Uhren-Architekt: Alexander Shorokhoff mit einer kleinen Auswahl seiner Kreationen Bild: Rainer Wohlfahrt

Vor 25 Jahren gründete Alexander Shorokhoff eine Uhrenfirma in Frankfurt. Seitdem hat er etwas geschafft, das in seiner Branche sehr selten ist. Doch hegt er noch einen Traum.

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          Das ist die Geschichte eines ehemaligen Jungkommunisten, der im russischen Auftrag in Hessen die Marktwirtschaft kennenlernen sollte. Sie handelt von einem Architekten, der es im Laufe von nur zehn Jahren in der unübersichtlichen Uhrenbranche zu einem der wenigen Hersteller unverwechselbarer Kreationen gebracht hat. Von einem, der seine Uhren in Hongkong genauso verkauft wie in Deutschland und neuerdings in Mexiko. Einem Mann aus Moskau, der sich von Jazz-Pianistinnen inspirieren lässt und der für neue Ideen die Ruhe und Beschaulichkeit seiner Wahlheimat am Bayerischen Untermain sucht. Im Büro von Alexander Shorokhoff in Alzenau künden Urkunden von Design-Preisen. Besonders stolz ist der Mittelständler auf einen Publikumspreis. Mittlerweile baut er auch Uhren für 35.000 Euro das Stück und bekommt Aufträge für kostspielige Unikate. Aber der Reihe nach.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Eiserne Vorgang war noch nicht lange gefallen, da schickte ihn seine alte Heimat nach Wiesbaden. Er schnupperte in die westdeutsche Wirtschaftsordnung hinein, und das sollte sich bald für ihn auszahlen. Nach der Rückkehr nach Moskau unterbreitete ihm der Chef der russischen Uhrenmarke ein Angebot: den Aufbau eines Vertriebs für die Firma. Obwohl Shorokhoff bis dahin mit Uhren nichts zu tun gehabt hatte, nahm er an. Er ließ sich in Frankfurt nieder, trat in den Verband der Uhrenhersteller ein, knüpfte Kontakte zu Händlern, merkte aber bald: Hier läuft etwas schief. Denn während er die mit robusten Werken ausgestatteten Poljot-Uhren zu regulären Preisen anbot, verkauften fliegende Händler nicht nur in Berlin entsprechende Ware auf sogenannten Russenmärkten zu Dumping-Preisen.

          Erstling gibt Zweitmarke den Namen

          Shorokhoff zog die Konsequenzen. Er gründete seine erste eigene Marke und nannte sie Poljot International. In seinen Kreationen tickten Werke der russischen Marke, vor allem das Chronographenwerk 3133 mit Stoppfunktion. Als Erstling brachte er die „Basilika“ heraus. Der teilweise in kyrillischer Schrift gehaltene Name und ein Zwiebelturm als Logo wiesen auf die Wurzeln des Unternehmers hin. In jenen Tagen zählte seine Firma drei Leute: den Gründer und zwei Uhrmacher. Auf die „Basilika“ folgten Dutzende weiterer Uhren der Marke Poljot International, zudem führte Shorokhoff eine Zweitmarke ein. Sie heißt wie seine erste Kreation.

          Sonne, Mond und Tierkreiszeichen: Das Shorokhoff-Modell „Babylonian I“ wurde 2015 für den German Design Award nominiert
          Sonne, Mond und Tierkreiszeichen: Das Shorokhoff-Modell „Babylonian I“ wurde 2015 für den German Design Award nominiert : Bild: Rainer Wohlfahrt

          Bis 2010 fährt er zweigleisig und macht sich mit beiden Marken einen Namen. 2011 wagt Shorokhoff dann den Sprung auf eine neue Ebene. Er bringt Uhren unter seinem Namen heraus. Von Poljot International und Basilika unterscheiden sie sich in zweierlei Hinsicht. Mit der Marke Alexander Shorokhoff strebt der Unternehmer in das zuvor den Schweizern und Marken aus Sachsen vorbehaltene Luxussegment. Mit der Reihe „Avantgarde“ beansprucht er, „Kunst am Handgelenk“ zu machen. Indem er die „12“ oben auf dem Zifferblatt durch die „60“, die „4“ durch die „20“ und die „8“ durch die „40“ ersetzt, gibt er seinen Uhren ein individuelles Gesicht. Zumal der Liebhaber von Avantgarde-Kunst keine Scheu vor wilden Mustern hat.

          Perlmuttring mit Tierkreiszeichen

          So zeigt das Zifferblatt des nach Treffen mit der Jazz-Pianistin Dennerlein entworfenen Modells „Barbara“ in der Mitte einen Notenschlüssel und außen schwarze und weiße Striche nach dem Vorbild der Klaviertasten. Für das Modell „Babylonian I“ lässt Shorokhoff Halbmond und Sonne um das Zentrum kreisen und hat einen Perlmuttring mit Tierkreiszeichen in Blautönen auf das Zifferblatt gelegt. Jedes Tierkreiszeichen deckt eine Stunde ab. Das Zifferblatt des mit dem German Design Award 2017 prämierten Modells „Winter“ zeigt Äste, die von einer glitzernden Schneedecke aus Diamanten bedeckt sind.

          Das klingt verrückt, ist aber erfolgreich. Shorokhoff schreibt Gewinne und plant nach seinen Worten fest mit dem Bau einer Manufaktur. Wo sie entstehen und wie sie aussehen solle, sei mit der Stadt Alzenau längst geklärt. Noch fehlt etwas Geld. Doch seine Tochter, die im Marketing mitarbeitet, zählt auf den Neubau. „Sie sagt zu mir, das ist das Wichtigste, das du mir hinterlassen solltest“, erzählt der Chef von 17 Angestellten und lacht.

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