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Straßenumbau in Darmstadt : Verkehrsfluss soll nicht ins Stocken geraten

  • -Aktualisiert am

Verkehrsachse in Darmstadt: Die Frankfurter Straße soll vor dem Werkseingang von Merck umgebaut werden. Bild: Frank Röth

Die Frankfurter Straße in Darmstadt soll umgebaut werden. Die Vorschläge dafür gehen auf das Pharmaunternehmen Merck zurück, das hier seinen Hauptsitz hat. Merck will auch die Kosten für Planung und Realisierung übernehmen. Viele Bürger sehen das dennoch kritisch.

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          Anfang Dezember hat Darmstadts Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke (parteilos) schon mehr als 3800 Unterschriften gegen den geplanten Umbau der Frankfurter Straße erhalten. Vor allem bei den Bürgern des sich nördlich anschließenden Stadtteils Arheilgen hatten die Umbaupläne heftige Kritik ausgelöst. Die umfangreichen Umgestaltungsvorschläge gehen auf das Pharma- und Chemieunternehmen Merck zurück, das an der Frankfurter Straße seinen Hauptsitz hat und Darmstadts größter Arbeitgeber ist. Im Hinblick auf die 350-Jahr-Feier 2018 war das international agierende Unternehmen mit dem Vorschlag an die Stadt herangetreten, die Frankfurter Straße vor dem Eingang zum Werk zu einem repräsentativen Platz aufzuweiten. Damit soll das Firmengelände, das sich auf beiden Seiten der Frankfurter Straße erstreckt, optisch miteinander verbunden werden. Vorgesehen ist auch eine Verengung der Straße von derzeit vier auf zwei Spuren.

          Bürger fürchten Abhängen ihres Stadtteils

          Die Kosten für Planung und Realisierung übernimmt Merck. Die Stadt will bei dieser Gelegenheit die Abwasserkanäle vom Firmengelände unter die Frankfurter Straße verlegen und die Heag mobilo die Straßenbahnhaltestelle barrierefrei umgestalten. Merck hatte die mit der Stadt abgesprochenen Entwürfe Mitte September öffentlich vorgestellt.

          Viele Arheilger fürchten, dass sie und der Stadtteil Wixhausen mit zusammen rund 25.000 Einwohnern durch die Verengung der Fahrbahn von der Innenstadt abgehängt werden. Schließlich könne 100 Prozent Verkehr nicht auf 50 Prozent der Straße passen, so die Argumentation. Daraufhin hat die Interessengemeinschaft Arheilger Bürger Unterschriften gesammelt. Sie spricht sich für andere Verkehrslösungen aus und fordert einen Probelauf, mit dem Auswirkungen einer verengten Straße getestet werden.

          Sie werde oft gefragt, warum die Stadt die Frankfurter Straße verkaufe, sagte Zuschke. Das sei jedoch falsch: Die Straße bleibe in städtischem Besitz. Auch Bauherrin sei die Stadt, Merck mache die Umgestaltung in ihrem Auftrag. Der Stadtverordnete Hanno Benz (SPD) kritisierte, dass in der Magistratsvorlage vom 2. November das Ziel der Firma übernommen werde, dass die Straße künftig nicht mehr „an Merck vorbei-“, sondern „durch Merck hindurchführt“. Es könne nicht sein, dass ein Unternehmen öffentlichen Raum plane und bezahle und die Stadt die Planungen widerspruchslos übernehme. Diesem Vorwurf widersprach die Verkehrsdezernentin. Die Stadt prüfe die Vorschläge des von Merck beauftragten Planungsbüros kritisch, zudem seien die Entwürfe noch keineswegs beschlossen. Alle Vorschläge und Einwände der Bürger und der Politik würden in den Vorentwurf eingehen.

          Tempo 30 statt 50 wie bisher

          Martin Zahn von dem beauftragten Darmstädter Planungsbüro R + T Ingenieure für Verkehrsplanung stellte den aktuellen Entwurf vor. Er sieht vor, dass die vier Fahrstreifen auf zwei reduziert werden und die Autos nur noch Tempo 30 statt bislang 50 fahren dürfen. Rund 19.000 Autos rollen täglich dort vorbei. Die beiden Fahrstreifen sollen durch eine Mittelinsel getrennt werden, damit die Straße sicher überquert werden kann. Täglich wechseln rund 11.000 Fußgänger die Straßenseite an dieser Stelle. Eine Bedarfsampel soll die beiden vorhandenen Fußgängerampeln ersetzen, was den Verkehr verflüssigen werde. „Entscheidend für die Leistungsfähigkeit einer Strecke ist nicht deren Breite, sondern die Knotenpunkte“, sagte Zahn. Eine Animation, die auf der Anfang 2014 gemachten Verkehrszählung beruht, zeigte, dass die Leistungsfähigkeit der Straße erhalten bleibt, weil der Verkehr an den Knotenpunkten flüssiger vorbeifahren kann.

          Einige Bürger bezweifelten, dass die Verkehrszählung das tatsächliche Verkehrsaufkommen widerspiegele. Auf breite Ablehnung stieß der gemischte Rad- und Fußweg, nicht nur bei Mitgliedern des ADFC. Radstreifen seien deutlich sicherer; gemischte Rad- und Fußwege befeuerten dagegen den Konflikt der Verkehrsteilnehmer. Als Beispiel dafür wurde der Herrngarten genannt. Einige wünschten sich, dass der Umbau der Straße ausgeweitet werde von der Maulbeerallee im Norden bis zum Martin-Luther-Platz im Süden.

          Verkehrsdezernentin Zuschke nahm die Anmerkungen auf und wollte sie berücksichtigen. Sie bot zudem an, eine weitere Verkehrszählung an einem von den Bürgern vorgeschlagenen Datum zu veranlassen. Nun werde ein Vorentwurf erarbeitet, der in einer weiteren Veranstaltung mit den Bürgern diskutiert werde. Erst danach folgten der Entwurf und schließlich der Ausführungsplan.

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