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Helmut Schwan (hs.)

Geplante Impfzentren : Die Chance auf einen normalen Sommer

  • -Aktualisiert am

In Hessen sollen mehrere Impfzentren eingerichtet werden (Symbolbild). Bild: dpa

Alle wollen möglichst bald ihr Leben „vor Corona“ zurück. Die Chancen darauf werden umso größer, je mehr Menschen zu einer Impfung bereit sind.

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          So schnell wie möglich sollen auch in Hessen Impfzentren eingerichtet werden. Die logistische Aufgabe ist groß. Die Herausforderung, möglichst viele davon zu überzeugen, sich und andere auf diese Weise vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, ist jedoch noch viel größer. Umfragen deuten darauf, dass erst jeder dritte Deutsche dazu fest entschlossen ist; rund vierzig Prozent wollen es „wahrscheinlich“ tun.

          Aber Umfragen sind Umfragen und unverbindlich. Erfahrungen mit anderen Impfkampagnen zeigen, dass man nicht zu optimistisch sein darf. Dies gilt diesmal umso mehr, als ein erheblicher Teil der Bevölkerung vermutlich erst einmal abwarten will, ob die neuartigen Substanzen tatsächlich so effektiv sind und ihre Nebenwirkungen so gering, wie die Tests ergaben.

          Impfung ist kein Freifahrtschein

          Das Zögern ist legitim, und die Frage nach einer Impfpflicht stellt sich daher vorläufig nicht. Aber sie könnte – Ehrenwort des Bundesgesundheitsministers hin oder her – wieder auf die Tagesordnung kommen, falls es mit der Freiwilligkeit doch nicht so weit her ist wie erhofft und sich womöglich eine dritte Welle der Pandemie aufbaut. Die rechtlichen Hürden für eine Impfpflicht wären nicht allzu hoch – jedenfalls zunächst nicht bei denen, die mit alten und kranken Menschen im engen Kontakt sind. Aber auch darüber hinaus. Der Gesetzgeber, das hat er in der vergangenen Woche mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes gezeigt, kann sehr schnell sein, wenn er der Überzeugung ist, ein Gesundheitsnotstand drohe.

          Alle wollen möglichst bald ihr Leben „vor Corona“ zurück. Das hängt aber stark davon ab, wie viele willens sind, mitzutun und sich von der Vernunft leiten zu lassen. Und die gibt es nur im Paket: Noch etliche Monate wird man auf so manche Begegnung und Freizeitaktivität verzichten, im Zweifel besser Maske tragen und Abstand halten müssen. Am Mittwoch jedenfalls dürften die gegenwärtigen Beschränkungen zumindest verlängert, wenn nicht sogar verschärft werden.

          Je mehr zu dem kleinen Piks in den Oberarm bereit sind, umso größer ist die Chance, dass vielleicht im nächsten Sommer wieder „Normalität“ herrscht. In der Zwischenzeit kann man darüber nachdenken, was an dem Vertrauten und Gewohnten so wertvoll war und ist. Und darf dabei nicht vergessen, dass der Stempel im Impfpass noch lange kein Freifahrtschein sein wird.

          Helmut Schwan
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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