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Europa League : Nichts für schwache Nerven

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Gutes Pressing-Verhalten: Mijat Gacinovic im Zweikampf während des Europa League Spiels gegen Lazio Rom. Bild: AFP

Mijat Gacinovic ist in der Europa League eine treibende Kraft in der Eintracht-Offensive. Beim Showdown gegen Donezk könnte er einen Schritt zurück machen – zum Wohl des Teams.

          Die Europa League liegt Mijat Gacinovic. In den bislang sieben Spielen dieser Fußballsaison stand der Eintracht-Profi siebenmal in der Startelf. Der Serbe rechtfertigte das Vertrauen von Trainer Adi Hütter mit zwei Toren (gegen Limassol und Lazio Rom) sowie vier Vorlagen. Diese Bilanz übertrifft deutlich sein Abschneiden in der Bundesliga, in der für ihn nur eine Vorlage in 20 Einsätzen (elfmal von Beginn an) zu Buche steht. Das statistische Ungleichgewicht beim Abschluss führt Gacinovic auch darauf zurück, dass er auf internationalem Parkett mit mehr Ruhe vor dem gegnerischen Tor gehandelt habe.

          Auf jeden Fall nahm der 24-Jährige jedes Mal eine Position in der Offensive ein. Dort, findet Gacinovic, kann er seine Wirkung am besten entfalten – wenn er die nötige Nervenstärke beweist. An diesem Donnerstag (18.55 Uhr), im zweiten Aufeinandertreffen zu Hause gegen Schachtar Donezk nach dem 2:2 im Hinspiel, muss der Nationalspieler aber womöglich einen Schritt zurück machen zum Wohl der Eintracht. Denn in der Schaltzentrale vor der Abwehr ist das Frankfurter Grundgerüst personell heftig ins Wanken geraten.

          Es wäre eine Überraschung, wenn die defensiven Mittelfeldspieler Gelson Fernandes (Oberschenkelprobleme) und Sebastian Rode (Wade) beide im Schnellverfahren genesen würden. Hütter wäre vermutlich froh, wenn er in dem Entscheidungsspiel um den Einzug ins Achtelfinale wenigstens auf einen seiner beiden resoluten Abräumer und Dauerläufer zurückgreifen könnte. Die größere Hoffnung auf ein Blitz-Comeback besteht bei Rode, er drehte am Montag auf dem Trainingsplatz immerhin Laufrunden, gleichwohl muss seine Einsatzchance als gering erachtet werden. Schließlich will die Eintracht nicht eine schlimmere Verletzung bei ihm riskieren. Sein Kollege Fernandes, der Störenfried, der als Balldieb mit seiner Hartnäckigkeit dem Gegner das Leben schwermacht, wird das Europa-League-Spiel aller Voraussicht nach verpassen. Im Gegensatz zu Rode könnte auch das Bundesliga-Spiel am Sonntag in Hannover noch zu früh für den Vorkämpfer kommen.

          Gacinovic –  ein aggressiver Zweikämpfer

          Auch Gacinovic sticht auf dem Platz hinter den Spitzen als aggressiver Zweikämpfer hervor. Den Gegner unverdrossen anzulaufen und zu attackieren ist sein Markenzeichen. Die Balleroberung in der Defensive zählt aber nicht unbedingt zur Kernkompetenz von Gacinovic. Trotzdem schickte der ehemalige Trainer Niko Kovac den flinken Profi oft auf der Sechserposition ins Rennen. Für eine dauerhafte Verlagerung seines Arbeitsplatzes um eine Position nach hinten konnte sich Gacinovic nicht empfehlen. Und Hütter würde bei ihm nur positionsbezogen umdenken, wenn er sich dazu gezwungen sähe. Der Trainer braucht Gacinovic vorne für den Vorstoß beim Pressing.

          Allerdings ist dieser momentan kein Gewinn auf ganzer Linie, denn Gacinovic bringt bei seinen Auftritten zu wenig Struktur ins Offensivspiel. Als weitere Option für das defensive Mittelfeld bietet sich Jonathan de Guzmán an. Für dessen Berücksichtigung spricht, dass ihm das Aufgabengebiet vertraut ist. Nur ist der Niederländer aktuell nicht auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Er lässt Konstanz und Handlungsschnelligkeit vermissen.

          De Guzmán ist sicher kein Tempomacher. Außerdem sind seine stetig wiederkehrenden Fehlpässe ein Ärgernis. Das Bundesliga-Duell am Sonntag gegen Gladbach (1:1) offenbarte in Abwesenheit von Neuzugang Rode, wie wichtig dieser schon nach kurzer Zeit mit seinen läuferischen und spielerischen Mitteln geworden ist. Der international erfahrene de Guzman hat den Vorteil, dass ihn ein K.-o.-Spiel wie gegen Donezk nervlich nicht aus der Bahn werfen sollte.

          Das „größte Spiel meiner Karriere“

          Für seinen Mitspieler, den erst 19 Jahre alten Frankfurter Innenverteidiger Evan Ndicka, ist es das „größte Spiel meiner Karriere“. Druck auf die etablierten Kräfte bei der Eintracht konnte Jetro Willems, der ein weiterer Aushilfskandidat ist, als Einwechselspieler nicht ausüben. Um einen Schritt in der internen Hierarchie nach vorne zu machen, scheint ihm der Behauptungswille abzugehen. Für dauerhafte Nominierungen konnte sich der wankelmütige Niederländer trotz seiner fußballerischen Begabung bei Hütter nicht aufdrängen.

          Und was ist mit dem Eintracht-Eigengewächs Marc Stendera? Würde ihn Hütter in dem Match mit maximaler Bedeutung aufbieten, wäre das sicher die größte Überraschung. Im Hinspiel in der Vorwoche in der Ukraine gehörte Stendera nicht zum Kader. Auf seinem Arbeitszettel stehen in dieser Saison in der Bundesliga und Europa League erst 192 Minuten Einsatzzeit. Gacinovic hingegen kommt allein in der Europa League auf 593 Minuten.

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